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Mythen und Sagen rund um den Tegernsee - Teil 3

Wie das Riedersteinkirchlein entstand

Von Rose Beyer

Neben den historisch klar belegbaren Fakten, die die Geschichte des Tegernseer Tals beschreiben, existieren auch zahlreiche Mythen und Sagen rund um den See. In diesen Geschichten werden Personen, aber auch Orte, Bauwerke und die Landschaften thematisiert. Wir haben uns daher auf die Suche nach eben solchen Erzählungen begeben und faszinierende Geschichten gefunden – so wie die Entstehung des Riedersteinkicherl in Tegernsee.

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Im dritten Teil unserer Serie “Mythen und Sagen rund um den Tegernsee” geht es um das Kircherl hoch oberhalb des Sees. Um den kleinen Berg, auf dem es steht, ranken sich viele Geschichten. Besonders die von der Entstehung des Kirchleins jagt so manchem eiskalte Schauer über den Rücken. Gleich mehrere Theorien wollen genau wissen, wie das kleine Häuschen entstanden ist.

Erbaut von einem Jäger nach erfolgter Bärentötung

Die erste Erzählung ist folgendermaßen überliefert: Vor vielen, vielen Jahren soll der Sage nach ein Jäger eine Bärenspur verfolgt haben, die ihn von der Baumgartenschneid zum Riederstein herunterführte. Auf der ehemals kahlen Gipfelplatte des stark abstürzenden Felsenturmes sah er sich plötzlich einem riesigen Bären gegenüberstehen. Natürlich hatte er ein wenig Angst, trotzdem reagierte der Jäger geistesgegenwärtig und ergriff nicht die Flucht, sondern zog sofort seine Pistole und traf den Bären mit einer Kugel.

Das mächtige Tier stürzte sogleich zu Boden und fiel tot das abschüssige Gelände hinunter. Der Jäger machte vor Schreck einen falschen Schritt, glitt aus und stürzte hinterher. Doch er hatte Glück im Unglück. Weil er – unten angekommen – direkt auf dem weichen Körper des Bären landete, krümmte es ihm kein Haar und er überlebte kreuzfidel. Zum Dank für seine Errettung erbaute der Jäger das Riedersteinkirchlein.

Geheinmisvoller Ort mit Mords-Geschichte

Noch heute steht das kleine weithin sichtbare Gotteshäuschen droben in 1.207 Meter Höhe und beansprucht fast das gesamte Gipfelplateau. Aufgrund der prominenten Lage über dem Tegernsee und dem hervorragenden Blick ist die leichte Wandertour auf den Riederstein bei Einheimischen und Zuagroasten gleichermaßen beliebt.

Friedlich steht es da, das weiße, hübsche Kirchlein. Doch tief drinnen spüren empfindsame Personen angeblich auch etwas befremdliches, gar unheimliches, wenn sie nach dem Erklimmen des Kreuzwegs mit seinen 14 Stationen an dem Gotteshäuschen ankommen. Auch Autor Andreas Föhr hat sich von Mords-Gedanken umtreiben lassen und lässt einen Toten nebst Bierfass und Polizeiabsperrung an dem kleinen Berglein spielen.

Errichtet zum Dank für eine Pferde-Errettung

Sonnenhungrige Wanderer am Gipfel? Oder leichenblasse Leblose am Kirchlein? Man spürt förmlich – da war mal was an diesem Ort. Nach einer anderen Legende hat sich hier kein Bärentod abgespielt, sondern eine Pferdegeschichte. Ein Bauer vom Leeberghof ließ droben auf dem Galaun gleich unter der Felswand des Steins immer seine Pferde grasen. Jeden Tag sah er nach seinen Rappen, ob es seinen geliebten Vierbeinern auch gut gehe.

Pferde hinter dem Berggasthof Riederstein / Quelle: Facebook-Seite Berggasthof Riederstein

Als er eines Morgens einmal hinaufstieg, sah er zu seinem Leidwesen, dass sich die Haustiere bis an die Spitze hinaufgegrast hatten und nun dort offensichtlich nervös herumsprangen, als wenn sie von einem Raubtier oder ähnlichem terrorisiert würden. Gottesehrfürchtig verfiel der Bauer sogleich in ein langes, tiefes Gebet. Er versprach – sollten seine Tiere gerettet werden – auf der Stelle eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Maria zu errichten.

Der Legende nach erfüllte Gott des Bauern Bitte und die Pferde kehrten kerngesund und quicklebendig zu ihrem Herrn zurück. Dieser begann noch im selben Sommer mit dem Bau. Das Kirchlein zeugt noch heute von der wundersamen Pferdeerrettung.

Man sieht, um die Entstehung des kleinen Kirchleins ranken sich demnach gleich mehrere geheimnisvolle Geschichten. Ob diese einen wahren Kern haben oder gänzlich im Reich der Mythen und Sagen zu verorten sind, lässt sich nicht genau sagen. Nichts desto trotz ist es eine weitere spannende Geschichte unserer neuen Serie “Mythen und Sagen rund um den Tegernsee”. Teil vier folgt demnächst.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 – 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985


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