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Kosten, Hintergründe, Erklärungsversuche

Was von der „Fusion“ bleibt

Von Maximilian Kranl

Die Fusion geplatzt, die Berater verabschiedet – viele fragen sich, was vom Tourismus-Zusammenschluss jetzt übrig bleibt. 3,6 Millionen Euro hat der Landkreis für den Masterplan locker gemacht.

Eine sechsstellige Summe kostete allein der Fusionsversuch. Für die Verantwortlichen heißt es jetzt: die Kurve kriegen – oder die Kosten dürften noch viel höher werden.

Nicht mehr mit von der Partie: Cornelius Obier und die Agentur Project M.

3,6 Millionen Euro – das hat den Landkreis der Masterplan zum neuen Tourismus-Konzept für die Region gekostet: Zwölf Leitprojekte und vier Jahre Arbeit sind darin enthalten. Dabei waren stets alle Augen auf Leitprojekt Nummer vier – der Zusammenschluss zur Alpenregion Tegernsee-Schliersee – gerichtet. Zu Recht, wie sich im Nachhinein zeigt. Mit dem Veto von Schliersee ist die Fusion geplatzt. Wie berichtet, haben die Landkreis-Verantwortlichen Konsequenzen gezogen und die Kooperation mit den Tourismusberatern von Project M nach mehrjähriger Partnerschaft beendet.

Die Gesamtkosten von 3,6 Millionen Euro verteilen sich dabei auf die zwölf Posten der Leitprojekte im Masterplan. So war einer davon etwa die Marketingoffensive mit dem Branding als Premiumregion. Hier hat allein die Ausarbeitung des Markenauftritts inklusive der beiden Logos 70.000 Euro gekostet.

Leitprojekt vier – also der Vollzug der Fusion – wurde von besagter Agentur Project M sowie den Juristen von Markmiller & Partner begleitet. Insgesamt haben deren Leistungen den Landkreis, der als Auftraggeber fungiert, 201.000 Euro gekostet.

Zwei Phasen, zwei Mal Geld

Hier müssen die Leistungen jedoch in zwei Phasen unterteilt werden. Denn bis Oktober 2013 waren die Berater mit der Ausarbeitung des Grundsatzbeschlusses beschäftigt, der von allen Gemeinden angenommen wurde und damit nach wie vor rechtskräftig ist. In dieser Zeit bekam Project M 103.000 Euro vom Landkreis. 15.000 Euro wurden für die Rechtsberatung ausgegeben.

Danach ging es in die heiße Phase: Bis April haben die Touristiker am Detailbeschluss gearbeitet, der letztlich vom Schlierseer Gemeinderat abgelehnt und die Fusion zum Scheitern gebracht wurde. In dieser Phase hat Project M weitere 66.000 Euro verdient. Die Juristen von Markmiller & Partner bekamen 17.000 Euro.

Nach Adam Riese macht die Fusion selbst damit nur einen kleinen Teil am Gesamtbetrag von 3,6 Millionen Euro aus. Wie ATS-Chef Harald Gmeiner erläutert, nehmen die anderen Leitprojekte – etwa die Entwicklungsplanungen für Wandern, Mountainbiken, etc. kostenseitig mehr Raum ein. Wie hoch die einzelnen Posten dabei ausfallen, ist jedoch noch nicht bekannt.

Viel Arbeit, keine Fusion – was bleibt jetzt davon?

Immerhin sind inzwischen die konkreten Aufgaben klar, die Markmiller & Partner sowie Project M bei der Fusion übernommen haben. Während erstere etwa die Verträge und die Beschlusssatzungen aufgesetzt haben und bei Steuerfragen zur Seite standen, war Project M tiefer in die Projektarbeit integriert.

So hat Project M beispielsweise die Bedarfs- und Kostenplanung für Personal, EDV und Büroausstattung übernommen. Oder: die Workshops in den Gemeinden geplant. Oder: haufenweise Präsentationen, Organigramme und Informationsblätter kreiert. Und natürlich waren die Mitarbeiter – an vorderster Stelle Geschäftsführer Cornelius Obier – bei einer Vielzahl von Gesprächen dabei.

Intensive Arbeit also, die dennoch nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Wie berichtet, war dieser Umstand wohl ausschlaggebend dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Project M Mitte des Monats kurzfristig beendet wurde. ATS-Chef Gmeiner ist dennoch bemüht, die Kooperation zu loben: „Wir hatten mit Project M sehr erfahrene Leute mit im Boot, die wir nicht missen wollten. Moderation und externe Beratung waren bei der Tourismus-Fusion enorm wichtig. Alle zusammen haben wir uns da richtig reingehängt, aber das Vertrauen von Schliersee war einfach nicht da. Bei Project M sehe ich die Schuld jedenfalls nicht.“

Die Frage nach dem richtigen Konzept

Dennoch haben sich die Touristiker aus dem Landkreis dazu entschlossen, die alten Zöpfe abzuschneiden. Da stellt sich nun vielen die Frage: Was bleibt uns jetzt eigentlich von der Tourismus-Fusion?

„Wir haben ja ein fertiges Konzept, das man eins zu eins wieder verwenden kann, wenn man den Schritt zur Vollintegration wieder wagt“, sagt Gmeiner. Wenn man am Konzept nichts ändere, werde kein Euro verloren gehen, meint der ATS-Chef ferner.

Wenn wir uns für ein neues, anderes Konzept entscheiden sollten, sieht die Sache natürlich anders aus. Aber dazu gibt es ja keinen Anlass – ich gehe nicht davon aus, dass sich an unserem Konzept etwas gravierend ändern wird.

Ob die Schlierseer Gemeinderäte – oder die vielen kleinen Privatvermieter im Landkreis – das auch so sehen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Wie sie gezeigt haben, waren sie mit dem Detailbeschluss nicht einverstanden. Das Veto bezieht sich also durchaus auch auf das Konzept, von dem Harald Gmeiner spricht. Denn, dass sich besonders die Schlierseer an der angedachten ATS-Doppelspitze aus Gmeiner und Overs stören, hat sich wahrscheinlich nicht geändert.

Genauso unklar bleibt den Leitzachtal-Gemeinden die Gestellung der Tourismus-Mitarbeiter – bleiben sie in den TIs der einzelnen Gemeinden oder werden sie von der Alpenregion Tegernsee-Schliersee übernommen? Oder gar ersetzt? Und nicht zuletzt haben sich die Privatvermieter im Detailbeschluss der Tourismus-Fusion nicht ausreichend vertreten gefühlt.

Die Tourismus-Chefs wollen folglich Überzeugungsarbeit leisten, um die „Vorbehalte in Schliersee auszuräumen und zu positiven Beschlussfassungen zu kommen“. Gelingt das in absehbarer Zeit, sind die Investitionen der letzten vier Jahre nicht umsonst gewesen. So die Argumentation auf Landkreisebene.

Immerhin sind die 70.000 Euro für den Markenauftritt mit den beiden Logos – das blaue und das grüne – nicht in den Sand gesetzt. ATS-Chef Gmeiner erklärt:

Die ATS bleibt als Verein ja auch ohne die Fusion bestehen. Sie wird nur nicht zur GmbH. Ihre Finanzierung ist für dieses Jahr gesichert und die Logos sind bezahlt. Also werden auch wir unser grünes Logo weiterhin verwenden.

Ähnlich sieht es bei der TTT aus: Auf Nachfrage teilte Geschäftsführer Georg Overs mit, dass die TTT ihr blaues Logo nach wie vor genauso weiter verwenden wird.


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