Was war? was wird … aus der Natur im Tal

von Rose Beyer

Das Landschaftsschutzgebiet Tegernseer Tal, einst aufgestellt – wie der Name schon sagt –, um die Landschaft zu schützen. Es wird scheibchenweise kleiner, der Siedlungsdruck dagegen größer. Flächen aus dem Schutzplan werden herausgenommen.

Baumfällungen haben im letzten Jahr gefühlt zugenommen. Speicherteiche verändern die Berge. Es gab aber auch kleine Schritte in eine ökologischere Zukunft. Auch bei regenerativen Energien gibt es Erfolge.

Sitzt mitten im Landschaftsschutzgebiet: der Lanserhof oberhalb von Marienstein.

Der Lanserhof oberhalb von Marienstein, das Almdorf in Tegernsee, die Abfüllanlage der Brauerei an der Kreuzstraße – alle sind sie mitten ins Landschaftsschutzgebiet hineingeplant oder bereits gebaut. Im Kreistag ging die Herausnahme der Flächen aus dem Plan mit großer Mehrheit durch.

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Dazu wird der Siedlungsdruck immer größer. Private Bauvorhaben, aber vor allem auch große Bauprojekte nehmen immer weiter zu. Das ist einerseits positiv, und jedes Vorhaben für sich gesehen ist wahrscheinlich notwendig. Auch rechtlich sind die Bauvorhaben – soweit von außen ersichtlich – korrekt abgelaufen. Eine ausgewogene Gewichtung zwischen Ökonomie und Ökologie ist das Ziel. Doch allzu oft setzt sich die Ökonomie durch.

So kommt es dann, dass viel Fläche für Bauprojekte aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgewandert ist. Die Gemeinde Gmund kann sich auch für die Zukunft vorstellen, das Gewerbegebiet um die Abfüllanlage herum zu erweitern sowie ein großes Grundstück am Rudolf-Kempe-Weg – ebenfalls im Landschaftsschutzgebiet – zu opfern.

Bürger wehren sich gegen Großprojekte

Eine „Käseglocke über den Landkreis zu stülpen“, das kann es nicht sein, aber mehr Sensibilität bei Bauvorhaben wünscht sich auch so mancher Bürger. Die Bevölkerung will nicht mehr tatenlos zusehen, wie einzigartige Landschaft geopfert wird. Das Bürgerbegehren gegen den Lanserhof und die eingereichte Petition gegen das Tegernseer Almdorf zeigen den Unmut. Trotz Bürgerkritik werden die meisten Projekte dennoch umgesetzt. Nicht so der Speicherteich auf dem Wallberg, der – zumindest vorerst – gestoppt wurde.

„Jetzt reicht’s!“, findet die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) und rief zum Protestmarsch gegen den Ausverkauf des Tals auf. Für eine intakte Landschaft – gegen Mega-Pläne und Einschnitte in die Landschaft – 350 Menschen hatten sich dem Anliegen angeschlossen.

Dabei ging es nicht ausschließlich darum, den Unmut gegen Großprojekte – wie den Neubau der Orthopädischen Klinik oder das a-ja-Hotel in Tegernsee – zu demonstrieren. Sondern auch darum, zu zeigen, dass man sich als Bürger von Planern beziehungsweise Investoren übergangen fühlt.

Illegale Baumfällungen werden kaum geahndet

Von Bürgern zu Bäumen. Diese hatten es im Jahr 2013 wahrlich nicht leicht. Wurden sie doch immer wieder – legal oder illegal – zum Opfer von Motorsägen. „Bäume fällen ist keine Sünde“, sagt auch der Holzknecht Georg Hiemenz, der es zu seinem Beruf gemacht hat. „Nur so viele Bäume fällen, wie auch nachwachsen“, das wünschen sich viele dagegen als Credo für die Zukunft.

Dort, wo in Kaltenbrunn einmal (kein) prägender Hag stand, wächst auch so schnell keiner mehr nach. Wie man die Aussage von Bürgermeister Georg von Preysing einordnen soll, als er sagte, er habe lediglich darum gebeten, den „Wildwuchs aufkommender Stauden“ zu stutzen, bleibt offen. Wie wertvoll das Grün dort gewesen war, lässt sich anhand stattlicher Baumstümpfe nur noch erahnen.

Eigentlich wollte die Gemeinde einen Präzedenzfall schaffen im Fall der gefällten Bäume

Die Aufregung war groß, als ein Wiesseer Bauherr Bäume illegal fällen ließ. Von einer fünfstelligen Bußgeldhöhe war die Rede. Bad Wiessee wollte einen Präzedenzfall schaffen. Viel passierte dem Unternehmer jedoch nicht. „Der macht doch eh, was er will“, wird deshalb Otto Ebster vorgeworfen. Dabei fällt bei näherem Hinsehen eines auf: Das Geschäftsmodell Ebster hat System. Es ist eine Grenzwanderung in der dunkelgrauen Zone.

Dass es über Naturschutz verschiedene Auslegungsansichten geben kann, zeigt das Vorgehen der Bayerischen Staatsforsten, große Forststraßen als notwendige Maßnahmen für den Naturschutz zu verargumentieren.

Im Fall der als „Autobahn“ bezeichneten Forststraße, die auf dem Weg zur Holzeralm entstanden ist, sieht der hiesige Revierleiter keine Diskrepanz von Ökologie und Ökonomie. Das Ansicht des Forstingenieurs: „Ohne Erschließung gibt es keine Waldwirtschaft.“ So, wie man früher den Wald bewirtschaftet hatte – mit der Kraft der Pferde und später mit kleinen Traktoren –, könne man heute nicht mehr arbeiten. Außerdem sei es zu gefährlich.

“Ohne Forststraßen passiert nichts”

Ohne Bewirtschaftung würden die Bäume größer und würden bei einem Sturm schneller umfallen, begründet der Revierleiter die angewendete Form der modernen Waldwirtschaft. Daher gehe man maßvoll in den Wald hinein, damit er sich von selbst verjüngen kann. Wird er von Wanderern auf neue Forststraßen – etwa die beim Bauern in der Au – angesprochen, so versucht Fritzenwenger, das Vorgehen zu erklären.

Wenn die Bäume beispielsweise zu dicht stünden, käme keine Luft mehr an den Boden. Da müsse man nachhelfen, dass das Ganze in Schuss gehalten werde. Und das gehe nur mithilfe der Erschließung. „Ohne Forststraßen passiert nichts.“

Keine Waldwirtschaft ohne Erschließung – sagt der Bayerische Forst

Bei allen Kritikern an Natur- und Landschaftsschutz im Tal, es gibt auch positive Beispiele. Vor allem im Bereich des Energiesparens. Zahlreiche Gebäude – vor allem öffentliche – machten enorme Fortschritte, was die energetische Sanierung angeht. Auch aus dem Rottacher Warmbad gibt es Positives zu vermelden.

30.000 Euro Energiekosten wird die neue Abdeckplane im Rottacher Warmbad jährlich einsparen. Das Schwimmerbecken zeigt sich seit dieser Saison als Energiesparer und kommt wesentlich ökologischer daher. Über Nacht entweicht so weniger Wärme aus dem Becken in die Luft – und so kommt die satte Ersparnis zustande.

Gemeinschaftsgarten in Dürnbach

Für Diskussionsstoff sorgten aber auch kleinere Themen wie der Mountainbiketrail oder der Erlebnispfad in den Weißachauen. Positives zum Thema Natur war in diesem Jahr der in Dürnbach eröffnete Gemeinschaftsgarten. Insgesamt 126 solcher Gärten soll es laut „Stiftung Interkulturell“ aktuell in Deutschland geben. Zwei junge Studenten hatten die Idee dazu und dem Gmunder Gemeinderat nach einiger Überzeugungsarbeit 3.000 Quadratmeter Ausgleichsfläche „abgerungen“. Ein Garten, in dem sich Menschen treffen, austauschen, in dem man gemeinsam pflanzt und erntet.

Nicht zuletzt machte man kleine (Fort-)schritte, wenn es um den Verkehr geht. Es wurde viel diskutiert um Carsharing, Elektroautos, einer Ringbahn oder den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs samt Tegernseer Schifffahrt.

Erste Elektro-Autos sind im vergangenen Jahr auch im Tal angekommen. Finale ökologische Lösungen, die Verkehrsprobleme im Tal zu lösen, blieben jedoch bislang aus. Vielleicht rücken ja 2014 die Möglichkeiten, das Tal ökologischer zu machen, näher.

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