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7-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach

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Ballungsräume wie der Tegernsee stärker betroffen

Warum ist der Landkreis ein Hotspot?

Von Nina Häußinger

Die Inzidenz im Landkreis steigt signifikant. Trotzdem gebe es keinen Grund zur Panik. Das Landratsamt appelliert jetzt an jeden einzelnen Bürger.

Im Landkreis Miesbach ist die Inzidenz aktuell im deutschlandweiten Vergleich sehr hoch.

Die Inzidenz im Landkreis Miesbach ist mit 322,4 so hoch wie nie. In den letzten beiden Tagen wurden dem Gesundheitsamt 77 und 92 Neuinfektionen gemeldet – der zweit und dritthöchste Wert seit Beginn der Pandemie. Diese Werte lassen einen erst einmal aufhorchen. “Es gibt jedoch keinen Grund zur Panik”, sagt eine Sprecherin des Landratsamts Miesbach. Im Folgenden soll über den Grund für die zahlreichen Neuinfektionen aufgeklärt werden.

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Inzidenz und Krankenhausampel – was zählt?

Die Inzidenz gibt die Anzahl an Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen pro 100.000 Einwohner wieder. Dieser Wert war seit Beginn der Pandemie der einzige ausschlaggebende Wert für Einschränkungen – daher sei es absolut verständlich, dass viele mit einer gewissen Besorgnis auf diesen Wert blicken, so die Sprecherin weiter.

Jedoch sei die Inzidenz inzwischen nicht mehr ganz so wichtig wie früher. Erstens müsste streng genommen zwischen der Inzidenz der Geimpften und der der Ungeimpften unterschieden werden. Zweitens müsste die mittlerweile beträchtliche Zahl der Genesenen einbezogen werden.
Ganz vernachlässigen könne man die Inzidenz aber auch nicht. Dazu die Sprecherin:

Politiker und Mediziner gehen davon aus, dass eine hohe Zahl an Neuinfektionen zu einer höheren Zahl an Hospitalisierungen führt.

Galoppiert die Zahl der Neuinfektionen davon, könne das Contact Tracing Team keine Infektionsketten mehr unterbrechen, das Virus verbreitet sich ungehindert, immer mehr Menschen stecken sich an und immer mehr Menschen landen im Krankenhaus. Eine Überlastung der Krankenhäuser wäre die Folge.

Weil die Krankenhäuser so eine zentrale Rolle spielen in der Pandemiebekämpfung wurde in Bayern am 6. Oktober die „Krankenhausampel“ eingeführt. Diese beschreibt die Auslastung der Krankenhäuser in ganz Bayern. Sie steht aktuell auf Grün, wobei man bedenken muss, dass diese Aussage für ganz Bayern gilt und die individuell regionale Auslastung nicht berücksichtigt. “Die hohe Inzidenz ist also noch kein Grund zur Panik, aber sollte schon zum Nachdenken anregen, wie man sich selbst schützen möchte und was man zum Gelingen der Pandemie im Landkreis beitragen möchte”, heißt es weiter in einem Pressebericht des Landratsamts.

Woher kommen die zahlreichen Neuinfektionen?

Es gebe keine Einrichtung (Pflegeeinrichtung, Asylunterkunft etc.) und auch keine andere Stelle (Fabriken etc.), die mit einer Häufung von Fällen für die hohe Inzidenz verantwortlich wäre. “Das Virus ist einfach weit verbreitet. Eine Infektion kann jeden treffen, Geimpfte wie Ungeimpfte, Junge wie Alte”, betont die Sprecherin.

„Schuld“ an den vielen Neuinfektionen sind laut Gesundheitsamt die Lockerungen: In den vergangenen 1,5 Jahren gab es schlichtweg nicht so viele physische Kontakte wie jetzt. Zudem findet das Leben nun wieder in Innenräumen statt, wo sich das Virus leichter überträgt als im Freien. Das Herbstwetter tut sein Übriges.

Kein Miesbacher Problem

Trotzdem will das Landratsamt hervorheben: “Wir haben hier kein Miesbacher Problem: 7 der 10 Landkreise mit den deutschlandweit höchsten Inzidenzen liegen nebeneinander. Wir sitzen alle im selben Boot und werden uns darauf einstellen müssen, dass die Inzidenz in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter steigen wird.”

In Schulen und Kitas wird viel getestet, daher werden dort auch viele Fälle aufgedeckt: Stand heute Mittag sind im Landkreis 10 komplette Klassen mit insgesamt 23 positiven Fällen in Quarantäne. Eine ganze Klasse muss dann in Quarantäne, wenn mindestens zwei Schüler positiv sind. Die Übertragungen finden aber hauptsächlich im privaten Bereich statt, also wenn zwei Schüler sich nachmittags privat treffen. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass die Hygienekonzepte an den Schulen greifen.

32 weitere Schüler sind in Quarantäne, jedoch mussten hier nicht die ganzen Klassen in Quarantäne, weil es sich jeweils um Einzelfälle handelte, die sich beispielsweise zu Hause bei der Familie angesteckt haben. Vergleichsweise stark betroffen sind derzeit die Schulen rund um den Tegernsee. Dazu sagt die Sprecherin:

Das bestätigt den überregionalen Trend, dass Ballungsräume tendenziell stärker betroffen sind.

Bei den Kitas ist derzeit nur eine Gruppe in Quarantäne, aber das kann sich sehr schnell wieder ändern.

Bei 169 Neuinfektionen alleine in zwei Tagen sei es nicht mehr möglich, dass das Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen der Infizierten kontaktiert. Das Contact Tracing Team arbeite bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus. Auch wenn mit Hochdruck daran gearbeitet wird, das Team personell zu verstärken, sei die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger dringend erforderlich, um gemeinsam gut durch diese Hochphase zu kommen. “Bestätigt positive Fälle müssen daher bitte ihre Kontaktpersonen selbstständig über die Infektion informieren”, heißt es.

Wer gilt als mögliche Kontaktperson?

Kontaktperson ist, wer länger als 10 Minuten in einem geschlossenen Raum ohne Maske und/oder ausreichendem Abstand Kontakt zu einer Person hatte, die per PCR-Test positiv getestet wird oder typische Krankheitssymptome bekommt. Es zählen die Kontakte innerhalb von 48 Stunden vor dem positiven PCR-Test oder dem Auftreten der Krankheitssymptome.

Was tun, wenn man Kontaktperson ist?

Wer nur abstrakt befürchten muss, sich angesteckt zu haben, sollte sofort einen Selbsttest durchführen. Diese sind in Apotheken oder im Einzelhandel zu erwerben. Ist dieser positiv, sollte der Hausarzt kontaktiert werden und ein Termin für einen PCR-Test vereinbart werden. Ist der Selbsttest negativ, sollte über den Zeitraum von fünf Tagen täglich ein Selbsttest durchgeführt werden und auf möglicherweise auftretende Krankheitssymptome achtgegeben werden. Kontakte sollten in dieser Zeit auf das Minimum reduziert werden.

Wer auf jeden Fall Kontaktperson ist (z.B. Haushaltsmitglieder), muss sich sofort für 10 Tage in Quarantäne begeben und kann sich nach dem 5. Tag per PCR-Test und nach dem 7. Tag per Schnelltest heraustesten, wenn keine Symptome auftreten.Geimpfte und Genesene müssen nicht in Quarantäne, sollten aber unbedingt auf Krankheitssymptome achten und sich bei solchen ebenfalls testen lassen.

Was tun, wenn man einen positiven Selbst- oder Schnelltest hat?

In diesem Fall sollte beim Hausarzt ein Termin für einen PCR-Test vereinbart werden. Fällt dieser positiv aus, meldet das Labor den Befund an das Gesundheitsamt. Aufgrund des sehr hohen Arbeitsaufkommens kann es momentan bis zu 48 Stunden dauern, bis das Contact Tracing Team anruft. Das Gesundheitsamt bittet dringend darum, sich sofort – noch vor dem Anruf des Gesundheitsamtes – in Quarantäne zu begeben und alle Kontaktpersonen zu informieren.


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