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Internationales Bergfilm-Festival endet mit einer Überraschung

Unter Strom zum großen Preis von Tegernsee

Von Nicole Posztos

Volle Säle, Filmemacher aus der ganzen Welt und eine Jury, die auch heuer keine leichte Aufgabe hatte. So sieht die Bilanz des 11. Bergfilm-Festivals in Tegernsee aus. Wer zu einer der dutzenden Vorstellungen kam, konnte sich auf Überraschendes freuen – und darauf, seinen Blickwinkel zu erweitern.

Überraschend war dabei auch die Wahl der Jury. Den Hauptpreis gewann ein Film, der so gar nicht in das Klischee eines Bergfilms passt.

Gesten Abend wurden im Barocksaal in Tegernsee die Gewinner des diesjährigen Bergfilm-Festivals bekanntgegeben.
Gesten Abend wurden im Barocksaal in Tegernsee die Gewinner des diesjährigen Bergfilm-Festivals bekanntgegeben.

„Ich bin mit der typischen europäischen Sichtweise, was einen guten Bergfilm ausmacht, hergekommen“, gesteht auch Jury-Mitglied Helmut Scheben. Und da seien nun einmal die Berge die Glücksbringer und die Möglichkeit, sich Lebensträume zu erfüllen. „Doch dann war ich auf einmal ganz anderer Ansicht“, so der Schweizer.

Besonders berührend waren im Rahmen der 11. Ausgabe des Bergfilm-Festivals nicht nur für ihn gerade jene Produktionen, die eine ganz andere Sichtweise in den Fokus rückten: Filme, in denen Berge nicht für Freiheit, Gipfelglück und sportliche Leistung stehen, sondern auch Ursache von Ausgrenzung, Einsamkeit und sozialen Konflikten sein können. Filme, in denen auch Zivilisation die Menschen in ein Dilemma stürzt.

So wie bei der Dokumentation „Le thé ou l‘éléctricité“, bei der die Macher diese schwere Kost mit beeindruckend spielerischer Leichtigkeit umsetzen konnten. Und so wurde der Film des Belgiers Jerome Le Maire folgerichtig mit dem Großen Preis der Stadt Tegernsee ausgezeichnet. Jerôme Le Maire beobachtet in „Tee oder Elektrizität“ eine in den Bergen gelegene marokkanische Dorfgemeinschaft auf ihrem Weg in die moderne Informations- und Medienwelt. Eine Desillusionierung auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik.

„Diese Dokumentation zeigt genau das, was sich in den Bergen abspielt, nicht nur in Marokko, sondern an jedem Ort dieser Welt. Deshalb ist er unbedingt notwendig, und ich freue mich, dass er mit dem Großen Preis ausgezeichnet wurde“, betonte auch Festival-Direktor Michael Pause bei seiner Rede im ausverkauften Barocksaal des Tegernseer Gymnasiums.

Der Siegerfilm "Le The ou le
Der Siegerfilm „Le thé ou l‘éléctricité“

Neue Perspektiven auf den Bergfilm – so das inoffizielle Motto des 11. Bergfilm-Festivals in Tegernsee. Dabei zeigte der Blick in die sechs Kinosäle, dass eine ganze Reihe der Filme vor allem eines gemeinsam hatten: Sie zeigten Überraschendes und nahmen einen völlig anderen Verlauf, als man es erwartet hätte. „Man muss da die eigene Denkweise etwas umkrempeln“, so ein Zuschauer.

Wenn die Technik dominiert

Neue Perspektiven gab es aber auch in filmtechnischer Hinsicht zu bestaunen. Eine Entwicklung der letzten Jahre, die sich mittlerweile auch in der Machart der Filme niederschlägt, wie Pause erklärt:

Bei manchen Produktionen da staunt man inzwischen ja fast mehr über die Kamera, die zum Teil ganz neue Blickwinkel eröffnet, als über die Leistung der Darsteller. Die Gefahr dabei ist, dass die Geschichte darunter leidet, und die Menschen, um die es eigentlich gehen sollte, in den Hintergrund gedrängt werden.

Wie wichtig es ist, diesem Trend der Technik zu widerstehen, weiß auch Filmemacher Joachim Hellinger. „Die Kamera ist das Mittel zum Zweck“, betont er. „Der Einsatz der Technik darf keinesfalls zum Selbstzweck werden. Sie muss stattdessen dazu dienen, noch näher an den Menschen zu kommen.“ Die Aufgabe der Filmemacher sei es, so Hellinger, in erster Linie, die Freude und das Erlebnis, das Macher und Protagonisten haben, in den Film hineinzutragen und damit zum Zuschauer zu bringen.

Und das haben nach Ansicht der Jury vor allem die acht Preisträger geschafft. Dabei hatte das international besetzte Kommitee viel Arbeit um die 85 Filme angemessen zu bewerten. Bereits seit Beginn der Woche saßen die fünf Juroren zusammen. Daniela Cecchin aus Italien fasst ihren Eindruck so zusammen: „Es ist ein sehr guter Jahrgang, würde man beim Wein sagen“. Und ihr Kollege Helmut Scheben ergänzt:

Besonders beeindruckt haben mich jene Filme, die das Nicht-Zu-Erwartende zeigen, die auch einmal völlig überraschende Botschaften übermitteln. Und davon gab es in diesem Jahr eine ganze Reihe.

Alle Gewinner des 11. Bergfilm-Festivals
Alle Gewinner des 11. Bergfilm-Festivals

Hier noch die diesjährigen Preisträger

Großer Preis der Stadt Tegernsee
„Le thé ou l’éléctricité“ (Tee oder Elektrizität) von Jérôme Le Maire (Belgien)

Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm
der Kategorie Erlebnisraum Berg
„Autana“ von Alastair Lee (Großbritannien)

Bester Film in der Kategorie Lebensraum Berg
„Kurt und der Sessellift“ von Thaïs Odermatt (Schweiz)

Bester Film in der Kategorie Naturraum Berg
„Steinböcke in den Allgäuer Bergen“ von Gerhard Baur (Deutschland)

Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreis
„Petzl Roc Trip China“ von Vladimir Cellier und Julien Nodiros (Frankreich)

Preis für den besonderen Film
„Je veux“ von Joachim Hellinger (Deutschland)

Lobende Erwähnung der Jury
„La Dura Dura“ von Iris Rankin (USA)

Publikumspreis
„Bavarian Direct – Bayerische Direttissima“ von Max Reichel, Franz Hinterbrandner (Deutschland)

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