Und jetzt alle mitsingen: „In diesem Tal darf die Trägheit noch grenzenlos sein“

Von Redaktion

Nico Schifferer beim Singspiel

alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,
liegen darunter verborgen und dann
würde, was uns groß und wichtig erscheint
plötzlich nichtig und klein.

Das war er, der Höhepunkt der gestrigen Fastenpredigt von Nico Schifferer alias Bruder Barnabas im voll besetzten Bräustüberl. Nach seiner 90-minütigen Predigt hatte Schifferer zu einem Singspiel angesetzt. Und beim zweiten Lied sangen Sie alle mit: Die Gäste, die unzähligen Prominenten, zwei Pfarrer und sogar die Bürgermeister. All das was Schifferer in seiner einzigartigen Art zuvor derbleckt hatte, zusammengefasst in einem Satz.

Der Abend begann mit einer kurzen Ansprache von Bräustüberl Wirt Peter Hubert. Der Bayrische Rundfunk war da, viele Kameras und Mikrofone, die jedes Wort aufnahmen und es auf die in den vier Räumen verteilten Fernseher übertrugen. Und sogar über das Internet schauten einige zu. „Im letzten Jahr waren es allein 500 Zuschauer. Und in diesem Jahr rechnen wir mit deutlich mehr“ so Hubert.

Danach zapften Peter Janssen und Georg von Preysing als Stellvertreter des verhinderten Jakob Kreidl das Fass an. Mit einem guten Schluck Starkbier erträgt sich der folgende Spott wohl besser. Denn die Abrechnung von Bruder Barnabas mit den anwesenden Würdenträgern war deftig. Zwar nie unter der Gürtellinie und auch (fast) nie persönlich werdend, langte er trotzdem richtig zu.

Direkt, aber nie unter der Gürtellinie

Angefangen bei Gmunds Bürgermeister von Preysing, dem Sie ausgerechnet als studierten Bauingenieur drei Ruinen – Kaltenbrunn, Maximilian und den Ludwig-Erhard-Platz – vor die Tür gestellt haben. „Die erste darf er nicht umbauen, die zweite kann er nicht abreißen und die dritte darf er nicht in die Luft jagen.“
Aber einen Vorschlag für das Maximilian hatte Schifferer parat: „Einen Swingerclub soll man draus machen. Dann klappts auch mit dem Publikumsverkehr.“

Starkbierfest im Bräustüberl / 30. März 2011

Weiter am See kam als nächstes der Wiesseer Bürgermeister Peter Höß an die Reihe. Wobei Höß ganz gut wegkam. Die „lange Bank von Wiessee“ über die sich Schifferer ausließ hatte nämlich nur indirekt etwas mit Höß persönlich zu tun. Viel mehr ging es um den „dauer-verhinderten Möchtegern-Bürgermeister“ Kurt Sareiter, der „ausgeknockt von seiner verlorenen Wahl gegen alles stimmt was Höß im Gemeinderat vorschlägt.“ Wenn dieser links sage, kommt von Sareiter sicher ein rechts. Wenn laut Höß die Sonne aufgeht, kann man davon ausgehen, dass es bei Sareiters Nacht ist.

Die Auswirkungen dieser Verhinderungspolitik im Gemeinderat haben aber auch was positives. „In Bad Wiessee bleibt man jung, denn die Zeit ist ja stehengeblieben.“

Langer Anlauf in Richtung Tegernsee

Über Kreuth, wo mal wieder – ganz im Gegensatz zu früher – einfach nichts passiert ist, worüber man sich auslassen könnte. Ganz einfach aus dem Grund weil es in Kreuth, bis auf das „talweite Aushängeschild“ Vicky Rebensburg nichts gibt.

Über Kreuth also ging es nach Rottach-Egern mit einem kurzen Schwenk zur Doktor-Scheid-Straße und den Klagen der Anwohner gegen die Gebührenpolitik von Franz Hafner.

Wobei das eher ein Einstieg war für die anschließende Breitseite gen Peter Janssen. Den laut Schifferer „Bürgermeister auf Abruf, der sowieso tut was er will“.
2014 so der Prediger weiter „werden einige drei Kreuze schlagen, wenn der Janssen sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen kann.“

Starkbierfest im Bräustüberl / 30. März 2011

Peter Janssen nahm mit Abstand die meiste Zeit der fünf anwesenden Bürgermeister ein. Dabei verlieh ihm Nico Schifferer gleich zu Beginn den Titel „Prozess-Junkie des Tals“.

Um dann, etwas ehrfürchtig-spötisch, es mit der Charakterisierung von Janssen`s Politikstil weiterzumachen: „Der betreibt eine Politik nach dem Prinzip: Viel Feind, viel Ehr. Mit dem halben Ort hat er sich angelegt. Alleine für seine Prozesse haben Sie in München ein neues Gericht nebst vier Richtern aufgemacht.“

Dabei schloß er mit der Hoffnung einiger Anwesender, dass nach Janssen hoffentlich ein Bürgermeister mit „pazifistischem Normalego“ folgen werde.

Einer der größten Momente der gesamten Predigt war dann, auch ganz passend, einer Fehde geschuldet. Und zwar der zwischen Maria Heiss und Peter Janssen. In der Predigt musste dafür ein Zitat des südafrikanischen Nobelpreisträgers Desmond Tutu herhalten:„Der ehemalige Erzbischof habe einmal gesagt, sein allerhöchstes Bild vom Frieden wäre es, wenn der Peter Janssen die Maria Heiss bitten würde sich in seinem Poesiealbum zu verewigen. Und die Maria Heiss würde sagen, klar doch Peter und würde kriechenden Selerie in getrockneter Form einkleben.“ Diese Pointe Schifferers wurde aber noch getoppt vom in Richtung Maria Heiss vorstürmenden Tegernseer Bürgermeister, der ihr anschließend unter großem Gelächter die Hand drückte.

„Was sind denn heute hier für Hasen unterwegs!?“

Starkbierfest im Bräustüberl / 30. März 2011

Aus dem Stegreif jedoch kamen Schifferers stärkste Momente. Als er beispielsweise eine Misswahl der am Pult vorbeilaufenden „Hasen“ einläutete oder seine mitgebrachten Musiker wegen eines verpatzten Gags rausschmiss.

Ansonsten war das ein oder andere Mal eine gewisse Ladehemmung beim Prediger zu verspüren. „So einfach wie der Kreuther und der Rottacher Bürgermeister davon kamen, das hätte es in früheren Jahren nicht gegeben,“ war eine Aussage, die man im Anschluß hinter vorgehaltener Hand ein paar Mal zu hören bekam.

Trotzdem war der Abend sehr gelungen. Genau diese humorige, nicht verbissene, augenzwinkernde und doch treffende Art sich mit Politik auseinaderzusetzen. Bei aller Kritik liebenswert, jedoch hart im Detail. Das hat die meisten mitgerissen. Manche zum Nachdenken gebracht. Und die, die derbleckt wurden haben ihr Gesicht gewahrt. So soll es sein….

Vier der fünf Tal-Bürgermeister nach der Fastenpredigt.


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