Variante Porsche: tolle Optik, wenig Platz – Pläne für die Realschule

Anmerkung vom 21.05.2010 / 18:40 Uhr:
Tobias Schreiner, kommisarischer Leiter der Realschule Tegernseer Tal, hat sich per Email bei uns gemeldet und uns auf einige Ungereimtheiten im Text aufmerksam gemacht. Bei einem Telefonat konnten wir folgendes klären: Wir hatten fälschlicherweise geschrieben, dass der Ausbau aufgrund der höheren Anmeldezahlen nötig ist. Der Ausbau wäre aber auf jeden Fall nötig gewesen, weil neue fünfte Klassen dazu kommen. Durch die erhöhten Anmeldezahlen muss lediglich noch etwas mehr ausgebaut werden. Außerdem hatten wir geschrieben, dass die neuen Räume nur den Realschülern zugute kommen. Mit Mensa und Aufenthaltsräumen entstehen aber auch gemeinsam genutzte Räume für Realschüler und Hauptschüler.

Tobias Schreiner hat uns zusätzlich noch einige Zahlen genannt und eine, in den letzten Tagen neu hinzugekommene, Variante des Ausbaus mitgeteilt. Vielen Dank!

Damit jeder die Änderungen nachvollziehen kann, haben wir das Falsche durchgestrichen und das neu dazu gekommene unterstrichen.

Ursprünglicher Artikel vom 21.05.2010 / 11:52 Uhr:
Dienstag Abend hat der Wiesseer Gemeinderat das Aufstellen von Containern zur Realschulerweiterung beschlossen – die kleine Variante; versteckt hinterm Schulhaus und nur schwer erweiterbar. Dafür schön anzuschauen. Die Container sind nötig, um genug Räume für die wachsende Schülerzahl zur haben. Einen Zeitraum von etwa vier Jahren gilt es zu überbrücken – dann soll der Schulneubau in Gmund fertig sein und die Wiesseer Realschule wird dorthin umziehen. Nötig geworden ist die Erweiterung, weil die Anmeldezahlen sich unerwartet gut entwickelt haben weil durch neu eingeschulte Fünftklässler ab dem nächstem Schuljahr mehr Räume benötigt werden. Wurde letztes Jahr zur Eröffnung noch gebangt, ob die Realschule im Tegernseer Tal überhaupt genügend Schüler für zwei Klassen zusammen bekommt, muss für das nächste Jahr schon eine dritte fünfte Klasse geschaffen werden. Die Anmeldezahlen sind von 35 auf aktuell 78 Schüler gestiegen.

Trend im Tal: Realschule statt Hauptschule

Franz Hafner, Rottacher Bürgermeister und Vorsitzender des Tal-Schulverbandes, vermutet, dass die meisten neuen Schüler aus dem Tal selbst kommen. Genaue Zahlen liegen ihm aber noch nicht vor. “Es besteht aber generell ein steigende Nachfrage nach höheren Schulen” sagt Hafner. Die Rottacher Zahlen scheinen die Vermutung zu bestätigen: Während in der Realschule erweitert wird, sind die Zahlen für die reine Hauptschule in Rottach eher rückläufig.

Auf die Kooperation mit der Rottacher Hauptschule hat die Erweiterung in Wiessee aber erstmal keine Auswirkungen. Bisher ist die fünfte Klasseenstufe aus der Hauptschule in der Realschule untergebracht. So soll Schülern die Chance zum Wechseln gegeben werden. Das bleibt auch weiterhin so. “Ab der sechsten Klasse Hauptschule kommt diese wieder zurück nach Rottach”, sagt Franz Hafner. “Wichtig ist, dass wir den Fünftklässlern die Möglichkeit bieten, sich auch die Realschule mit anzuschauen. Mancher ist etwas später dran und hat so die Chance den Sprung noch zu schaffen”, sagt er weiter.

Die Erweiterung der Tegernseer Tal Realschule kommt also in erster Linie wirklich nur den Realschülern zugute kommt aber sowohl Real- wie auch Hauptschülern zugute: Die Klassenräume sind für die Realschüler gedacht; Aufenthaltsräume und Mensa werden aber gemeinsam genutzt.

Diese zwei Varianten wurden im Wiesseer Rathaus diskutiert: (Die Version 3 haben wir nachträglich eingefügt)

Version 1: Für diese Version hat sich der Gemeinderat entschieden. Die temporären Klassenräume (das Landratsamt will übrigens eigentlich nicht, dass man das Container nennt) kommen hinter das Schulgebäude auf den jetzigen Auto- und Fahrrad Parkplatz. Um an dieser Stelle genügend Platz zu haben, müssen drei Bäume gefällt und eine Mauer, sowie die Garage abgerissen werden. Zum Start werden die Container (sorry, Landratsamt) erstmal zweistöckig errichtet. Nach zwei Jahren soll dann auf drei Stockwerke aufgestockt werden – falls die Anmeldezahlen für die Realschule sich weiter so entwickeln.
Vorteil: Man sieht die Container nicht von der Straße aus.
Nachteil: Die Version ist mit rund 400.000 Euro Startkosten etwa 70.000 Euro teurer, als die andere Variante. Schuld ist in erster Linie die an dieser Stelle teurere Erschließung von Strom, Gas und Abwasser. Das ist dem Gemeinderat aber logischerweise relativ egal, weil die Kosten für die Container komplett vom Landkreis getragen werden. Außerdem müssen für die Container insgesamt drei Bäume gefällt und eine Mauer und eine Garage abgerissen werden. Das in den Räumen, an denen sich Container und Schulgebäude recht nahe stehen, wohl in Zukunft immer das Licht brennen muss, ist wohl auch jedem klar.

Version 2: Das ist die Version, die sowohl Bürgermeister, wie auch Landratsamt befürwortet hätten: Die Container kommen auf die Höß-Wiese. Etwa 50 x 15 Meter. An dieser Stelle wären die Container freistehend auf die Wiese gestellt worden. Anfangs zwei-, später dreistöckig. Verändert werden müsste an der Umgebung nicht viel: Container auf die Wiese, Leitungen legen. Fertig. Das Landratsamt hat die Variante bevorzugt, weil erstens die Kosten um ca. 70.000 Euro niedriger gewesen wären und zweitens an dieser Stelle mehr Platz ist. Also auch mehr Platz, um flexibel auf eine nötige Erweiterung reagieren zu können. (Die Wiese gehört, wie der Name schon sagt, Bürgermeister Höß und seinen Brüdern. Höß hätte die Wiese aber zu sehr günstigen Pachtkonditionen zur Verfügung gestellt. Das betonte sein Vize Robert Huber. Die genaue Summe, wurde aber erst in der nichtöffentlichen Sitzung genannt und ist uns nicht bekannt.)
Vorteil: Flexibler und mit rund 330.000 Euro deutlich günstiger. Außerdem wäre, nach der geplanten Zeit von ca. vier Jahren, einmal der Gärtner gekommen, hätte an der Stelle neue Wiese gesät und über die Sache wäre sprichwörtlich Gras gewachsen. Mehr Platz für die Schüler wäre sowieso gewesen.
Nachteil: Die Container wären von der Straße aus sichtbar.

Version 3: Diese Variante ist in den letzten Tagen neu dazu gekommen. Faktisch das Gleiche, wie die beschlossene Version 1 aber die Problematik mit dem fehlenden Licht, an den sich nahe stehenden Gebäudeteilen, konnte so recht simpel gelöst werden. Ob dafür eine erneute Zustimmung des Gemeinderates notwendig ist, können wir noch nicht genau sagen. Falls ja, wird es sich um eine reine Formsache handeln. Die Version 3 wurde in der Form auch schon am Dienstag Abend von Gemeinderat Karl Sauer (Parteifrei/CSU) vorgeschlagen.

Im endgültigen Unterhalt kommen beide alle Varianten gleich teuer: 85.000 Euro für die zweistöckige Ausbaustufe. 125.000 Euro für die dreistöckige. Zum Start sind bei jeder Variante fünf Klassenräume, ein Technikraum und die Mensa untergebracht. Die Aufstockung soll dann mehr Klassenräume zur Verfügung stellen.

Container sind hässlich – lasst sie uns verstecken!

Die Begründung, sich für die Variante 1 zu Entscheidung war bei allen Befürwortern dem Sinn nach die Gleiche: Container sind hässlich – lasst sie uns verstecken. Das Erscheinungsbild eines Kurortes wurde also höher bewertet, als die Praktikabilität für Schule und Schüler. Im einzelnen lohnt es leider kaum, die Zitate und Aussagen im Gemeinderat zu wiederhohlen. Immer wieder wurde das Gleiche gesagt: “50 Meter sind schon viel”, “Das passt nicht zu einem Kurort”, “Ich glaube noch nicht daran, dass wir den Platz wirklich brauchen” oder “Wir sind ein Kurort – da spielt die optische Seite eine große Rolle”. Das Ergebnis war übrigens 9:5 für die Version hinter der Schule.

Im Landratsamt (LRA) ist man über die Entscheidung nicht sonderlich erfreut. Frank Skodczinski, Pressesprecher im LRA kommentiert recht trocken: “Das Landratsamt hätte sich etwas anderes gewünscht. Die Lösung wird mangels Alternativen aber akzeptiert”.

Kleine Bemerkung am Rand: Schön war’s wie sich auf einmal die Meisten im Gemeinderat ob der teureren Variante einig waren, dass “Geld hier einfach keine Rolle spielen darf!” – Das Landratsamt zahlt ja auch schließlich. Und darum gibt’s jetzt auch den Porsche: tolle Optik, wenig Platz

Die Bäume, die Garage und die Mauer müssen der Übergangslösung bald weichen
Ein Ausweichen auf die angrenzenden Grundstücke war nicht möglich - die Eigentümer stellten sich quer
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