Warum Banzn zum Kunstobjekt werden
Der Sprayer von der Weide

von Rose Beyer

Er „tut“ es einem britischen Künstler gleich. Ähnlich wie der Streetart-Maler „Banksy“ sich einen Namen in London und New York gemacht hat, ist Christian Stadelbacher mit der Spraydose unterwegs. Allerdings nicht in Metropolen. Sondern rund um den Tegernsee. Auf den Kuhweiden ist er auf der Suche nach Banzn und macht sie unverwechselbar.

Gekennzeichnet, um rund um den See auf Weiden zu stehen
Banzn: Gekennzeichnet, um auf Weiden zu stehen.

Selbst hergestellt, zusammengeschweißt von den Bauern, stehen sie sommers auf den Kuhweiden rund um den See. Sie dienen der Versorgung mit Wasser und sind Ausdruck bäuerlicher Kreativität, Flexibilität sowie Fürsorge. Jede von ihnen ist ein Unikat. Die Wasserkarren, aus denen Kühe ihr Trinkwasser beziehen, sind unübersehbar. „Banzn“ – so heißen die Vehikel im Volksmund.

Ihre Herstellung erfolgt dabei komplett in Eigenleistung, mit Schweißbrenner und Verschraubungen direkt auf den Bauernhöfen. So hat es Künstler Christian Stadelbacher in seinen Gesprächen mit den Bauern am See herausgefunden. Er besprüht die Wasserkarren mit seinem selbstdesignten Logo.

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Wasserkarren sind gelebtes Recycling

Faszinierend findet Stadelbacher, dass die Bestandteile der Wasserkarren nahezu ausnahmslos gebraucht sind und so einer Zweit-, Dritt- oder sogar letztendlichen Bestimmung zugeführt werden. Die in der Regel zufällige Zusammenstellung der einzelnen Bauteile – Achsen, Reifen, Bremsen, Tanks, Gestelle und so weiter – und die sich daraus ergebende Konstruktion führt zu einem unverwechselbaren und einzigartigen Wasserbanzn.

Stadelbacher war bisher in Gmund und Waakirchen mit seiner Spraydose unterwegs und hat die Wasserkarren als Unikate gekennzeichnet. Dazu hat er ein eigenes Logo entwickelt, das er schon auf etliche Banzn gesprüht hat. Auch bei Martin Hölzl in Waakirchen war er schon. Wenn jetzt bald die Weidesaison wieder losgeht, wird man hie und da vielleicht einen so gekennzeichneten Banzn entdecken können.

Wenn Stadelbacher nicht gerade bei den Bauern unterwegs ist, ist er in seinem Atelier in Bad Tölz beim Malen. In Öl gebannt auf Leinwand findet man dort das, was für einen Hiesigen selbstverständlich ist: Oberbayerisches Fleckvieh auf der Weide. Und die dazugehörigen Wasserkarren. Stadelbacher ist fasziniert davon.

Niemand kann wirklich sagen, warum das unsere Seelen so berührt.

Stadelbacher, der die Kühe gemalt hat, hat sich schon von frühester Kindheit an davon berühren lassen. Klar ist, dass so eine Kuh auch mal Wasser braucht. „80 bis 120 Liter am Tag“, weiß der Künstler, der beruflich in der Kommunikationsbranche tätig ist.

Dass er ausgehend von Kuh-Bildern im selben Sujet blieb, das Motiv sich aber änderte, habe sich eben so ergeben. „Dass die Kühe immer so warmes Wasser trinken müssten, finde sie eine Quälerei, meinte einst eine Tierschützerin.“ So habe alles angefangen mit den Wasserkarren. Die Tierschützerin spielte damit auf die Wasserbanzn an, die im Sommer stundenlang in der Sonne stehen.

Unter Kühen und Karren - Christian Stadelbacher in seinem Atelier
Unter Kühen und Karren – Christian Stadelbacher in seinem Atelier.

Von da an fing Stadelbacher an, die Gebrauchsobjekte zu Kunststücken zu erklären. In seinen Augen sind die Wasserbanzn bedeutend für die hiesige Kulturlandschaft. In seinen Bildern kommen Kühe und Wasserkarren impressionistisch, romantisch, friedlich und glücklich daher.

Die fast schon aufdringlich dominierende Ruhe und Harmonie eröffnet die Möglichkeit zum Diskurs über das, was als realistisch angesehen werden kann und animiert herauszufinden, was heute als Leitkultur gilt.

Ausstellung „Kühe und Wasserkarren in Kulturlandschaft“ noch bis zum 11. April, im Atelier von Christian Stadelbacher, Jungmayrplatz 11, Bad Tölz.

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