Westbank gegen Westumfahrung

von Nina Häußinger

Eine Umfahrung, die keiner will? Könnte man fast meinen, wenn man den Widerstand verschiedener Parteien gegen die geplante Westumfahrung der Gmunder verfolgt. Jetzt meldet sich nach der Schutzgemeinschaft eine Gemeinde zu Wort – „den Plänen wird ausdrücklich widersprochen.“

Auf der Strecke zwischen Moosrain und Dürnbach soll die Trasse in RIchtung Wiessee abbiegen.
Auf der Strecke zwischen Moosrain und Dürnbach soll die Trasse in Richtung Bad Wiessee abbiegen.

Die Gmunder Westumfahrung schlägt hohe Wellen. Hat erst vor zwei Tagen die Schutzgemeinschaft in einem Schreiben die geplante Straßenführung kritisiert, zieht jetzt auch die Gemeinde Bad Wiessee nach. In der gestrigen nicht-öffentlichen Sitzung habe man laut Merkur eine öffentliche Stellungnahme abgesegnet.

Genauso wie die Schutzgemeinschaft schickt auch Wiessee das Schreiben an das Bundesministerium für Verkehr. Man werde die Umfahrung nicht akzeptieren, heißt es darin. Die Gemeinde ist der Meinung, dass durch eine Umfahrung über Finsterwald noch mehr Durchgangsverkehr durch das Tegernseer Tal geleitet werde.

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Zweite Schienenführung die Lösung?

Wiessee sieht die Lösung in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nur wenn diese ein attraktives Angebot schaffen, könne man den Ziel- und Quellverkehr eindämmen. Vorgeschlagen wir in dem Schreiben außerdem eine zweite Schienenführung von Holzkirchen nach Tegernsee. Die können den Straßenverkehr enorm entlasten.

Es wird deutlich: Wiessee wird sich gegen die geplante Umgehung, die von Moosrain über Finsterwald und durch einen Tunnel bis nach Kaltenbrunn angedacht ist, deutlich wehren. Da der Antrag der Gmunder in diesem Jahr in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplans aufgenommen wurde, stehen die Chancen für eine Umsetzung immerhin besser als noch vor zehn Jahren.

Ursprünglicher Artikel vom 01. Juli 2015 mit der Überschrift: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“
Gmund ist der Dreh- und Angelpunkt für die Route ins Tal. Eine Umgehung über Finsterwald könnte die Lösung sein. Doch nicht nur die Nachbargemeinde Bad Wiessee und die Anwohner sind dagegen. Jetzt wendet sich auch die Schutzgemeinschaft an den Verkehrsminister.

Von Moorain über Finsterwald und durch einen Tunnel nach Kaltenbrunn - so soll die Umfahrung von Gmund aussehen
Von Moorain über Finsterwald und durch einen Tunnel nach Kaltenbrunn – so soll die Umfahrung von Gmund aussehen / Quelle: http://www.bvwp-projekte.de/map_street.html

Das Tegernseer Tal hat ein Verkehrsproblem – das bekommt vor allem Gmund immer wieder zu spüren. Pendler, Touristen und Einheimische nehmen tagtäglich den Weg über den Gmunder Berg ins Tal und wieder heraus. Pläne zum Bau einer Umgehungsstraße in Gmund existieren daher schon seit Jahrzehnten.

Schon 2004 wurde die Gemeinde mit der Planung zu einer Ortsumfahrung in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Da der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages das Projekt im Mai 2004 jedoch nicht mit der notwendigen Dringlichkeitsstufe in den BVWP aufgenommen hat, liegen die Pläne seither im Schrank.

Nur zehn Prozent werden realisiert

Erst 2014 wurden die Gmunder erneut aktiv – denn heuer wird wieder über die Aufnahme von Projekten entschieden. Der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans für das Jahr 2030 wurde im Februar vom Verkehrsminister Alexander Dobrindt vorgestellt.

Und diesmal hatte Gmund Glück – die Umfahrung wurde als „dringlicher Bedarf“ eingestuft und hat somit in diesem Jahr bessere Chancen auf eine Umsetzung. Trotzdem werden am Ende nur zehn Prozent der eingereichten Anträge auch tatsächlich realisiert.

Umfahrung über Finsterwald mit Tunnel nach Kaltenbrunn

So soll die Gmunder Umfahrung aussehen: Auf Höhe des Salzstadels von der Bundesstraße 318 ab- und dann weiter entlang der Bahnlinie Richtung Finsterwald. Von dort könnte die Trasse über derzeitiges Grünland zur Kreuzung am Feichtner Hof führen und dort in einen Tunnel bis Kaltenbrunn übergehen. Gmund erhofft sich dabei eine deutliche Entlastung der Ortskerne und eine Entschärfung des Unfallschwerpunkts am Gmunder Stachus.

Priorität genießen aber auch die Anträge, hinter denen eine breite Zustimmung der betroffenen Gemeinden steht. Doch davon ist man im Tegernseer Tal derzeit weit entfernt. Wiessee zeigte sich schockiert über die Pläner der Gmunder. Die Angst besteht, dass künftig alle Autos über Wiessee fahren und das Verkehrsproblem somit nur verlagert werde. Hier forderte man schon 2014 eine gemeinsame Lösung aller Talgemeinden.

Nachdem sich auch schon Anwohner über den Verlauf der Umgehung beschwert haben, meldet sich jetzt die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal zu Wort. In einem öffentlichen Brief an Drobrindt erklärt Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal:

Alle Befragungen unserer Gäste ergeben eindeutig, ihr wichtigster Beweggrund, zu uns zu kommen, ist der Wunsch, eine intakte, unverbaute Natur vorzufinden. Diese Gäste werden irgendwann weiterziehen, wenn die Landschaft weiter zugebaut und der Erholungswert dadurch massiv geschmälert wird.

Die Schutzgemeinschaft spricht sich somit klar gegen die Gmunder Planung aus. Sie ist der Ansicht, dass die geplante Umfahrung der Gemeinde nicht realisierbar sei, da Schutzgebietsflächen in ganz erheblichem Umfang betroffen wären. Außerdem wird der Minister gebeten, den Artikel 11 (Schutzgebiete) des Protokolls „Naturschutz und Landschaftspflege“ der Alpenkonvention in der weiteren Planungen entsprechend zu berücksichtigen.

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