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Wenn die Natur als Toilette überstrapaziert wird

Wie die Tiere in den Wald?

Von Laetitia Schwende

Egal ob Fahrradtour oder Wanderung: Wer in den Bergen und Wäldern unserer Tals unterwegs ist und plötzlich den Drang zum Entleeren spürt, hat wenig Alternativen. Die öffentlichen Toiletten in den Orten sind schon zu weit weg, die nächste Alm aber auch. Bleibt also nur noch der Wald. Muss das Müssen dort aber wirklich sein?

Öffentliche Toiletten oder Dixi-Klos mitten in der Natur? Eher schwierig.

Es dürfte wohl eine der unangenehmsten Erfahrungen sein: Der Tritt in ein weiches, stinkendes Etwas (hier Hundekot). Wenn es schon ekelerregend ist, in Hundekot zu treten, möchten wir uns die Steigerung dessen, nämlich auf die Hinterlassenschaften von Menschen zu treffen, gar nicht erst vorstellen.

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Trotzdem ist dieses Szenario nicht so utopisch, wie man meinen möchte. Immer öfter müssen Wanderer oder Spaziergänger mit ihren Hunden die unangenehme Erfahrung machen, Menschen beim Verrichten ihrer Notdurft hinter einem Baum zu entdecken oder zumindest deren Spuren in Form von verschmierten Taschentüchern und niedergetrampelten Lichtungen zu sehen.

Was ist hier los? Zu wenig öffentliche Toiletten? Der Drang, die Natur mal so richtig hautnah zu erleben und archaisch zu markieren? Oder einfach schlechtes Darm-Management? Wir haben bei Gemeinden und Landratsamt nachgefragt. Hans Staudacher von der Stadt Tegernsee räumt ein:

Als Problem hat sich tatsächlich die Zeit des Lockdowns erwiesen, da zum einen gerade in dieser Zeit außerordentlich viele Besucher am Tegernsee und in den Bergen unterwegs waren, zum anderen das Angebot an Toiletten der Gastronomie gänzlich weggefallen ist.

Es ist also wieder mal der markierende Münchner? So einfach ist das nicht. Denn es wurden schon einheimische Entleerer gesichtet. Darmgrummeln ist kein städtisches Problem. Allerdings sei das Angebot an öffentlichen Toiletten sowie Toiletten in Gastronomiebetrieben in Tegernsee sehr gut. Und auch insgesamt habe man auch den Eindruck, dass sich die Situation wieder normalisiert hat, auch wenn weiterhin viele Gäste im Tal unterwegs seien.

„Innerhalb des Ortes wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Hinweisschilder auf die öffentlichen Toiletten angebracht. An Wanderwegen erscheint eine entsprechende Infrastruktur mit Hinweisen eher schwierig“, ergänzt Staudacher.

Neben den Wanderwegen finden sich nahezu hinter jedem Baum Hinterlassenschaften.

Diese Ansicht teilt auch Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamtes. Sie erklärt:

Öffentliche Toiletten einzurichten liegt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Gemeinde. In abgelegenem Gelände ist es schwierig, weitere öffentliche Toiletten zu schaffen, da erhebliche Eingriffe erforderlich sind. Zudem würde das eine Menge Geld kosten.

Auch mobile Toiletten könnten in unwegsamem Gelände nicht aufgestellt werden, da ein solches Gelände zum Aufstellen und zum Ausleeren nicht beziehungsweise nur schwer erreichbar sei. Der Grundstückseigentümer müsste bei der Errichtung oder dem Aufstellen von Toiletten natürlich zustimmen.

Was kann man tun?

Allgemein sei die Problematik besonders im Schliersee-Spitzingsee-Rotwand-Gebiet bekannt. Durch die Corona-Pandemie strömten sehr viele Menschen in die Berge, gleichzeitig waren die Hütten lange zugesperrt. Viel tun kann man dagegen aber nicht. Sophie Stadler sagt:

Man kann die Leute darüber aufklären, dass das nicht zulässig ist und sehr, sehr unangenehm für Almbauern, Waldarbeiter, Jäger und andere Waldnutzer. Weitere sinnvolle Maßnahmen sind kaum möglich. Wenn keine Toiletten zur Verfügung stehen, werden die Wanderer im Zweifelsfall keine andere Möglichkeit haben.

Abgesehen davon, dass herumliegender Kot übel riecht und ausschaut, ist jede Art von Kot der Gesundheit von Mensch und Tier nicht zuträglich. Stadler ergänzt: „Grundsätzlich ist jeder Trinkwasserversorger verpflichtet, seine Brunnen und Quellen abzusperren, um den Zugang von Unbefugten zu verhindern. Jedoch kann es trotz der Sicherungsmaßnahmen sein, dass es zu Einträgen ins Trinkwasser kommt. Das kann dann auch zu gesundheitlichen Folgen führen.“

Vielleicht wäre ja es klug, vor dem Bergbesuch nicht nur für den Vierbeiner eine Plastiktüte mitzunehmen. Ansonsten hilft es auch, Menschen in der Hocke direkt anzusprechen und zu bitten, das riechende Leergut wieder mitzunehmen…


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