Unfreiwillig wenig

Mehr Freiwillige in Bayern: Die Bilanz der Sozialministerin Emilia Müller zum FSJ fällt positiv aus. Doch in Holzkirchen und Umgebung sind noch einige Plätze frei, die Nachfrage ist im Schnitt eher mäßig. Wie passt das zusammen?

Das BRK braucht für eine erfolgreiche Arbeit viele Ehrenamtliche und Freiwillige.
Das BRK braucht für eine erfolgreiche Arbeit viele Ehrenamtliche und Freiwillige.

Wehr- und Zivildienst als Pflichtaufgabe junger Deutscher sind Vergangenheit, Modelle für Freiwillige haben die Nachfolge angetreten. Dazu gehört das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das „eine unverzichtbare Säule im Bürgerschaftlichen Engagement“ darstellt, so die bayerische Staatsregierung. Diese Meinung teilen Vertreter von Gemeinden und Verbänden wie dem BRK.

Den Trend der letzten Jahre betrachten die meisten jedoch mit gemischten Gefühlen. Der Geschäftsleiter der Holzkirchner Marktgemeinde, Robert Haunschild, hat zwar heuer die drei Stellen in Grund- und Realschule, Hauptschule und im Kindergarten Frühlingsdorf besetzen können. Aber: „Die Zahl der Interessenten ist reduziert“, so Haunschild. Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller sieht hingegen eine positive Entwicklung:

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Die Nachfrage nach dem FSJ ist ungebrochen. Mit 4.000 Freiwilligen in Bayern konnten wir den Vorjahreswert nochmals leicht steigern. Immer mehr Jugendliche nutzen die Zeit, um sich vor Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung ehrenamtlich zu engagieren und Erfahrungen, Wissen und Selbstvertrauen zu sammeln.

Vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen an Asylbewerbern erscheint eine neue Stelle der Gemeinde Holzkirchen besonders interessant. Im Rahmen eines FSJ sucht man Unterstützung bei der Arbeit mit Flüchtlingen in der Marktgemeinde. Die Stelle ist seit rund zwei Monaten geplant und wird vom Träger, dem Kreisjugendring, befürwortet. Noch ist sie allerdings nicht besetzt.

In der Miesbacher Zentrale des Kreisjugendrings ist man aber optimistisch, dass im August noch einige Bewerbungen eintreffen. Aktuell seien schon 17 von 30 Stellen besetzt. „Gerade jetzt, wo die Absagen von Universitäten und Lehrbetrieben verschickt werden und eintreffen, melden sich noch einmal viele junge Menschen“, so eine Sprecherin des Verbands. Da sei ein FSJ als Phase der Neuorientierung durchaus gefragt.

Die Freiwilligen sollen der Sprecherin des Kreisjugendrings zufolge aber nicht zu viel Verantwortung übernehmen, also zum Beispiel nie Aufsichtspflicht über Kinder und Jugendliche haben. Es gehe mehr ums „reinschnuppern“ in Einsatzfelder wie Schulen, Nachmittagsbetreuung, Kinderhorte und Jugendzentren. Als übergreifende Kriterien gelten beim Kreisjugendring ein Mindestalter von 18 Jahren und die Erfüllung der Vollzeitschulpflicht.

„Reifeprozess für junge Menschen“: FSJ mit Verantwortung beim BRK

Beim Bayerischen Roten Kreuz sieht man ein FSJ ohne viel Verantwortung hingegen kritisch: „Das FSJ ist als Lerndienst gedacht und soll zum Reifeprozess der Freiwilligen beitragen. Die jungen Leute lernen dadurch, erwachsen zu werden“, sagt Manfred Edenhofer, Leiter der Fahrdienste im BRK Miesbach.

“Natürlich ist die Arbeit mit teils schwerbehinderten Kindern nicht immer einfach. Nachdem anfängliche Berührungsängste abgebaut sind, gehen die Bufdis und FSL’ler aber ganz selbstverständlich mit den Kindern um. Viele schwärmen von der offenen und ehrlichen Zuneigung der Kinder und vermissen dies, wenn das freiwillige Jahr zu Ende geht”, so Edenhofer.

Lobeshymne der Ministerin: Realität sieht anders aus

„Den meisten gefällt es bei uns sehr gut. Einige verlängern ihr FSJ auch um ein halbes Jahr oder bleiben uns als Helfer erhalten.“ Allerdings konstatiert Edenhofer bisher einen eher geringen Andrang auf die FSJ-Plätze des BRK. Besonders beliebt sei aber immerhin die spannende Tätigkeit im Rettungsdienst. Vier bis fünf Freiwillige würde man aber gerne noch aufnehmen. Bewerben kann man sich ab 16 Jahren.

Vor allem im betreuten Fahrdienst sucht das BRK weiter nach Unterstützung durch Freiwillige. Während die Sozialministerin Müller also von „großartigem Engagement“ und „ungebrochener Nachfrage“ spricht, sieht die Realität im Landkreis Miesbach – knapp zwei Wochen vor Beginn des neuen FSJ-Jahres – etwas anders aus.

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