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Reportage aus dem Abfall

Die Müllsünder vom Tegernsee

Von Rose Beyer

„Sieht nach Tegernsee aus – es muss Mittwoch sein,“ so der Kommentar eines VIVO-Mitarbeiters, als er einen Müllsack in der Warngauer Müllhalle öffnet. Das hätte man besser trennen können, so die Kernbotschaft. Die meisten Landkreisbürger geben sich zwar Mühe bei der Mülltrennung. Doch die Tourismusgebiete im Tal hinken hinterher.

Dr. Martina Peters geht in ihrer Führung auch auf Problemmüll wie Putzmittel, Lacke oder Medikamente ein
Dr. Martina Peters geht auf Problemmüll wie Putzmittel, Lacke oder Medikamente ein.

Er ist unser täglicher Begleiter. Manchmal problematisch. Für manche aber durchaus rentabel. Auf jeden Fall ist es viel, was da zusammenkommt. 14.552 Tonnen Restmüll produzieren die fast 95.000 Landkreisbürger pro Jahr. Das sind mehr als 153 Kilogramm pro Person, weiß Dr. Martina Peters, die für Abfallberatung sowie Führungen durch das VIVO Kommunalunternehmen in Warngau zuständig ist.

VIVO – das heißt ausgeschrieben „Kommunalunternehmen für Abfall-Vermeidung, Information und Verwertung im Oberland“. Etwa 110 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Eine davon ist Peters. Sie will vor allem zum ersten Punkt Einiges beitragen – der Abfall-Vermeidung. Dazu berät sie vor allem Gewerbekunden, wie sie weniger Müll erzeugen.

Der Weg des Mülls

Die Geschichte fängt eigentlich auf der Straße an. Man kennt das Bild des lässig auf dem Trittbrett fahrenden Müllmanns, der dauernd rauf- und runterspringen muss, um Tonnen einzusammeln. Der Gestank muss bestialisch sein – so geht es einem wohl durch den Kopf, beobachtet man die Männer bei ihrer Arbeit.

Im Abfall schlummern aber häufig wahre Schätze, weiß Peters. Eigentlich sollen die Bürger ihren Müll ja vorher trennen. Tun die meisten ja auch. „Ich bin zufrieden mit den Bürgern hier“, sagt die Entsorgungsexpertin, ihres Zeichens Chemikerin.

Doch Mancherorts – beispielsweise in den Tourismusorten am Tegernsee – gebe es noch Nachholbedarf, meint sie. Gerade in den großen Hotels werde nicht wirklich akribisch getrennt. Dabei sei das finanziell echt rentabel. Denn Müll kostet in seiner Entsorgung bare Münze. Man bezahlt eine Grundgebühr von mindestens 100 Euro für Restmüll. Darauf summieren sich dann die produzierten Müllmengen. Restmüll kostet pro Liter immerhin 1 Euro pro Jahr.

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Trenne man den Müll dagegen, spare man bares Geld, meint sie. Denn Recycling beginnt bei der Abfalltrennung. Und sei im übrigen praktischer Umweltschutz. Glas, Biomüll, Papier und Leicht-Verpackungen kann die VIVO verwerten. Nur etwa ein Drittel der angefallenen Müllmenge ist dann noch Restmüll.

Während dieser in der Münchner Müllverbrennungsanlage in Flammen aufgeht, wird der Landkreismüll in Warngau wieder dem „Wirtschaftskreislauf“ zugeführt, verrät Peters. „Einschmelzen und was Neues daraus machen“, so lautet die Devise.

Seit Neuestem sammelt die VIVO auch große Kunststoffbehälter zur Verwertung ein. Wäschekörbe, Gießkannen, Obststeigen und sonstige Kunststoffbehälter kann man jetzt an den Wertstoffhöfen in Wiessee, Kreuth, Holzkirchen, Otterfing und Warngau abgeben, berichtet die Müll-Expertin.

Vom Energiefresser zum Energielieferanten

Neben dem Papierrecycling ist auch das Biogut-Recycling ein „Steckenpferd“ der VIVO. Daraus wird Energie und Kompost gemacht. „Wir sollten jede Ressource nutzen, die wir haben“, ist sich Peters sicher. Mehr als zehntausend Tonnen Biomüll produzieren die Landkreisbürger im Jahr. In dem Warngauer Werk wird er verwertet.

Was einmal Grünschnitt, Orangenschalen und sonstige Gemüseabschnitte waren, wird in sieben Wochen in vier sogenannten „Fermentern“ zu wertvollem Kompost. Auf dem Dach des Fermenters Nr. 4 stinkt es nicht einmal so sehr, wie man es erwartet hätte. Es riecht ein bisschen wie im Kuhstall.

Vom Biomüll zum Biogas zur Energie - das Blockheizkraftwerk der VIVO
Vom Biomüll zum Biogas zur Energie – das Blockheizkraftwerk der VIVO

Auch Strom entsteht bei der Verwertung des Bioguts, berichtet Peters. Mehr als 2,5 Millionen Kilowattstunden könnte die Anlage schaffen. Die Abwärme aus dem Biogut macht’s möglich. Und im Blockheizkraftwerk wird der Strom schließlich gemacht.

Die Leichtverpackungen landen schlussendlich weit weg. Hatte man ihn früher einmal in der hauseigenen Sortieranlage händisch sortiert, übernimmt nun eine Partnerfirma diese Aufgabe. Und wenn der Müll aus dem Landkreis in der Münchner Müllverbrennungsanlage in Flammen aufgeht, sind die Müllmänner vielleicht schon wieder im Tal unterwegs. Tonne greifen und einhängen, Knopf drücken, Tonne zurückstellen – der tägliche Kreislauf des „Müll-Lebens.

Wer jetzt auch Interesse hat sich die Anlage einmal selbst anzusehen, hat am 5. März die Möglichkeit an einer öffentlichen Führung teilzunehmen.

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