Landkreis Miesbach hebt Katastrophenfall auf

“Was ihr geleistet habt, ist der Wahnsinn!”

Elf Tage, 8.481 Einsatzkräfte, unzählige Einsätze – das ist die Bilanz des Schnee-Katastrophenfalls im Landkreis Miesbach. Um kurz vor 17 Uhr hob Landrat Wolfgang Rzehak heute den K-Fall auf. Zurück bleiben erschöpfte Helfer aus dem Landkreis und ganz Bayern.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz bei der letzten Lagebesprechung.

Vor elf Tagen, am 7. Januar, stellt Landrat Rzehak den Katastrophenfall für den Landkreis Miesbach fest. Grund war der starke Schneefall, der Straßen verstopfte und auf Bäume, Häuser und Strommasten drückte. Dabei war Miesbach der erste der fünf südbayerischen Landkreise, der den K-Fall feststellte. Dass die Aktion hilfreich war, zeigte dann der weitere Verlauf: Tausende Einsatzkräfte kämpften über eine Woche mit den Schneemassen. Dabei war nicht die Schneehöhe, sondern die besonders schwere Beschaffenheit des Schnees das größte Problem.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz organisierte seitdem alle Einsätze im 24-Stunden-Schichtbetrieb. Darin waren alle beteiligten Organisationen vertreten. An einem Tisch konnte so eine gemeinsame Strategie für alle betroffenen Bereiche entwickelt werden. “Wir haben alles gerettet, was zu retten war“, sagt Einsatzleiter und Kreisbrandrat Anton Riblinger. Kein Wohnhaus sei zusammengebrochen, kein Menschleben verloren.

Die Arbeit der Einsatzkräfte besonders auf den Dächern ist sehr gefährlich. Ich bin froh, dass nichts passiert ist.

Dabei blieben auch Schäden nicht aus. So stürzte ein Fahrradunterstand am Bahnhof in Bayrischzell ein. Die Polizeiinspektionen verzeichneten 93 Verkehrsbehinderungen, drei eingeschneite Verkehrsteilnehmer, acht Verkehrsunfälle mit Personenschaden und 106 Verkehrsunfälle mit Sachschäden. 17 Einsatzkräfte verletzten sich leicht. Über 200 Menschen wurden kurzfristig evakuiert, konnten aber nach der Dachräumung in ihre Häuser zurück. Die vorbereiteten Notunterkünfte für 1.100 Personen in den Turnhallen mussten nur für die externen Einsatzkräfte genutzt werden.

Durch den Schnee gab es gleichzeitig mehrere Probleme: Zuerst verstopfte der schwere Schnee die Straßen und musste aufwendig gefräst und wegtransportiert werden. Viele Straßen wurden wegen Schneebruchs gesperrt. Der Schienenverkehr wurde eingestellt. Sichere Schulwege konnten so nicht mehr gewährleistet werden. Als Konsequenz fiel an sieben Schultagen der Unterricht an allen Schulen im Landkreis aus.

Über eine Woche fiel im gesamten Landkreis die Schule aus.

Zusätzlich mussten die Spitzingstraße, die Sudelfeldstraße und die B307 bei Wildbad Kreuth wegen Lawinengefahr immer wieder gesperrt werden. Am Spitzing und am Sudelfeld gingen mehrere Lawinen ab und verschütteten die Straße. Sie mussten gesprengt oder geräumt werden. Als größtes Problem stellte sich die Schneelast auf den Dächern heraus. Nach Begutachtung durch das THW mussten zig Dächer abgeräumt werden. Zuerst wurden die großen Dachflächen und Flachdächer abgeschaufelt, die bei großer Last besonders gefährdet sind.

Insgesamt waren 8.481 Kräfte während des Katastrophenfalls eingesetzt. Diese teilen sich auf in:

3140 Feuerwehrler, die sich erst um die zahlreichen umgestürzten Bäume auf den Straßen, dann hauptsächlich um die Dachlasten kümmerten. Alle 37 Landkreis-Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

Zusätzlich waren 750 Polizei-Beamte im Einsatz. Sie organisierten dabei unter anderem einen Multicopter-Einsatz für Übersichtsaufnahmen von Bayrischzell.

887 Helfer des BRK Kreisverbandes Miesbach, der Bergwacht, der Wasserwachten und der DLRG sowie diverser Kreisverbände kümmerten sich um die Absicherung der Einsatzkräfte und stellten die notfallmedizinische Versorgung der abgeschnittenen Ortsteile sicher. Darüber hinaus kümmerten sie sich um die Versorgung der Helfer mit 15.000 Essen und 25.000 Liter Getränke sowie deren Unterbringung.

Das THW war mit 1.306 Kräften aus dem Landkreis Miesbach und 53 Ortsverbänden aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland Pfalz und Hessen gefordert. Neben dem Krankenhaus Agatharied räumte das THW viele weitere Dächer frei. Wichtig war die technische Unterstützung mit Kränen und schwerem Gerät sowie das Abstützen und die Überwachung von einsturzgefährdeten Gebäuden.

Die Bundeswehr unterstützte die Einsätze mit insgesamt 1.279 Mann aus Bad Reichenhall, Ingolstadt, Füssen, Straubing und Murnau. Das Kreisverbindungskommando koordinierte die Einsätze. Größter Auftrag für die Bundeswehr war das Abschaufeln von 15.000 Quadratmetern Dachfläche des Krankenhauses Agatharied. Danach wurden alle Einheiten nach Bayrischzell verlegt.

Nicht zuletzt sorgten die Straßenmeisterei Hausham und der Kreisbauhof mit 37 Mann für befahrbare Bundes-, Staats- und Kreisstraßen. Und am Bürgertelefon Katastrophenschutz gingen täglich zwischen 600 und 800 Anrufe ein.

Hunderte Dächer mussten abgeschaufelt werden © Kurbi Wolf

Landrat Wolfgang Rzehak zeigte sich tief beeindruckt vom Zusammenhalt der Einsatzkräfte im Landkreis Miesbach: „Als Landrat bin ich dankbar und stolz, dass ihr diese Ausnahmesituation so hervorragend gemeistert habt.“ Die Anspannung war enorm für alle Beteiligten. Er sei froh, dass der Landkreis von größerem Schaden verschont geblieben ist.

Was die Führungsgruppe und die Einsatzkräfte in den letzten elf Tagen geleistet haben, ist der Wahnsinn. Danke für euren Einsatz!


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