Leserbrief zum Thema neue Bauprojekte im Tegernseer Tal
Unser Tal soll hässlich werden

von Redaktion

Zahlreiche Großprojekte stehen in den kommenden Jahren rund um den Tegernsee an. Auch für den Denkmalschutz so mancher traditionellen Gebäude muss immer öfter gekämpft werden. Ein Graus, wie Manfred Reinshagen findet. Mit seinem nachfolgenden Leserbrief hofft er, Entscheidungsträger aufrütteln zu können.

Manfred Reinshagen tun die Oberbayern leid
Manfred Reinshagen tun die Oberbayern leid.

Heute unvorstellbar: Ein junger Miesbacher Landrat verhängte Ende der Sechzigerjahre einen Baustopp für das ganze Tegernseer Tal. In Koexistenz von Tradition und Tourismus war der liebliche Tegernsee das wahre Herz des Oberlandes. Eine Perle altbayerischer Kultur, die vor den heutigen, gefühlskalten Zeitgeist geworfen wird: ein Moloch, der München bereits verschluckte.

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Das Hotel Überfahrt in Egern war nicht mehr groß und gut genug und man setzte an den Malerwinkel ein protziges Hotel. Das Hotel Bayern in Tegernsee riss das Rohde-Haus ab – der Gasthof Glasl in Rottach, die „Bohne“ in Tegernsee und so weiter.

„Nachhaltiges Bauen“

Zudem führen neue Bauverordnungen zum Abriss oder zur Totsanierung von historischen Gebäuden, da man an sie dieselben Maßstäbe anlegt wie an Neubauten. Weshalb es immer weniger echte historische Bausubstanz mit natürlichen, atmenden Materialien gibt und immer mehr Industrieware und Schimmel. Bauschrott, den man nach 40 Jahren total sanieren oder wieder abbrechen muss; man nennt das „nachhaltiges Bauen“.

Das Tegernseer Tal, das seit den Fünfzigerjahren die zweite Heimat meiner Familie war, aber nicht mehr ist, wird durch immer mehr Nadelstiche zerstört; genauso auch ganz Oberbayern, das Allgäu, Tirol und die Schweiz. Dorfwirtshäuser schließen, Gäste ziehen sich zurück, es wird steril und öde.

„Mir tun die Oberbayern leid“

Wobei Neues nicht schlecht sein muss, es kann auch sehr bereichern. So wie in meiner ersten Heimat Schweinfurt, wo seit der OB Gudrun Grieser die Altstadt immer lebenswerter wurde. Und in Ostdeutschland, das glücklicherweise von dort in einem Tagesflug erreichbar ist, wurden die historischen Ortsbilder mit Augenmaß, handwerklichem Können und Liebe zum Detail restauriert; alte Dachziegel und Holzfenster blieben erhalten.

Potsdam, unzählige Kleinstädte und die historischen Landschaftsparks sind gar ein Traum. Ostdeutschland wurde zur schönsten Kultur- und Ferienlandschaft, was sich auch wirtschaftlich auswirken wird. Mir tun heute die Oberbayern leid, ihnen wird gerade ihre Heimat geraubt und von Investoren und Planern sterilisiert.

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