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Die Handsattlerei von Wolfgang Groba in Weissach

Ein Halsband für einen Geparden?

Von Rose Beyer

„Er kam hier rein und sagte, er bräuchte für seine Katzen Halsbänder“, erzählt Wolfgang Groba. „Ich habe ihm unsere Auswahl gezeigt und da hat er lauthals gelacht.“

Die Handykamera des Scheich-Sohns aus Abu Dhabi löste das Rätsel um den Lacher auf. Auf dem Display – zwei ganz besondere „Kätzchen“. Des Fremden liebste Haustiere waren Geparden. Doch die meisten von Grobas Kunden sind „ganz normal“. Sie kommen aus aller Welt.

Das Leder für die Halsbänder wird in Italien eingefärbt.

Stolz zeigt mir Wolfgang Groba eine „ganze Kuh“, als ich ihn besuche, um mir ein Leder-Halsband und eine Leine für meinen Hund anfertigen zu lassen. Das Leder der „ganzen Kuh“ ist smaragdgrün. Eingefärbt wird es in Italien, erfahre ich. Viele sprechende Namen tragen die Farben auf der Lederskala von Groba: babyblau, cognacbraun oder mandarine zum Beispiel. Weil unser Hund goldfarben ist, entscheide ich mich für „feuerrot“ und „dunkelrot“. Die eine Farbe ist für das sogenannte Unterleder, die andere für das Oberleder gedacht.

Grobas Handsattlerei ist deutschlandweit einzigartig

Zuerst misst Groba das Leder ab und schneidet die richtigen Längen und Breiten für Halsband und Leine zurecht. Dabei spinnen wir ein Gespräch aus Grobas Lebensweg und seiner jetzigen Tätigkeit zusammen. Seit eineinhalb Jahren ist er so richtig dabei mit dem Anfertigen von maßgeschneiderten Halsbändern und Leinen. Damit sei er fast einzigartig in Deutschland. Denn es gibt fast keine komplette Handsattlerei mehr. Er selbst habe dazu die komplette Werkstatt eines Garmischers aufgekauft:

Der Anfang war hart – ich brauchte ewig für ein einziges Halsband.

Groba erzählt es mit einem Schmunzeln. Eigentlich ist er gelernter Sozialversicherungskaufmann. Musste sich erst einmal ins Sattlerhandwerk einarbeiten. Anfangs habe ich ewig gebraucht für ein Halsband. Das macht sich vor allem dann nicht so gut, wenn dreißig Halsbänder schon fertig für den Versand verpackt sein sollten. Doch heute geht jeder Handgriff wie von selbst bei Groba. So findet er genügend Zeit, nebenbei zu plaudern.

Hochwertiger Rohstoff, historische Maschinen, handwerkliches Können – das macht Grobas Produkte aus.

Wie das Leben so spielt, sei es nicht geblieben bei seinem erlernten Beruf. So wies ihm sein Lebensweg die unterschiedlichsten Tätigkeiten zu. Er war beteiligt am Schachtbau des Kapruner Tunnels und hat als Baukaufmann auch das Münchner Olympiadorf mit aufgebaut.

Dann folgte der Umzug von München an den Tegernsee. Gemeinsam mit Ehefrau Renate machte er sich 20 Jahre lang als Tierheimleitung bekannt und setzte sich damals schon stark fürs Wohl der Tiere ein. Anschließend folgte die Eröffnung des Tierbedarfgeschäftes in Weissach. Während Ehefrau Renate und Tochter Helena im Erdgeschoss die Kunden bedienen, hat er sich das Untergeschoss als komplette Handsattlerei eingerichtet.

Es riecht nach Leder und ein bisschen auch nach Klebstoff. Groba macht sich abwechselnd an Halsband und Leine zu schaffen. Die Arbeitsschritte sind ähnlich, nur das Halsband wird meist stärker verziert. Dafür ist die Leine länger. Nach dem Zuschnitt verstärkt er die Lederstreifen mit einem Leinen-Nylon-Band. Mindestens 15,5 Kilometer Länge müsse er von dieser Ware abnehmen, erzählt er. Etwa 60 Kilometer davon hat er in den vergangenen 18 Monaten verarbeitet. Absatzprobleme hat er mit seiner handgearbeiteten Ware nicht:

Es spricht sich wahnsinnig schnell herum.

Am liebsten produziert er für den Endverbraucher, also die Einheimischen und Touristen, die nach Weissach in den Laden kommen. Daneben gehen aber täglich auch paketeweise Artikel per Post raus. Gestern erst fanden hundert Halsbänder den Weg nach Hamburg. Von dem Garmischer Sattler hatte er auch den Kundenstamm aus ganz Deutschland mit übernommen.
Während er eine Schicht „Gummimilch“ aufträgt, erzählt er davon.

Beim Nähen kommt Groba seine Vergangenheit zugute – er ist der Sohn einer Schneiderin.

Anschließend wechselt er von der Werkbank an die Spaltmaschine. „Foruna-Werke Stuttgart“ steht in historischen Lettern auf dem gusseisernen Unikum. „Ansonsten wäre das Leder zu dick“, erklärt er den Arbeitsschritt. Halsband und Leine bekommen noch einen schönen, runden Abschluss.

Historische Maschinen – modernes Design

Dann nimmt Groba Platz an der alten „Adler“-Ledernähmaschine. Die ist zwar historisch. „Die neuen Maschinen können damit aber gar nicht mithalten“, lobt er die Qualität. Noch schnell die Fadenspule auf Rot gewechselt.

Dann rinnt die Lederbahn geschickt durch seine Finger, während die Maschine gemächlich schnurrt. Dass alles so fix geht an der Nähmaschine, das führt er auch darauf zurück, dass er als Sohn einer Schneiderin groß geworden ist. Noch ein verstärkendes Band findet Platz im Halsband. Anschließend werden Schnallen und Nieten befestigt.

Obwohl ich mich als „Puristin“ oute, lasse ich mich von Groba zu einer dezenten Verzierung des Halsbandes überreden. Bevor ich mit dem „schönsten Halsband der Welt“ den Laden verlasse, entscheide ich mich für die „französische Lilie“ als Symbol der Freiheit für die Halsbandverzierung. Eines wird mich auf dem Nach-Hause-Weg zu meinem Hund begleiten: das Wissen, mit der Original „Groba-Leine“ wird mein Vierbeiner garantiert nicht allzuviel Freiheit haben. Denn die halten alles aus – da ist bestimmt noch nie eine gerissen.

Janosch ist stolz auf seine neuen „Anziehsachen“.


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