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Peter Höß: „Mit Eisfeld ist der Gemeinde ein Glücksgriff gelungen“

Interimslösung für VHS gefunden

Von Lydia Dartsch

Im Hin und Her um die Volkshochschule Bad Wiessee gibt es Neuigkeiten: die Gemeindeverwaltung hat ihr Versprechen gehalten und einen „Übergangsmanager“ angeheuert. Dieser hat zwei wesentliche Aufgaben zu erledigen.

Als "Übergangsmanager" soll Karl Heinz Eisfeld u.a. die Fusion der VHS mit den benachbarten Volkshochschulen "ausloten". /Quelle: TSV Bad Wiessee
Als „Übergangsmanager“ soll Karl Heinz Eisfeld u.a. die Fusion der VHS mit den benachbarten Volkshochschulen „ausloten“. /Quelle: TSV Bad Wiessee

Laut Bürgermeister Peter Höß ist der Gemeinde ein „Glücksgriff“ gelungen. Im Zuge der Zusage, den VHS-Betrieb, trotz der Debatte um Leitung und Vereinsmitglieder, vorübergehend zu unterstützen, hat man einen „Übergangsmanager“ gefunden. „Zeitlich befristet“ konnte Karl Heinz Eisfeld für diese Aufgabe gewonnen werden.

Wie das Wiesseer Rathaus mitteilt, will Bürgermeister Höß die Leistungen der Gemeinde zukünftig in „engere Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth“ bringen. Gemeint sind damit die Personalfinanzierung und die Raumbereitstellung der VHS. Eine dauerhafte Lösung müsse aber nach wie vor erst noch gefunden werden.

Interimsmanager soll Fusion ausloten

Mit Karl Heinz Eisfeld als „Übergangsmanager“ zeigt sich Bürgermeister Höß zufrieden. Als ehemaliger Kursleiter, VHS-Leiter und langjähriger Landesvorsitzender des Bayerischen Volkshochschulverbandes kenne er alle Ebenen und Facetten der Erwachsenenbildung. In der Leitungsfunktion habe er bereits Volkshochschulen zusammengeführt und sich mit den Rechtsformänderungen befasst.

Zuletzt war Karl Heinz Eisfeld Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH „VHS SüdOst“, die aus der Fusion der Volkshochschulen Neubiberg und Ottobrunn hervorgegangen ist. Als „Übergangsmanager“ bei der VHS Bad Wiessee muss er sich nun zwei Aufgaben stellen: zum einen soll er den bisherigen VHS-Betrieb und die für die Wintersaison geplanten Kurse aufrechterhalten – zum anderen, die Zusammenarbeit und Fusion mit den Nachbarvolkshochschulen ausloten.

Ursprünglicher Artikel vom 21. Juni 2015 mit der Überschrift: „Die Chance, die VHS sterben zu lassen“?

„Der Bürgermeister will die Volkshochschule (VHS) Bad Wiessee sterben lassen“, so Rolf Neresheimer auf Anfrage zur Kuratoriumssitzung am Dienstag. Dabei sieht es so aus, als habe die VHS ihre Situation selbst zu verantworten.

Die VHS Bad Wiessee ist ein eingetragener Verein. Und er steht kurz vor der Auflösung. Denn der Verein hat keine Mitglieder. Das bestätigte die noch amtierende Geschäftsführerin Renate Laubmann im Februar dem Wiesseer Bürgermeister Peter Höß per E-Mail.

„Wenn das so wäre, müsste der Verein aufgelöst werden“, sagt Monika Andreß, Pressesprecherin des Amtsgerichts München. Sieben Mitglieder braucht ein Verein mindestens, um sich zu gründen. Wenn die Mitgliederanzahl unter drei Personen fällt, verliert er den Status. Ob dies so ist, prüft jetzt das Amtsgericht.

Amtsgericht muss Hinweisen nachgehen

Grund dafür ist die Kuratoriumssitzung vom vergangenen Dienstag, bei der Rolf Neresheimer zum Kuratoriumsvorsitzenden gewählt wurde. Bürgermeister Höß geht nun davon aus, dass sich Neresheimer beim Amtsgericht München als Vereinsvorsitzender eintragen lassen wird und hat daher am Donnerstag ein Fax geschickt, in dem er darum bittet, von einer Änderung der Vereinseintragung abzusehen.

Weil aus dem Schreiben hervorgehe, dass der Verein keine Mitglieder habe, müsse das Amtsgericht nun den Status prüfen, erklärt Andreß. Bisher sei Laubmann – Rechtsanwältin von Beruf – der Ansicht gewesen, dass die Mitglieder des Kuratoriums für den Vereinsstatus ausreichten, sagt Rolf Neresheimer auf Anfrage.

Keine Mitglieder, kein Vorstand, kein Verein?

Doch was die Mitgliedschaft angehe, sei das Vereinsrecht klar geregelt, sagt Monika Andreß: „Entweder man ist Mitglied oder nicht.“ Und nur Mitglieder können den Vereinsvorstand wählen. Ein solcher ist aber auf der Homepage der VHS nicht angegeben, sondern lediglich Frau Laubmann als Geschäftsführerin.

„Bis das geklärt ist, kann es nicht weitergehen“, sagt Bürgermeister Höß. Zwar werden im nächsten halben Jahr weiter Kurse in Bad Wiessee angeboten – dafür werde man eine Interimslösung finden. Aber ein neuer Geschäftsführer – als Nachfolge von Frau Laubmann – werde bis dahin nicht eingestellt. „Ich möchte, dass die VHS auf rechtlich sicheren Füßen steht. Es ist unverantwortlich, in einer solchen Situation eine neue Geschäftsführung einzusetzen“, meint der Bürgermeister.

Vereinsmitglieder verstorben. Nachwuchs? Fehlanzeige!

Doch der Vereinsstatus wackelt. „Der Bürgermeister sieht jetzt die Chance, die VHS sterben zu lassen“, behauptete Neresheimer am Donnerstag gegenüber der Tegernseer Stimme. Denn als Banker habe Erwachsenenbildung bei Höß nur einen geringen Stellenwert.

Dabei ist das Kuratorium selbst Schuld an der jetzigen Lage des Vereins. Es habe mal Mitglieder gegeben, sagt Höß. Diese seien aber bereits verstorben, habe er von Laubmann erfahren. Und neue Mitglieder? Die scheinen sowohl Laubmann, als auch dem neuen Kuratoriumsvorsitzenden Neresheimer gerade nicht so wichtig zu sein. Man könne Mitglied werden, sagt er, aber:

Ich bin sicher, dass wir für Mitglieder werben werden, wenn es nötig sein sollte. Und wir werden ausreichend Mitglieder dafür bekommen.

Doch bis das Amtsgericht München entschieden habe, werde man weiter an der Tradition des Kuratoriums festhalten. Bis dahin könnte es allerdings zu spät sein.

Was ist der Grund für dieses Zögern und die hausgemachten Unsicherheiten? Ist es die Furcht vor Machtverlust? Bisher hat Renate Laubmann als Kuratoriumsvorsitzende und Geschäftsführerin auf Lebenszeit die Geschicke der VHS geführt. Hätte der Verein Mitglieder, hätten diese die Richtung mitbestimmt.

Angst vor Fusion mit VHS der Talgemeinden

Vielleicht hätten sie auch beschlossen, dass sich die VHS Bad Wiessee mit der VHS Tegernsee/Rottach-Egern/Kreuth zusammenschließen solle. Dagegen hatte sich die Mehrheit des Kuratoriums immer gewehrt – aus Angst, dass nach der Fusion keine Kurse mehr in Bad Wiessee stattfinden würden, wie Neresheimer am Donnerstag noch einmal betonte.

Eine Befürchtung, die Bürgermeister Höß von der Hand weist: Auch weiterhin fänden Kurse in Bad Wiessee statt. Es mache Sinn, die Organisation zu verschlanken und Kurse vor Ort anzubieten – und darüber hinaus im Tegernseer Tal: „Man kann Zehnjährigen zumuten, dass sie bis nach Miesbach zum Gymnasium fahren. Dann können auch Erwachsene in den Nachbarort zum VHS-Kurs fahren“, sagt er.

Eine Fusion der Volkshochschulen im Tal? Neben der VHS Bad Wiessee war bislang auch die VHS Gmund dagegen.
Eine Fusion der Volkshochschulen im Tal? Neben der VHS Bad Wiessee war bislang auch die VHS Gmund dagegen.

Neben Einsparungen im Haushalt verspricht sich Höß von einer Fusion eine stärkere VHS und eine deutliche Verbesserung des Angebots: „Es gibt so viel Neues, bei dem man die Leute mitnehmen muss“, sagt er. Denn, entgegen der Behauptung Neresheimers, sei ihm die Erwachsenenbildung „sehr, sehr wichtig“.

Zwischen 50.000 und 70.000 Einwohner brauche man für eine schlagkräftige VHS, sagt er. Mit dem ganzen Tegernseer Tal zusammen komme man auf 25.000 Einwohner. Erst ab einer bestimmten Größe zahle der Staat Zuschüsse. Seit Laubmanns Eintritt ins Rentenalter vor zehn Jahren habe es diese aber nicht mehr gegeben.

VHS Tegernsee/Rottach-Egern/Kreuth offen für Fusion

Es brodelt seit Längerem in der VHS Bad Wiessee: Zuletzt sorgte der Umzug der VHS aus dem Haus des Gastes und dem Hotel Zur Post auf das Wiesseer Sportgelände für Unmut bei der Geschäftsführerin, die zuvor beklagt hatte, dass sie lange Zeit nicht Bescheid gewusst habe, wo sie die Kurse künftig anbieten sollte.

Sollte der VHS Bad Wiessee e.V. aufgelöst werden müssen, könnte er sich der VHS Tegernsee/Rottach-Egern/Kreuth – mit 69 Mitgliedern – anschließen, sagt Höß. Christian Köck, Mitglied des erweiterten Vorstands, zeigt auf Nachfrage Bereitschaft dazu. Vielleicht werde dann auch die VHS Gmund – mit 40 Mitgliedern – noch dazukommen, sagt Höß. Auch diese weigert sich bislang, mit den anderen Volkshochschulen zu fusionieren.


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