Neuer Trend im Oberland
Von der Kuh zu Lama und Alpaka?

von Sabiene Hemkes

Alpakas und Lamas sind Zugereiste. Sie weiden wie unsere heimischen Kühe und Rinder im Hochland. Normalerweise in den Hochebenen. Doch vereinzelt trifft man sie auch auf unseren Almen schon an. Geht der Trend jetzt weg von der Kuh?

Frischgeschorenes Alpaka auf der Jägerbauernalm/ Quelle S4ART M. Schulte

Wer mit Bike, Auto oder zu Fuß bei uns in den Bergen unterwegs ist kennt die Herausforderung, die es mit sich bringen kann, wenn sich Rindviecher auf der Straße niedergelassen haben. Wiederkäuend oder einfach nur flanierend, bewegen sich die teils riesenhaften Tiere auf dem Weg. Oft hilft dann nur Geduld. Denn als gleichberechtigte „Verkehrsteilnehmer“ scheinen sie sich ihrer Position bewusst zu sein. Oft eine Geduldsfrage – auch wenn es (fast) immer friedlich bleibt.

Nun drängen neue „Weiden-Player“ in die Szene – Neuweltkameliden. Wir kennen die Tiere als Alpakas oder Lamas, wobei die wenigsten von uns den Unterschied kennen.

Die Tiere stammen aus den Hochlagen Südamerikas. Lamas sind größer und schwerer als Alpakas. Unterscheiden kann man die beiden Arten an ihren Ohren: Die von Lamas sind bananenförmig, hingegen die von Alpakas wie Speerspitzen geformt. Zudem liefern Alpakas die feinere Wolle, wie Karin Hatzl aus Kreuth bestätigt:

Meine fünf Alpaka Hengste haben im letzten Jahr 10 Kilogramm Wolle „produziert“. Das reichte für 10 Bettdecken.

Die Decken ließ Hatzl, die auf dem heimischen Hof in Kreuth die Tiere im „Garten“ hält, in Berlin bei einem Spezialisten weben. Bis auf eine habe sie alle verkauft und alle Besitzer seien begeistert von der Qualität, erzählt die Alpakahalterin stolz.

Süß – aber keine Kuscheltiere

Die junge Kreutherin, die nach zehn Jahren in der weiten Welt, wegen Corona ins Tal zurückkehrte, liebt ihre Tiere. Klar, das Aussehen der Alpakas entspreche dem „Kindchenschema“, doch seien sie keine Kuscheltiere. „Alpakas sind reine Flucht und Distanztiere, das darf man nicht vergessen“, betont sie deshalb auch im Gespräch und ergänzt, „das ist einfach nicht ihre Natur“.

Auch absolut friedfertig seien die possierlichen Tiere, aber unter den Hengsten habe es am Anfang schon Machtkämpfe gegeben. Inzwischen sind aber vier Tiere bereits kastriert und es sei untereinander Ruhe eingekehrt.

Marinus Fischer aus Bayrischzell teilt die Liebe Hatzl‘s zu den Neuweltkameliden. Allerdings besitzt Fischer seit 10 Jahren die größeren Lamas. Die Tiere weiden im Sommer zusammen mit seinen Highlandern auf den Hängen des Wendelsteins. Im Winter grasen die vier Lamas in der Nähe des Hofs im Tal. „Die Viecher könnten auch das ganze Jahr oben bleiben. Denen macht die Kälte nichts, aber mit dem Futter ist es einfacher, wenn sie unten weiden“, erklärt Fischer.

Schottische Highlander neben südamerikanischen Langhälsen

Highlander und Lamas würden sich gut verstehen erzählt uns der Tierliebhaber. Allerdings haben die stolzen Schotten beim ersten Zusammentreffen erstmal Reißaus genommen.

„Ich bin damals mit zwei angeleinten Lamas zu den Highlandern auf die Wiese gegangenen. Da haben die ganz schön geguckt die Viecher. So etwas komisches hatten die sicher noch nicht gesehen.“ Inzwischen kommen die beiden Weidenachbarn super miteinander klar.

Die Lamas in Osterhofen haben einfach mal die Ruhe weg – die Wanderer freuts: Das Foto wird daheim für Aufsehen sorgen

Mit den menschlichen Weidegängern verlaufe es auch absolut super. „Die gucken zwar schon manchmal komisch, wenn denen ein Lama entgegenkommt, aber alles gut“, berichtet der Hobby-Bauer. Das sei nichts anders als bei den Rindern, klärt er weiter auf, die Lamas machen schon Platz, wenn man sich nähert. Auch Autos und Bikes. Nur bei Hunden kann es mal eng werden, „vor denen haben meine Lamas keine Angst“, sagt Fischer lachend.

Für Hunde kann die Begegnung auch mal unangenehm werden

„Ich war zwar selbst nicht dabei, aber wie mein Bruder mir berichtete, hat ein Hundebesitzer einmal bitter bereuen müssen, dass sein Tier die Lamas gejagt hat. Das Tier kam wohl ganz langsam auf Hund und Herrchen zu und spuckte einmal ausgiebig auf das Duo.“ Gesicht und Bart seien danach in bestialisch stinkenden grünen Lama Mageninhalt getaucht gewesen.

Da aber jeder Hundehalter wissen sollte wie sein Tier auf freilaufende Tiere reagiert und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreift, sollten auch Lamas und Alpakas kein Problem sein. In der Schweiz, wie auch in Ländern Übersee und England, werden Lamas auch schon als Herdenführer ausgebildet, da wohl auch der Wolf Respekt vor den großen, spukenden Tieren hat.

Wie die beiden Lama- und Alpakahalter jedoch unisono bestätigen, sind die Tiere absolut friedliebend und stellen keine Anspuck-Gefahr für den Menschen dar. Füttern sollten wir sie aber nicht, erklärt Hatzl noch. „Die Alpakas haben einen sehr empfindlichen Magen. Und wenn sie Äpfel oder andere saure Nahrungsmittel bekommen, kann das zu schweren Verstopfungen führen.

Das Alpaka daheim beim “zum Hausmann” in Kreuth. Am liebsten fressen Alpakas und Lamas Gras und Heu / Quelle: Karin Hatzl

Aber warum hält man diese Tiere aus Südamerika denn überhaupt in Deutschland? Zur Fleischproduktion nicht, das ist in Deutschland verboten. Und die Wolle wird auch kein entscheidender Faktor sein. Dazu erklärt die Alpaka Halterin: “Diese Tiere haben ein faszinierendes Karma. Wir bieten Wanderungen oder Picknicks mit den Tieren an.

Und sogar Yoga, in Zusammenarbeit mit Cross Pilates, unter den Augen der Tiere kann man buchen. Die Alpakas haben eine so beruhigende Wirkung auf Menschen. Das ist wirklich ein faszinierendes Erlebnis sich einfach nur in der Nähe dieser schönen und Ruhe ausstrahlenden Tiere aufzuhalten.”

Wer glaubt den sowas – Yoga vor den Alpakas – es soll natürlich und beruhigend wirken meint Julia Füßl von CROSSPilates / Quelle: Karin Hatzl

Auch der Lama-Fan aus Bayrischzell bietet Wanderungen mit seinen Tieren an. “Wir zeigen unseren Gästen, wie sie die Lamas führen müssen oder sich richtig führen lassen. So erleben sie gemeinsam mit den Tieren unsere schöne Bergwelt. Ein Erlebnis, das beide immer sehr genießen”, beschreibt Fischer sein Erlebnisangebot.

Ähnlich wie diese beiden Neuweltkameliden Freunde bieten viele andere im Landkreis dieses außergewöhnliche Tiererlebnis an. Einfach mal googeln. Es könnte der erste Schritt hin zu einem wunderbaren Erlebnis sein.


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