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Holzkirchner Gymnasium will mit klarem Profil punkten

Vorsprung durch Technik

Von Daniela Otto

Das Holzkirchner Gymnasium setzt einen technischen Schwerpunkt.

Kreide war gestern, jetzt kommen Tablets: Die Anmeldungen für das Holzkirchner Gymnasium laufen noch, im September beginnt bereits der Unterricht. Es wird also ernst – auch für die anderen Gymnasien des Landkreises, für die Holzkirchen eine Konkurrenz bedeutet.

Dabei will sich Holzkirchen nicht nur durch eine technologische Ausrichtung, sondern auch durch moderne Ausstattung und den Einsatz neuester Medien von den anderen Schulen abheben. Denn um sich zu etablieren, ist die Schärfung des eigenen Profil wichtig.

Der Anfang ist schwer, der Run ist groß

Auf den Direktor des sich noch im Bau befindenden Holzkirchner Gymnasiums, Axel Kisters, kommen viele Aufgaben zu. Auf seinen neuen Job freut er sich, doch bis zum Unterrichtsstart im September steht ihm ein „sportliches Programm“ bevor. Während die Bagger noch auf der Baustelle arbeiten, laufen derzeit die Anmeldungen für die fünfte bis siebte Klasse. Mit den Entwicklungen zeigt sich Kisters sichtlich zufrieden: „Vor Ort läuft vieles sehr, sehr gut.“

So zum Beispiel der Fortschritt des Baus, der sehr durchdacht sei. Oder das Interesse von Eltern und Schülern. Auch wenn Kisters noch keine konkreten Angaben macht, betont er, dass es keine geringen Anmeldezahlen gäbe: „Die Akzeptanz ist jetzt schon recht groß.“ Das bestätigt auch Elisabeth Dasch, Vorsitzende des ‚Fördervereins Weiterführende Schule in Holzkirchen e. V.‘, die sich jahrelang für den Bau eingesetzt hat: „Es gibt einen großen Run auf das neue Gymnasium, was mich wahnsinnig freut.“

Länger schlafen, ‚cooler’ lernen

Das große Interesse lässt sich leicht erklären. Für viele Kinder und Jugendliche bringt das neue Gymnasium ein attraktives Versprechen mit: Zum einen länger schlafen durch kürzere Anfahrtswege. Bis zu 800 Schüler pendelten täglich, so Dasch: „Das ist quasi eine ganze Schule, die auspendelt.“ Zum anderen ‚cooleres’ Lernen dank modernster Ausstattung. Warum also noch bis nach Tegernsee, Miesbach oder Deisenhofen fahren?

Das Thema Konkurrenz schwebt folglich unmittelbar im Raum. Was bedeutet die neue Schule für die etablierten Gymnasien? Insbesondere Tegernsee, wo bislang viele Kinder und Jugendliche aus Holzkirchen zur Schule gehen, wird die Auswirkungen spüren. Dessen ist sich auch Direktor Dr. Werner Oberholzner bewusst. Zwar könne er bislang noch nicht sagen, wie sich das neue Kräfteverhältnis zahlenmäßig konkret auswirke, doch er ist sich sicher: „Ein gewisser Schülerschwund ist auf jeden Fall da.“ Und auch Kisters sagt: „Natürlich muss jede Schule schauen, dass sie am Leben bleibt.“

Das Schlüsselwort in diesem Überlebenskampf der Gymnasien ist Profilierung. „Jede Schule muss ihr Profil finden“, sagt Dasch. Genau in dieser Schärfung des eigenen Schulprofils sieht Kisters eine seiner Hauptaufgaben: „Wir sind noch dran, dieses Profil zu entwickeln. Es ist unsere Aufgabe, etwas aufzubauen.“

Sprache als Bestandschutz für Tegernsee

Eine genaue Definierung des eigenen pädagogischen Konzepts grenzt die weiterführenden Schulen voneinander ab und entspannt wiederum den Konkurrenzdruck. So gilt in Tegernsee die sprachliche Ausbildungsrichtung, also die Möglichkeit, eine dritte Fremdsprache wie z.B. Spanisch zu erlernen, als Alleinstellungsmerkmal. „Da sind wir weit und breit die Einzigen“, sagt Oberholzner. Auch Kisters betont, dass die dritte Fremdsprache „Bestandschutz für Tegernsee“ sei.

Dieser sprachlichen Ausrichtung setzt Holzkirchen einen technischen Schwerpunkt entgegen – und das nicht nur im inhaltlichen, sondern auch materiellen Sinn. So wird Holzkirchen ein naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium, ab dem Schuljahr 2015/2016 soll zudem ein wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Zweig angeboten werden.

So soll das neue Holzkirchner Gymnasium einmal aussehen / Quelle: SKE
So soll das neue Holzkirchner Gymnasium einmal aussehen / Quelle: SKE

Zwar ist geplant, dass ab der zehnten Klasse eine spätbeginnende Fremdsprache gewählt werden kann, hierfür muss jedoch die erst- oder zweitgewählte Fremdsprache abgelegt werden. „Das ist natürlich kein gleichwertiger Ersatz zum neusprachlichen Zweig“, räumt Kisters ein.

Dasch sieht insbesondere im wirtschaftswissenschaftlichen Zweig Zukunftspotential: „Das ist ein Novum im Landkreis“, sagt sie. Gerade für Holzkirchen, die wirtschafts- und einwohnerstärkste Gemeinde des Landkreises, sei dies ein großer Pluspunkt. „Der Trend geht in Richtung Wirtschaft und Technik.“ So könne sich die Politikerin auch eine enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Industrie, z.B. in Form von Praktika, vorstellen.

Kreidelose „Tablet-Klassen“

Eine solche Netzwerkbildung ist auch Kisters wichtig. Seine zu Universitäten und Firmen geknüpften Kontakte will er vor allem im Bereich der sogenannten MINT-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – einbringen und somit ein praxisorientiertes Lernen fördern.

Nähe zum Lebensalltag soll auch der Einsatz neuester Medien bringen. „Holzkirchen wird eine kreidelose Schule“, sagt Kisters. Statt grüner Schultafeln gibt es Tablets. „Es wird viel Einsatz moderner Medien geben“, so Kisters, der jetzt schon eine „Tablet-Klasse“ unterrichtet und somit Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringt. Schüler sollen mit diesem Medieneinsatz aus ihrer Lebenswelt abgeholt werden: „Wir wollen den Schülern zeigen, was sie noch alles mit den technischen Medien machen können, die sie ohnehin jeden Tag in der Hand haben.“

Nicht zuletzt durch diese moderne Technik wird Holzkirchen gegenüber den anderen Gymnasien im Landkreis zunächst einen gewissen Vorsprung haben. Den dadurch entstehenden Konkurrenzkampf nehmen die beiden Rektoren Kisters und Oberholzner jedoch sportlich. So betonen beide, dass ihnen eine gute Zusammenarbeit wichtig sei. Und nicht zuletzt belebt Konkurrenz das Geschäft: „Eine gewisse Konkurrenzsituation ist schon da – das meine ich jetzt aber nicht negativ“, so Oberholzner.

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