Diskussion zur aktuellen Verkehrssituation im Tegerseer Tal
Wege aus dem Verkehrsinfarkt oder nur Blabla?

von Laetitia Schwende

Unter dem Motto “Wege aus dem Verkehrsinfarkt” wurde am Montag in einer rund zweistündigen Zoom-Sitzung über Lösungsalternativen diskutiert. Die Ergebnisse der Veranstaltung blieben überschaubar.

Wenn es um den See staut, liegen die Nerven blank – welche Lösungsansätze sind möglich ?

Den Anfang machte Prof. Dr. Klaus Bogenberger, der in einem faktenreichen Vortrag über die notwendigen Maßnahmen und aktuellen Situationen aufklärte. 40 Bürger beteiligten sich an der Runde, darunter der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn, auf der Suche nach Lösungsstrategien. Der Gmunder Bürgermeister Alfons Besel ließ sich aufgrund seiner Corona Infektion kurzfristig entschuldigen.

Um überhaupt Lösungsansätze formulieren zu können, muss die aktuelle Situation geklärt werden. Professor Bogenberger sagt:

Wir haben keine Ahnung, wer tatsächlich durchfährt.

Liegt es nun an den Tagestouristen, den Einheimischen oder den Pendlern? Man müsse weg von der gefühlten Wahrheit, hin zu objektiv, real gemessenen Daten. Die Verkehrssituation mit allen Variablen, wie Verkehrsmittelwahl und tagestypabhängigem Verkehr müsse erfasst werden. Eine Möglichkeit hier wäre, sogenannte Floating Phone Daten zu erwerben, also Handydaten, welche Aufschluss über den Verkehrsfluss geben. Das Problem hierbei: Solche Daten sind extrem teuer, preislich spräche man wohl von bis zu 50.000 Euro.

Ein autofreier Sonntag?

Ein Lösungsansatz sind autofreie Tage, an denen die Bundesstraße dann eben einfach nicht befahrbar ist. Das Schreckgespenst vieler. Aber Bogenberger nennen so eine Maßnahme, “das Zurückerobern des Raums durch die Fußgänger.” Dabei müsste man natürlich verschiedene Varianten durchspielen bezüglich Dauer und Ort der Sperrungen. Eine weitere Überlegung: Welche Veranstaltungen sind sinnvoll an diesen Tagen umzusetzen. Zum Beispiel Straßenfeste, Fahrradumrundungen oder Inline-Skating. Zudem müssen weiträumige Umfahrungen, die Dimensionierung von Shuttlediensten und unerwünschte Effekte, wie verstärkte Umfahrungen über andere Ortsteile abgeschätzt werden.

Auch die Begrenzung auf Tempo 30 in zentralen Ortsbereichen wurde besprochen. Vorteile davon wären eine geringere Lärmemission, kürzere Anhaltewege und eine Förderung des Miteinanders von Fahrradfahrern und Autofahrern.

Gerade das Fahrradfahren soll mehr gefördert werden. Die Pandemie sorgte hier für einen enormen Zuwachs. Die Gemeinden um den See investieren bereits in die Planung eines verbesserten Radverkehrs. Hier war vor allem die Gemeinde Gmund Vorreiter.

Und langfristig?

Um den Radverkehr auch nach der Corona Pandemie aufrechterhalten zu können, muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Denn die momentanen Verlierer, nämlich der ÖPNV, Carsharing und Flugverkehr, werden nach der Pandemie wieder deutlich zulegen.

Zur langfristigen Entwicklung wäre auch eine Art Tal-Maut denkbar, denn bis zu einer sozial ausgewogenen wirtschaftlich, ökologisch und verkehrlich sinnvollen Lösung sei es ein langer Weg. Absehbar und aussichtsreich sei derzeit wohl die Eingliederung des Landkreis Miesbach in den MVV Verbundraum in Verbindung mit dem Ausbau der BRB.

Überschaubare Ergebnisse

Viele Themen-Bälle wurden in die Luft geworfen, aber letztlich blieb es diffus. Abgesehen von dem informativen Vortrag, zeigt sich Bürgermeister Robert Kühn angetan von der Idee eines autofreien Tages. Da würden sozusagen alle mal gleichermaßen gestraft, und es gebe kein Fingerzeig auf Tagestouristen. Aus den Reihen der Zuhörer werden Bedenken laut, dass bei all der Technisierung und Digitalisierung die Senioren auf der Strecke bleiben. Sie seien mit dieser Welt nicht so vertraut, und was denn überhaupt mit den Fußgängern sei, fragte ein Teilnehmer.

Fazit: Die Veranstaltung glich eher einem Referat mit anschließender Fragerunde, als einer konstruktiven Diskussionsrunde, bei der am Ende handfeste Ergebnisse präsentiert werden.


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