„Verkehrsleitsysteme taugen nur bedingt gegen Staus im Tal“

Stau sind rund um den Tegernsee usus. Und obwohl die lokale und landkreisweite Politik um das Problem wissen und das Thema jüngst zur Chefsache erhoben wurde, fanden sich bislang keine wirklichen Lösungen.

Dabei werden immer wieder auch kleinere Lösungsansätze diskutiert. Wie wäre es zum Beispiel mit einem elektronischen Verkehrsleitsystem, um Autofahrer vor langen Staus zu schützen? Die Idee ist gut, möchte man meinen. Aber ist sie für das Tal auch wirklich geeignet.

Stau ist im Tegernseer Tal nichts Ungewöhnliches / Archivbild
Stau ist im Tegernseer Tal nichts Ungewöhnliches / Archivbild

„Die meisten wollen wirklich an den Tegernsee“, weiß Eva Weber vom Staatlichen Bauamt Rosenheim. Sie ist für das Gebiet zuständig und beobachtet seit langem, wie viele Fahrzeuge durchs Tal hindurch oder daran vorbei fahren.

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Alle fünf Jahre – zuletzt im Jahr 2010 – finden amtliche Verkehrszählungen statt, bei denen an zwischen bestimmten Fahrabschnitten zu bestimmten Zeiten die durchfahrenden Fahrzeuge erfasst werden. Daraus ergibt sich dann eine durchschnittliche Verkehrsstärke. Auch wenn es Spitzenzeiten gibt – schöne Wochenenden zum Beispiel – oder Werktage, an denen weniger gefahren wird, das Verhältnis zwischen Ziel- und Quellverkehr und Durchgangsverkehr dürfte jeweils gleich bleiben, so Weber.

Der Verkehr sei tendenziell mehr geworden, wobei die Steigerung nicht signifikant sei, so Weber. Hier ein paar Beispiele verschiedener Messstellen und was dort über ein paar Jahre hinweg gemessen wurde:

Ortsdurchfahrt Tegernsee:
1985: 12.200 Fahrzeuge
1995: 15.400 Fahrzeuge
2005: 14.400 Fahrzeuge

Zwischen Gmund und Tegernsee:
1985: 13.000 Fahrzeuge
1995: 15.000 Fahrzeuge
2005: 14.400 Fahrzeuge

Bad Wiessee:
1985: 11.500 Fahrzeuge
1995: 13.000 Fahrzeuge
2005: 14.100 Fahrzeuge

Verkehrsfluss stockend

Staus entstehen immer dann, wenn der Verkehrsfluss nicht mehr so ist, wie es notwendig wäre. Viele Kommunen setzen deshalb auf effektives Verkehrs- und Informations-Management. Es sammelt und vernetzt Daten – beispielsweise Baustellen, Unfälle oder Staus – der umliegenden Autobahnen und kommunalen Straßen. Mit Infosystemen wird dann versucht, den Verkehr zu kanalisieren. Beispielsweise mit Tafeln, die Geschwindigkeiten anzeigen:

Staugefahr – bitte 100 fahren!

Oder Tafeln mit Botschaften für Truckfahrer:

LKW-Fahrverbot in Österreich am 25. Februar!

Generell wichtig beim Verkehrsleitsystem sei, so Eva Weber, dass nicht zuviel Information auf den Tafeln dargestellt wird, denn sonst seien die Autofahrer abgelenkt und das sei letztendlich auch ein Sicherheitsrisiko. “Die Information muss in kurzer Zeit lesbar und unterbewusst schnell aufgenommen werden können,” erklärt die Verkehrsexpertin.

So könnten Autofahrer mit Hinweistafeln an Staus vorbeigelotst werden. In diesem Fall wäre ein solches Verkehrsleitsystem auch zur Stauvermeidung im Tal sinnvoll. Autofahrer, die auf der A8 fahrend von München aus beispielsweise nach Innsbruck wollen, können so gehindert werden, den Stau im Tal noch zusätzlich zu verstärken, indem eine Infotafel an der A8 vor Holzkirchen den bestehenden Stau anzeigt:

Achtung: im Tegernseer Tal Stau von 5 Kilometer Länge!

Doch diese Autofahrer seien nur ein kleiner Anteil am Gesamtaufkommen. Das Problem sei der hohe Anteil des Ziel- und Quellverkehrs, erklärt Weber. Das sind die, die wirklich ins Tal wollen – zum Wandern, Skifahren oder weil sie dort wohnen. Andererseits aber auch Einheimische, die sich oft und viel im Tal mit dem Auto bewegen. Ein Verkehrsleitsystem – also das Umleiten der Leute ums Tal – würde in beiden Fällen nur wenig bringen. Denn die Leute wollen ja wirklich ins Tal oder sind eben schon da.

Verkehr als Chefsache

Um Staus zu vermeiden, müsste man also woanders ansetzen. Einerseits könnte der ÖPNV attraktiver gestaltet werden, so dass mehr Menschen umsteigen von der Straße. Andererseits bringen auch Maßnahmen etwas, damit sich Verkehrsteilnehmer leichter zurechtfinden.

Klingt logisch. Denn wer lange suchen muss nach einem bestimmten Hotel, nach einem Parkplatz oder einem Gasthaus, der fährt zwangsweise langsamer. Was dann wiederum den Verkehrsfluss behindert. Plakativ und schnell erfassbare Schilder beispielsweise wären eine Gegenmaßnahme – aber nicht so viele, dass ein sogenannter „Schilderwald“ entsteht, so Webers Rat. Letztendlich bleibt wohl nur, alle zielführenden Maßnahmen in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen. Eine Aufgabe an die Politik, die das Verkehrsproblem im Tal ja bereits zur “Chefsache” erkoren hat.

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