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Ursache weiterhin unklar

Gmunder müssen weiter abkochen

Seit Freitagabend steht fest: Das Trinkwasser aus dem Brunnen in Ostin ist verunreinigt. Betroffene in Gmund müssen das Wasser, das aus ihren Leitungen sprudelt, abkochen. Und auch heute gibt es noch keine Entwarnung.

DIe Gmunder müssen ihr Wasser weiter abkochen

Wie Freitagmittag bekannt wurde, müssen die Gmunder ihr Trinkwasser bis auf weiteres abkochen. Bei einer Untersuchung wurde eine Belastung mit sogenannten Enterokokken festgestellt. Diese Keime weisen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine fäkale Verunreinigung hin.

Wie das Landratsamt Miesbach auf Nachfrage mitteilt, sei aber die genaue Ursache noch immer nicht geklärt. “Die Ursachensuche läuft noch, eine sichere Zuordnung der Ursache ist noch nicht möglich”, so Pressesprecher Birger Nemitz. Und auch die Chlorung hat noch nicht die gewünschte Wirkung erreicht.

Nach den aktuell vorliegenden Befunden wird noch nicht an allen Stellen eine ausreichende Chlorkonzentration erreicht. Das Trinkwasser muss in dem betroffenen Bereich vorerst noch weiter abgekocht werden.

Sobald das Gesundheitsamt die Abkochverfügung aufhebt, wird das Landratsamt die Bürger sofort informieren. Die Bürger sollten das Wasser als in jeden Fall weiterhin abkochen. Alles Informationen zu gesundheitlichen Folgen der Keime gibt es hier im ursprünglichen Artikel.

Ursprünglicher Artikel vom 15. Oktober

Für Trinkwasser gilt ein Grenzwert von 0 in 100 Milliliter. Enterokokken dürfen also in 100 Millilitern Wasser gar nicht nachweisbar sein. Was genau der Grund der Verunreinigung ist, wird derzeit noch untersucht. Konkret geht es dabei um den Brunnen in Ostin, der für Wasserversorgung großer Teile Gmund verantwortlich ist. Betroffen sind der gesamte Bereich Ostin, der Zentralbereich Gmund, der Bereich St. Quirin, der Bereich Papierfabrik Louisenthal und der Bereich bis Gut Kaltenbrunn.

Keimbelastung bestätigt sich

Es wurde bereits eine mobile Chloranlage installiert, die das Wasser desinfizieren soll. Diese gibt per Injektionspumpe eine zur Fördermenge passende Menge an Chlor zur Desinfektion in das Wasser. Wie das Landratsamt bestätigt, habe das Untersuchungsergebnis von Montag, 8. Oktober, nach Entnahme der Wasserproben, den Verdacht einer Keimbelastung bestätigt.

Bei den Keimen handelt es sich um Coliforme Bakterien, die eine ernste Bedrohung für die Gesundheit darstellen. Für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem können sie sogar ein Lebensrisiko bedeuten. Per se schädlich sind die Erreger für den Menschen nicht. Sie gehören sogar zur Grundausstattung unseres Darms und verrichten hier wertvolle Arbeit bei der Verdauung.

Was bewirken die Keime?

Gelangen Coliforme Bakterien über das Trinkwasser in den Körper, werden sie meist problemlos wieder ausgeschieden. Ein bestimmter Teil siedelt sich im Darm an. Schädlich sind nur die Coliformen Bakterien, die Toxine abgeben, wie beispielsweis der Ehec-Keim. Noch problematischer ist es, wenn diese Giftstoffe generierenden Keime in die Blutbahn oder die Lunge geraten. Dies kann zu lästigen und schmerzhaften Wund- und Harnwegsinfektionen führen, aber auch zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen.

Kommt es zu einer durch Coliforme Bakterien ausgelösten Erkrankung, helfen meist nur Antibiotika weiter. Da aber immer mehr Bakterienstämme gegen Antibiotika resistent sind, besteht die Möglichkeit, dass diese dann nicht anschlagen. Gefährdet sind insbesondere ältere Menschen, kleine Kinder und Menschen mit einer Erkrankung des Immunsystems. Dieser Personenkreis sollte deshalb unbedingt das Abkochgebot einhalten.

Endgültiges Untersuchungsergebnis steht noch aus

Das endgültige Untersuchungsergebnis der Wasserproben vom Mittwoch, 10. Oktober, stehe noch aus, wie Pressesprecher Birger Nemitz mitteilt. Aber auch hier zeige das Vorergebnis ein Vorliegen von Coliformen Bakterien an. Das Ergebnis für Enterokokken wird für übermorgen erwartet. Enterokokken gehören zur Gruppe der Milchsäurebakterien, die auch außerhalb des Körpers überleben, und die sich unter unterschiedlichsten Bedingungen vermehren. Treten Enterokokken in Krankenhäusern auf, stellen sie eine enorme Gefahr für die Patienten dar.

Trotz Chlorung muss das Leitungswasser also weiter abgekocht werden. Entwarnung gebe es erst, wenn eine ausreichende Chlorkonzentration erreicht sei, sagt Nemitz. Denn das Trinkwasser müsse “nachweislich keimfrei” sein. Verschiedene Einrichtungen in Gmund wie Restaurants oder Kindergärten haben bereits gehandelt.

In Kaltenbrunn beispielsweise wurde man per Telefon über die Situation informiert. “Wir kochen das Wasser in der Küche jetzt ausnahmslos ab”, so der Geschäftsleiter Maximilian Hartberger, der sich über die Nachricht wenig erfreut zeigte. Das Wasser aus dem Zapfhahn wird bis auf weiteres nicht mehr ausgeschenkt. In der Kita Lou im Louisenthal werden die Kids ab heute mit Wasser aus Flaschen versorgt. Mit einer Mail an alle Eltern hat die Leitung auch zusätzlich über die Verunreinigung informiert.

Chlorung geht weiter

Doch wie gesagt, nicht alle Coliformen Bakterien sind für den Menschen gefährlich. Infektionen können auch völlig ohne Beschwerden verlaufen, sagt Nemitz. Bei einer Infektion könne es allerdings zu Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Wer gesundheitliche Beeinträchtigungen verspürt, sollte auf jeden Fall den Hausarzt konsultieren.

Die Dauer der Chlorung ist aktuell noch nicht sicher absehbar. Sie hänge im Wesentlichen
von den weiteren Untersuchungsbefunden der täglichen Beprobung, von den Ursachen der Verkeimung und den gegebenenfalls erforderlichen Sanierungsmaßnahmen ab, so Nemitz.


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