Waakirchen: Gasgeben statt träumen

Durchfahrtsverkehr, Temposünder, Unfälle – eine Ortsumfahrung für Waakirchen muss her. Jetzt stellt der Bund dafür Millionen in Aussicht und die Gemeinde ist gezwungen Farbe zu bekennen. Bürgermeister Hartl fordert: das Thema müsse auf die politische Agenda.

Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl will jetzt nicht anfangen zu "träumen", sondern an konkreten Maßnahmen tüfteln. /Archivbild
Sepp Hartl will jetzt nicht anfangen zu träumen, sondern an konkreten Maßnahmen tüfteln / Archivbild

Waakirchen hat ein echtes Verkehrsproblem: bald fünf Millionen Fahrzeuge fahren im Jahr mitten durch den kleinen Ort. Die Waakirchner können deshalb von vielerlei Gefahrenquellen und Unfällen berichten und wünschen sich schon seit Jahrzehnten Entlastung auf ihrer Durchfahrtsstraße. Seit vergangener Woche gibt es für sie erstmals ein Licht am Ende des Tunnels: der Bund sieht eine Ortsumfahrung für Waakirchen im „vordringlichen Bedarf“ des aktuellen Bundesverkehrswegeplans.

Zum ersten Mal bietet das Bundesverkehrsministerium auch die Möglichkeit, dass sich die Öffentlichkeit am Entwurf des Bedarfsplans beteiligt. Ab heute kann man sechs Wochen lang nicht nur als Einzelperson, sondern auch als Unternehmen oder Organisation schriftlich oder online Stellung zum Entwurf beziehen. In Waakirchen will man sich jedoch erst einmal auf sich besinnen.

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Nicht zu früh freuen

„Wir sind froh, dass die zuständigen Stellen die Probleme endlich sehen“, erklärt Rainer Küppers von der Bürgerinitiative „Verkehr in der Gemeinde Waakirchen“. Fakt sei nun einmal, dass es so einfach nicht mehr weitergehe: LKWs, die von der Straße abkommen und in Privatgrundstücken landen. PKW-Fahrer, denen das gleiche passiert, und die dabei zu Tode gekommen sind oder schwer verletzt werden. So hat Küppers für das erste Einsehen des Bundesverkehrsministeriums auch mehr Respekt als Freude übrig:

Der Bund – als Eigentümer und Betreiber der Ortsdurchfahrt – hat schließlich darauf zu achten, dass hier alles geregelt ist und ohne Unfälle abläuft.

Die südlich von Waakirchen verlaufende Trasse, die das Straßenbauamt Rosenheim für die Aufnahme in den Verkehrswegeplan eingereicht hat, ist nur ein Entwurf. Für die veranschlagte 2,1 Kilometer lange Modell-Trasse schätzt der Bund die Investitionskosten auf 6,6 Millionen Euro – nun gilt es eine geeignete Trasse zu finden, die auch realisiert werden kann. Daher bleibt Küppers realistisch: „Bis zum Spatenstich werden noch viele Jahre vergehen.“

„Erst im Frühjahr 2017 wissen wir überhaupt, ob wir wirklich dabei sind oder nicht“, erklärt auch Bürgermeister Sepp Hartl. Er plädiert daher dafür, nicht davon zu „träumen“, was in bis zu 15 Jahren Realität sein könnte, sondern „jetzt Gas zu geben“. Sowohl die Bürger als auch das Rathaus samt Gemeinderat hätten jetzt die Gelegenheit auszutüfteln, was konkret zu tun sei. Vorstellbar wäre es laut Hartl ein Ingenieursbüro zu beauftragen, das mögliche Trassen erarbeiten und prüfen könne.

Ich bin froh, dass uns der Bund so hoch priorisiert hat – es ist ein Zeichen für uns, endlich Farbe zu bekennen und Nägel mit Köpfen zu machen.

Schon bald sollen Gespräche mit den Bürgermeistern aus der ganzen Region stattfinden, denn Hartl glaubt vor allem an eine überregionale Lösung des Verkehrsproblems. Langfristig bringe weder Waakirchen, noch beispielsweise Bad Tölz oder Holzkirchen eine alleinige Umfahrung etwas – „das gehört alles miteinander gemacht“, betont Hartl.

Der Bürger solle sich durch die Trasse, die aktuell für Waakirchen im Verkehrswegeplan angedacht sei, nicht irritieren lassen. „Weder die südliche noch die nördliche Variante ist im Moment schon fest geplant“, stellt Hartl klar. Es sei auf langfristige Sicht sehr hilfreich im Verkehrswegeplan beinhaltet zu sein. Kurzfristig müsse bis dahin in Form von Überquerungshilfen und Geschwindigkeitstrichtern aber schon eine spürbare Verkehrsberuhigung geschaffen werden, erklärt der Rathauschef. Das sei man dem Bürger schuldig.

Im Kampf gegen Raser

Hierin sieht auch Küppers als Sprecher seiner Bürgerinitiative die Möglichkeit sowohl die Bevölkerung als auch die Verkehrsteilnehmer in Waakirchen zu schützen: „Die Zeit bis zu einer etwaigen Umgehung überbrücken wir am besten mit kurzfristigen Maßnahmen, die die überhöhten Geschwindigkeiten innerorts drosseln.“

Insgesamt bleibt der Küppers geduldig. Die Bürgerinitiative sei zu einem frühen Zeitpunkt auf die Politik zugegangen und habe ihre Analysen immer sachlich vorgestellt. „Jetzt hoffen wird, dass Waakirchen im Bundesverkehrswegeplan auch wirklich dabei sein wird“, meint er. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde komme sicherlich „etwas Gutes dabei heraus“, um dem Durchfahrtsverkehr in Waakirchen Herr zu werden – erst auf kurzfristige und dann auch auf langfristige Sicht.

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