Wenn Hitze zur Tortur wird

von Nina Häußinger

In zwei Traglufthallen sind derzeit ein Großteil der Asylbewerber aus dem Landkreis untergebracht. Vergangene Woche zogen Flüchtlinge aus mehreren Turnhallen in die Massenunterkünfte um. Und das, obwohl es in den Hallen ein gravierendes Problem zu geben scheint.

Die Zustände in der Traglufthalle in Rottach sind bei warmen Temperaturen untragbar / Archivbild
Die Zustände in der Traglufthalle in Rottach sind bei warmen Temperaturen untragbar / Archivbild

Über 100 Personen in einer zeltartigen Unterkunft aus Kunststoff bei schwül-warmen Temperaturen. Und das ganze ohne Klimaanlage. In den Traglufthallen in Rottach-Egern und Holzkirchen stand die Luft in den vergangenen Wochen regelrecht, als die Temperaturen das erste Mal in diesem Jahr über die 20 Grad Marke kletterten.

Was bei der Mehrheit der Bevölkerung eine Welle der Euphorie auslöste, wurde für die Bewohner der Hallen zur Tortur. Von saunaartigen Verhältnissen war die Rede. Grund für diese untragbare Situation ist eine fehlende Klimatisierung. Klimaanlage und entsprechende Hitzeschutzfolien, die die Sonneneinstrahlung abmildern sollen, wurden beim Aufbau der Halle nicht mitgeliefert. “Die Wärmequelle stellt dabei das Gebläse her, welches auch dazu dient, dass die Halle mit dem nötigen Innendruck aufrecht bleibt”, erklärt Pressesprecher des Landratsamtes Birger Nemitz.

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Umzug trotz gravierender Probleme

Erst in der letzten Woche waren die Turnhallen in Tegernsee, Gmund und Waakirchen auf Weisung des Freistaats Bayern geräumt worden. Die Asylbewerber wurden auf die Traglufthallen im Landkreis verteilt. In Holzkirchen sind deshalb jetzt rund 150 Personen, in Rottach 116 untergebracht. Die sogenannte „Umsteuerung“ in der Asylpolitik werde von der Regierung von Oberbayern durchgeführt, diese sah die Auflösung aller bisher genutzten provisorischen Unterkünfte wie Turnhallen vor, so Nemitz. Weiter erklärt er:

Diese Anordnungen unserer Oberbehörde müssen wir durchführen. Außerdem wird das Problem nicht als derart gravierend angesehen, dass wir auf eine Belegung der Traglufthallen ganz verzichten müssen.

Auch im Münchner Raum gab es im letzten Sommer große Probleme mit der Hitze. „Dem wurde aber schnell Abhilfe geschaffen“, erklärt Pressesprecherin des Landratsamtes in München Christine Spiegel. Auch in München seien die Hitzeschutzfolien noch nicht alle auf den Hallen angebracht. „Das liegt am Wetter, da muss es trocken sein“, so Spiegel. Geliefert wurden die Folien nämlich hier bereits.

Ursprünglich sollte diese auch in Rottach und Holzkirchen schon gestern angeliefert werden. Doch der Termin sei, so Sprecher Nemitz, auf Anfang kommende Woche verschoben worden. Man werde zunächst in Holzkirchen nachrüsten und dann in Rottach, äußert sich Paranet-Chef Jürgen Wowra aus Berlin gegenüber dem Merkur.

Nach Aussagen der Hersteller-Firma wäre eine Nutzung einer Klimaanlage in der Halle ohne die kaschierende Folie kontraproduktiv, da dann der Energieaufwand zu hoch wäre, so Nemitz weiter. Auch Ventilatoren seien keine Lösung, da sie die Luft nicht kühlen. Durch die Folie solle die Temperatur laut Hersteller um 15 Grad sinken. “Außerdem müssen Sie bedenken, dass das Problem nur bei hohen Außentemperaturen auftritt. Im Moment wird die Situation in den Traglufthallen als „annehmbar“ beschrieben”, so der Pressesprecher abschließend.

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