Wanderweg vom "Bauer in der Au" bleibt gesperrt
Forststraßenbau am Hirschberg schreckt Bürger auf

von Rose Beyer

Seit Juli ist der Wanderweg von Bad Wiessee über den “Bauer in der Au” zum Hirschberg wegen des Baus einer neuen Forststraße schon gesperrt. Und das soll noch einige Zeit so bleiben.

Auch wenn im Tal einige gelbe Schilder für Wanderer den Weg von Bad Wiessee zum Hirschberg weisen – es gibt kein Durchkommen und auch keine Umleitung. Wanderer stehen oben vor „vollendeten Tatsachen“ und kommen wegen der Sperrung nicht mehr weiter.

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So sehen die Arbeiten aktuell aus: Mit schwerem Gerät wird die Straße angelegt.

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Gesperrt ist der Wanderweg, weil das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) die Erschließung der Bergwälder vorantreiben möchte. Ein neuer Forstweg wird gebaut. Wanderer, die zum Hirschberg wollen, sind also gut beraten, über Scharling oder Kreuth aufzusteigen.

„Es war bereits ein Rückweg vorhanden“, so der hiesige Revierleiter Martin Fritzenwenger vom AELF. „Auf 500 Metern laufen wir mit dem Forstweg auf dem Wanderweg“, so der Forstingenieur weiter.

Der kleine Steig wird später einen halben Kilometer auf dem breiten Forstweg verlaufen – wenn dieser einmal fertig ist. Die Forststraße nimmt danach eine andere Richtung, sodass man wieder auf dem kleinen Steig in Richtung Hirschberg weiterwandern kann. Bis zum Jahreswechsel soll der Wanderweg laut Fritzenwenger noch gesperrt bleiben.

Forstwegebau – zum Erhalt von Schutzwäldern

Hintergrund dazu, dass zurzeit vermehrt neue und breite Forststraßen entstehen, ist die sogenannte Bergwaldoffensive (BWO), die dazu da sein sollte, den Erhalt von Schutzwäldern zu sichern.

Nun geht es bei dem Wald unterhalb des Hirschbergs – wie im übrigen auch an der Holzeralm – nicht um ein BWO-Projekt. Doch das sei egal, bestätigt auch Fritzenwenger. Das Vorgehen bei Forststraßen sei dasselbe. Denn die zweite Legitimierung, um Forststraßen zu bauen, bildet das sogenannte Forstwegeprogramm. Während die BWO nur für gewisse Projekte gilt, kann man auch über das Forstwegeprogramm versuchen, eine Forststraße zu bauen. Bei beiden Projekten laufen die Genehmigungsverfahren ähnlich ab. Und für beide Projekte stehen staatliche Fördermittel zur Verfügung.

Die Hauptargumente der Befürworter sind dabei im Wesentlichen die höhere Wirtschaftlichkeit, weniger Unfalltote bei maschineller Holzernte sowie der ökonomische Abtransport. Doch gerade Naturschützer zeigen sich mit der zunehmenden Erschließung nicht einverstanden. So erklärt Angela Brogsitter-Finck von der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT):

Es stimmt, die Methode ist wirtschaftlicher, und es gibt bei Weitem weniger Unfälle mit Personenschaden, da ja fast alles maschinell erledigt und rationell abtransportiert wird. Der ökologische Eingriff wird aber vergessen.

Es gehe inzwischen lediglich darum, möglichst viel Gewinn aus der Waldwirtschaft zu ziehen. Die Erträge der Bayerischen Forsten seien um mehr als hundert Prozent gestiegen, seit überall „geerntet“ wird.

Bereits vor einigen Wochen hatte die TS mit dem Revierleiter über moderne Walderschließung gesprochen. Damals ging es um einen radikalen Eingriff im Bereich Holzeralm. Fritzenwengers Credo lautet: „Ohne Erschließung gibt es keine Waldwirtschaft.“ So, wie man ganz früher den Wald bewirtschaftet hatte – ganz naturnah mit der Kraft der Pferde und dann später mit kleinen Traktoren –, könne man heute nicht mehr arbeiten. „Das will keiner mehr machen“, erklärt der Forstleiter.

Neue Forststraßen, wie hier auf dem Weg zum Hirschberg, sollen eine effiziente Waldwirtschaft ermöglichen.

Wenn die Bäume beispielsweise zu dicht stünden, käme keine Luft mehr an den Boden. Da müsse man nachhelfen, dass das Ganze in Schuss gehalten werde. Und das gehe nur mithilfe der Erschließung. Insgesamt werden rund 124 Hektar Wald erschlossen.

Dabei übernimmt das Land Bayern 80 Prozent der Gesamtkosten, die sich bei gut 350.000 Euro bewegen. „Ohne Forststraßen passiert nichts“, ist sich der Revierleiter sicher und sieht keine Diskrepanz in der Anlage von Straßen im Bergwald, wenn es um Ökonomie und Ökologie geht.

Mit dem Vorgehen sind wir auf einem sehr guten Weg. Man darf keine Käseglocke über den Wald stülpen.“

Während die Bergwald-Offensive nur für spezielle Projekte gilt, können im Landkreis Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen auch über das Forstwegeprogramm Forststraßen gebaut werden.

“Einfach so kann niemand eine Straße im Wald bauen”

Für die Umsetzung der Bergwald-Projekte im Landkreis Miesbach ist Stephan Philipp zuständig. Er erklärt, dass jeder Forstweg vorher genehmigt werden müsse. Die Untere Naturschutzbehörde, das Wasserwirtschaftsamt sowie das Amt für Ländliche Entwicklung müssten vorher gefragt werden. „Einfach so kann niemand eine Straße in den Wald bauen“, erklärt Philipp.

Die Einbindung der örtlichen Akteure in die Projekte soll Transparenz schaffen und sichere ihren Erfolg bei der Umsetzung. Fachbehörden, Grundbesitzer, Almwirtschaft, Jäger, Kommunen und Bürger sowie betroffene Verbände, wie beispielsweise die Schutzgemeinschaft, arbeiten so gemeinsam für den Erhalt des Bergwaldes, meint zumindest das Amt für Landwirtschaft und Forsten.

Bei der Ausgestaltung der Wege hört auch die Mitsprache auf.

In der Praxis sieht das jedoch meist anders und vor allem weit weniger kooperativ aus. Bei dem Verfahren, ob eine Straße gebaut wird oder nicht, sind die Möglichkeiten der Kritiker sehr begrenzt. So dürfen zwar in der Regel Stellungnahmen im Genehmigungsverfahren abgegeben werden. Die Möglichkeiten der Mitgestaltung seien dagegen stark eingeschränkt, wie es aus Kreisen des Bund Naturschutz heißt.

Philipp versteht die Kritik mancher Bürger, die den Wegebau in der Form ablehnen. Andererseits gibt er zu bedenken, dass man das große Ganze sehen müsse. Während des Wegebaus sehe es oft schlimm aus. Aber in ein paar Jahren, wenn die Böschungen wieder zugewachsen seien, würde der Eindruck im Wald ein komplett anderer sein.

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