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Die Lilith-Trilogie des Wiesseer Martin Calsow

Von „Gratlern“ in Nah-Ost und „Gscheidhaferln“ im Tal

Von Rose Beyer

„Bei dem Wort Israel setzt bei vielen die Emotion ein und der Verstand aus,“ schreibt Martin Calsow in seinem Internet-Blog. Journalist ist er und Schriftsteller. Gehört zu den Kennern der Nahost-Politik und hat gerade sein zweites Buch veröffentlicht.

Geschrieben hat er es in Bad Wiessee. Hier findet er Worte, die fesselnder nicht sein können und die seinen Lesern eine neue, tiefere Sicht auf Israel geben. Worte, die ihn faszinieren. „Gscheidhaferl“ beispielsweise. Oder „Schmoigoass“, „Gratler“ oder „Muhackl“. Die erzählt ihm Peter Quercher, der Schreiner von nebenan, bei dem er ab und zu Holzarbeiten erledigt. Damit die Hände was zu tun haben. Und der Kopf mal Pause hat.

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Blick vom Ölberg auf Jerusalem / Quelle: Rosel Eckstein /pixelio.de

Drei Jahre lebt der Autor jetzt mit seiner Frau in Bad Wiessee. Ist immer noch fasziniert von der Landschaft. Hat für sich einen Weg gefunden, wie man kommunizieren kann mit den Leuten. „Obwohl das Tal nicht durchlässig ist,“ sagt er. Da gebe es ein paar Klassen, wenn man da nicht reinpasst, dann funktioniert’s nicht: die reichen Einheimischen, die reichen Zugezogenen, die Bauern und Handwerker und die Gastronomen.

Und die, auf die man am besten verzichten könnte, „die hierher kommen und den Leuten sagen, wie was zu funktionieren hat – die „Gscheidhaferln“ halt. Für Calsow hält das Tal trotzdem – oder gerade deshalb – jede Menge Geschichten bereit. Die Natur. Die Landschaft. Die Menschen. All das ist extrem reizvoll für einen Schriftsteller, sagt er.

Nichts ist schöner – und mit mehr Unrecht behaftet

Sein Haus steht in Bad Wiessee. Seine Gedanken sind im Nahen Osten. 16 mal war er in Israel. „Es gibt keinen schöneren Landstrich. Aber auch keinen, in dem mehr Unrecht geschieht,“ behauptet er. Mit seinen Werken möchte er seinen Lesern eine neue, tiefere Sicht auf Israel geben. „Derzeit fliegen wieder die Raketen. Krieg heißt hier: Ein Dutzend Tote auf israelischer Seite und Hunderte, wenn nicht bald Tausende tote Zivilisten auf palästinensischer Seite.

Es geht nicht ums Gegenrechnen. In dieser Region geht es nicht um Schuld. Es geht um Interessen.“ Beim Lesen von Calsows Blog erscheint zumindest einiges erklärbar. Jericho ist die älteste Stadt der Welt. Und so viele Menschen glauben ein Anrecht darauf zu haben. Was in Israel im Kleinen passiert, soll bald für die ganze Welt gelten. „Der Krieg um Wasser. Der Krieg um Land. Der Krieg um die Religion,“ schickt Calsow während unseres Interviews voraus.

„Natürlich gibt es in Israel eine Friedensbewegung. Sie ist in den letzten Jahren aber immer kleiner und unbedeutender geworden. Und es gibt jene Israelis, die längst mit Unbehagen den Weg des einstigen demokratischen Vorzeigestaates im Nahen Osten begleiten. Sie sind klug und aufgeklärt, aber gefangen in einer stummen Minderheit. Es gibt aber auch die radikalen Siedler mit ihrem unerträglichen Kolonialherren-Gebaren.

Die Orthodoxen, die jenseits jeder Logik und historischer Wahrheit argumentieren und hetzen. Die Militärs, die aus Israel längst ein waffenstarrendes Sparta gemacht haben. Und jene jüdischen Einwohner, für die Palästinenser Untermenschen sind, die man an jedem Grenzposten schikanieren, sie wie in Hebron mit Abfall bewerfen, ihre Häuser niederreißen, ihre Bäume fällen und ihre Felder zerstören darf.“ Der Blog spricht klare Worte.

Klare Worte gegen Israel

Calsow scheint mutig. Im Blog und in Büchern mit Worten. Auch im Interview zeigt er sich so. Kein Wort der Angst oder des Zweifels kommt ihm über die Lippe respektive Feder. Im Blog schreibt er gegen Politiker an. Im ersten Buch spart er nicht mit Kritik an diversen Präsidenten. Im zweiten Buch lässt er Bundeskanzlerin Angela Merkel sterben.

Martin Calsow lebt in Bad Wiessee
Martin Calsow lebt in Bad Wiessee
Diesem Mann nimmt man jede Zeile ab. Und jedes Wort. Richtig so: Wozu ist er Journalist geworden? Mag mancher denken. Oder Schriftsteller? Ist schließlich seine Aufgabe, das Aufklären! Aber in so unverblümten Worten? So mancher Politiker musste schon seinen Hut nehmen, in Anbetracht einer falschen Wortwahl in Bezug auf Israel. „Wir denken, wir dürfen Israel nicht kritisieren. Aber das stimmt nicht. Alle, die nach 1945 geboren sind, trifft keine Schuld,“ behauptet er entschlossen.

„Und die Palästinenser? Es gibt jene, die wir mit ihren blutenden Kindern in den Armen in verdreckte Krankenhäuser laufen sehen. Jene, die aus den Trümmern von Wohnhäusern gezogen werden. Aber vor allem jene, die sich zur „Hamas“ bekennen.

Sie war einst eine Gegenbewegung zur korrupten, aber säkularen „Fatah“, die heute zerstritten und abhängig von westlichen Ländern wie eine Marionette agiert. Jetzt ist die „Hamas“ eine abstoßende Terrorgruppe, ideologisch ein Mix aus sinnlosem Fanatismus und blutrünstigem Pragmatismus.

Wer die „Hamas“ ernsthaft unterstützt, muss auch Ja sagen zu Al-Qaida und anderen fanatischen Islamisten. Ihre Führer traten und treten nach wie vor für einen Steinzeit-Staat ein, in dem Frauen und Andersgläubige wie -denkende keine Rechte haben. Sie kämpfen für einen Religionsstaat, nicht für ein demokratisches Palästina.“ Calsows Blog setzt sich direkt auseinander mit so manchem Leser (und Schreiber).

Fernsehen ist langweilig – und online die Zukunft

„Das ist ja das interessante daran,“ freut sich der Autor über die Online-Medien. „Fernsehen ist langweilig und hat seine guten Seiten längst hinter sich,“ erzählt er über das, was er einst – wohl auch mit Leidenschaft – getan hat. Wenn Martin Calsow am Schreibtisch in seinem Wiesseer Haus sitzt, tut er das, was er immer schon wollte: Schreiben.

Aufgewachsen am Rande des Teutoburger Waldes arbeitete er nach seinem Zeitungsvolontariat bei verschiedenen deutschen TV-Sendern in Köln, Berlin und München. Ein langer Aufenthalt im Nahen Osten führte ihn schließlich zum Bücher schreiben. Seine Frau Insa ermutigte ihn zum Debütroman. Oder sollte man besser sagen: Thriller?

Bei Amazon wird seine Trilogie geführt unter der Rubrik „Intelligente Literatur“. Macht, Mystik und Terror. Darum dreht sich alles in den drei Bänden, von denen zwei fertig sind. Aufgrund seiner Recherchen über die drei großen Weltreligionen stieß Calsow auf die Erkenntnis, dass diese zwar komplett männergesteuert zu sein schienen, wenn man jedoch nach den Wurzeln sucht, wird alles plötzlich sehr weiblich.

So stieß er auf Lilith, die weibliche Hauptfigur seiner Trilogie. Sie steht für Chaos und das vor allem aus ihrer Geschichte heraus. Als sie – die erste Frau Adams – ihr Selbstbestimmungsrecht bei ihrem schwachen Mann einfordern wollte, beschwerte sich dieser bei Gott. Und Gott schickte Lilith für ihre „Frechheit“ in die Wüste.

Die Lilith-Verheissung – auch am Tegernsee

Calsow schreitet zügig voran, wenn er schreibt. Innerhalb eines Jahres entstanden zwei Bände: Sein Erstlingswerk „Der Lilith Code“, in dem fast ausschließlich der Nahe Osten Schauplatz der Geschehnisse ist und der Nachfolgeband „Die Lilith Verheissung“, in dem der Leser ins tief verschneite Mitteleuropa und Deutschland eingetaucht wird und in dem die Pocken ausbrechen. Geschichten a la Gebrüdern Grimm. Provinz. Auch der Tegernsee kommt vor.

Am dritten Band schreibt der Autor gerade. In diesem – offiziell noch namenlosen – Band soll es fast ausschließlich asiatische Geschichten geben.

Beim Schreiben hat der Autor von Anfang an das grobe Bild des Geschehens im Kopf. Die detaillierten Figuren entwickeln sich dann nach und nach. Manche entstehen aus Vorlagen. So wie Faruk, ein ehemaliger Oberst, der in Syrien in Ungnade gefallen war. Oder Elijah, der in Israel beim Militär war.

Jan, ein deutscher Arzt, der den Tod seines Sohnes vergessen möchte und deshalb nach Damaskus reist, ist von Anfang an dabei. Als er mit dem Holländer Eduard einen Jungen vor der Erschießung rettet, ist er bereits mittendrin in einer Verschwörung.

Tiefgreifendes Fachwissen – literarische Geschichten

Gekonnt verbindet Calsow tiefgreifendes Fachwissen mit seiner literarischen Geschichte, wenn er seine Akteure in Verschwörungen ersticken oder den ganzen Nahen Osten erschüttern lässt. Der Schriftsteller entwickelt die Geschichte von etlichen Seiten aus und führt nach und nach alle Stränge zusammen. In beiden Bänden führt er sogenannte „doppelte Böden“ ein – Hinweise für Interessierte, die einer Person oder einem Ort eine besondere Tiefe verleihen sollen.

Die Geschichte spielt in nur wenigen Tagen und ist für „Otto-Normalo-Leser“ anspruchsvolle literarische Kost, bei der ein gewisses Grundwissen über den Nahen Osten zumindest nicht schadet. Die Rollen sind so bildhaft – mit fast filmreifen Dialogen – beschrieben, dass es packender kaum sein könnte. Alles äußerst theatralisch verpackt, aber nie kitschig.

Das erste Buch ist schon so temporeich geschrieben, dass es nur das zweite noch überbieten kann. Dort kommt zusätzlich ein Mord on top. Privatermittlerin Regina Bachmaier reist zu einem Auftraggeber an den Tegernsee. Während sie auf Leichensuche geht, wird das Land Opfer eines Terroraktes in Form einer Pockenepidemie. Die fieberhafte Suche nach der rettenden Heilung beginnt….


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