Auch wenn’s eng wird

von Redaktion

Mit großem Aufwand erweitert die Büttenpapierfabrik ihre Gebäude an der Mangfall. Die TS wollte wissen, wieso Inhaber Florian Kohler ausgerechnet am Standort im engen Tal festhält. Und warum er nicht zumindest Teile der Produktion an andere Orte auslagert.

Stephan Treske, technischer Leiter, Florian Kohler, Inhaber und Geschäftsführer und Reiner Schuster, kaufmännischer Leiter der Büttenpapierfabrik Gmund vor dem neuen Firmengebäude.
Stephan Treske, technischer Leiter, Florian Kohler, Inhaber und Geschäftsführer und Reiner Schuster, kaufmännischer Leiter der Büttenpapierfabrik Gmund vor dem neuen Firmengebäude.

Fünf Stockwerke mit 3.500 Quadratmetern Nutzfläche. Das neue Firmengebäude, das der Chef der Büttenpapierfabrik Florian Kohler seit 2012 bauen lässt, hat die Möglichkeiten der Papierfabrik deutlich verbessert. Aufgrund der engen Verhältnisse wurde das Gebäude teilweise über der Mangfall errichtet. Fast wie in Venedig, mussten dafür 90 Säulen bis zu zwölf Meter tief in den Boden versenkt werden. Hinzu kamen 100 Tonnen Stahl und 2.000 Tonnen Beton.

Auch der zweite, etwa halb so große Bauabschnitt, war für Architekt und Baufirmen eine besondere Herausforderung. Alles in Allem ein Aufwand, der an einem anderen Standort wesentlich geringer und vor allem kostengünstiger gewesen wäre.

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Warum trotz der zusätzlichen Kosten hier erweitern?

„Im Hinterkopf steckt natürlich immer der Gedanke aus wirtschaftlichen Gründen zumindest einen Teil der Produktion auszulagern“, meint Florian Kohler, Geschäftsführer der Papierfabrik, der bereits in vierter Generation das 1829 gegründete Unternehmen leitet.

Eigentlich sei der Standort inzwischen für eine Papierfabrik viel zu teuer und unwirtschaftlich.

Die Neuen Bundesländer und selbst NRW böten nicht nur günstigere große Grundstücke und Arbeitsbedingungen, sondern auch bessere Unterstützung und Hilfe von Seiten der Kommunen. „Die würden schon was dafür tun, wenn wir kommen würden“, lächelt Kohler. Dort sei vor allem die Wertschätzung gegenüber einem so großen Arbeitgebers wesentlich größer als hier, wo sich alles um den Tourismus dreht und die Leistungen des Produzierenden Gewerbes nicht so wahrgenommen würden.

Das Mangfalltal zeigt sich eng. Direkt daneben die Gebäude der Papierfabrik.
Das obere Mangfalltal ist eng. Direkt daneben die Gebäude der Papierfabrik.

Doch nicht nur der Kostenfaktor lege eine Auslagerung nahe. „Unsere Hauptwertschöpfung liegt nicht in der reinen Produktion von Papierbahnen, sondern in der Entwicklung, dem Design und der Verarbeitung des Papiers“, so Kohler. „Unsere Kunden sitzen in Mailand, New York, Paris, London und München, da würde es durchaus Sinn machen, zumindest mit der Entwicklungsabteilung dort hin zu ziehen und nahe beim Kunden zu sein. Alle anderen großen, starken Namen sind auch dort.“

Auf die Frage, warum er mit der Papierfabrik in Gmund bleibe, hat Kohler in erster Linie eine emotionale Antwort:

Wir sind alle überzeugte Oberlandler und leben gerne hier. Wir arbeiten mit Begeisterung und das merkt man auch am Produkt.

Doch das ist natürlich nicht nur der einzige Grund. „Eine normale Papierfabrik braucht einen riesigen Ausstoß, das können und wollen wir hier gar nicht leisten“, so Kohler weiter. Durch die Spezialisierung könne man ganz andere Preise erzielen. “Nur deshalb können wir uns diesen Standort hier noch leisten.“ Hinzu komme, dass rund 50 Prozent der benötigten Energie durch das eigene Wasserkraftwerk in der Mangfall produziert wird. „Wenn das wegfiele“, befürchtet Kohler, „würde er kritisch für uns werden.“

Oscars und viel Champagner

Dass die Produkte aus Gmund zu den besten der Welt gehören, weiß man nicht erst seit der Oscar-Verleihung. Für diese liefert die Büttenpapierfabrik die goldenen Umschläge, die vor hunderten von Millionen Zuschauern die Gewinner präsentieren.

Noch mehr freut Kohler jedoch, dass die Academy für die Umschläge den vollen Preis gezahlt hat. „Zuerst wollten sie sie wegen des Werbeeffekts die Umschläge kostenlos haben, aber das haben wir abgelehnt.“ Eine Woche später meldeten sich die Verantwortlichen und waren bereit den normalen Preis zu bezahlen.

Doch nicht nur feinste Umschläge, Einladungen und Schreibpapier sind mittlerweile gefragte Produkte aus Gmund. Den größten Teil des Umsatzes machen Papierprodukte für Verpackungen aus. „Wer ein hochwertiges Markenprodukt hat, kann keine billige Verpackung nehmen. Da muss beides zusammen passen“, erklärt Kohler und zeigt, was er beispielsweise für die teuersten Parfum- und Champagnerhersteller liefert.

papierfabrik gmund-2

Entwickelt wird alles zusammen mit dem Auftraggeber: von der Visitenkarte bis eben zu Verpackungen, Katalogen und Grußkarten. „Der Kunde weiß es zu schätzen, dass er direkt vom Hersteller kaufen und seine individuellen Wünsche äußern kann“, schildert Kohler. „Das ist unser großer Vorteil.“

Vor allem die Betriebsführungen führen dazu, dass Gmund-Kunden das Bild vom schönen Tegernseer Tal vor sich haben – und das jedes Mal, wenn sie Produkte in die Hand nehmen. Ein Alleinstellungsmerkmal, den kein Standort im Osten bieten könnte.

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