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Landrat, Bürgermeister und Schulvertreter kämpfen für Tegernseer Gymnasium

„Da gibt es nichts schönzureden“

Von Maximilian Kranl

Die Zukunft des Tegernseer Gymnasiums steht dieser Tage auf wackligen Beinen. Gestern trafen sich Politiker, Schulleiter und Lehrer im Gymnasium zu einer Krisensitzung.

Das Ergebnis: Wenn jetzt alle mithelfen, wird die Schule erhalten bleiben. Deren Vorzüge kennt besonders Landrat Wolfgang Rzehak aus eigener Erfahrung.

In der Bibliothek des Gymnasiums trafen sich Politik, WIrtschaft und Kollegium zur Krisensitzung.
In der Bibliothek des Gymnasiums trafen sich Politik, Wirtschaft und Kollegium zur Krisensitzung.

Er hat dort seine große Liebe gefunden, denkt heute noch sehnsüchtig an die Bräustüberl-Ausflüge zurück und vor allem hat er dem Tegernseer Gymnasium eine erfolgreiche Schullaufbahn zu verdanken. Wenn Landrat Wolfgang Rzehak an seine Schulzeit in Tegernsee zurückdenkt, kommen nur positive Erinnerungen auf. „Das Gymnasium Tegernsee gehört zu den attraktivsten Schulen in ganz Bayern. Man kann hier sogar Landrat werden“, eröffnete Rzehak die gestrige Runde mit einem Schmunzeln.

Dabei ist die Lage ernst: Nicht umsonst wurde eine Krisensitzung einberufen. Neben dem Landrat kamen gestern auch Tegernsees Bürgermeister Hans Hagn sowie SMG-Chef Alexander Schmid in die Schule, um mit Direktor Werner Oberholzner und einigen Lehrern über die Zukunft des Gymnasiums zu reden. Im Anschluss an das Gespräch gaben die Teilnehmer ihre Ideen und Ergebnisse bekannt.

Gemeinsam zeigten sich die Verantwortlichen entschlossen, alles für den Erhalt des Gymnasiums zu tun. Das Konzept beruht auf einer Vielzahl an Bausteinen – solche, die schon vorhanden sind, aber gestärkt werden müssen und solche, die neu geschaffen werden müssen. „Die eine Patentlösung gibt es nicht, wir müssen an vielen verschiedenen Stellschrauben ansetzen“, bekräftigte Direktor Werner Oberholzner und zeigte sich zugleich demütig vor der Herausforderung, die jetzt auf die Schule zukommt: „Ich bin extrem unglücklich über die niedrigen Anmeldezahlen. Da gibt es nichts schönzureden. Aber wenn wir jetzt alle zusammenhelfen, dann schaffen wir das.“

Bestehende Vorteile besser nutzen

Dabei möchte das Gymnasium einerseits erst einmal die vorhandenen Standortvorteile positiver darstellen und stärker nutzen. Allen voran der sprachliche Zweig: „Die Sprachfolge Englisch, Französisch und Spanisch ist einmalig im Landkreis. Wo gibt es das schon? Das sollte man viel deutlicher als Alleinstellungsmerkmal darstellen“, meint Rzehak. Zudem müsse man Eltern wieder mehr Mut machen, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken. Denn etwa durch das G8 sei vielerorts eine gewisse Unsicherheit entstanden, weshalb viele Kinder lieber den Weg über die Realschule gehen. „Schüler mit gymnasialer Eignung müssen ans Gymnasium. Es darf keine Scheu vor dem G8 geben. Deshalb wollen wir auch die Kooperation mit den Grundschulen verbessern“, sagt auch Oberholzner.

Er betont, dass auf der Haben-Seite seines Gymnasiums Einiges stehe. Etwa die letzte externe, sehr positiv ausgefallene Evaluation. „Damit sind wir sehr zufrieden. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir uns darauf ausruhen können.“ Außerdem sei man auch beim Thema EDV inzwischen wieder bestens aufgestellt – hier wurden zuletzt 500.000 Euro investiert.

Für alle Beteiligten ist klar: Das Gymnasium muss bleiben. Das unterstreicht auch Bürgermeister Hans Hagn: „Wir als Stadt wollen für junge Familien attraktiv sein. Dafür brauchen wir Bildung vor Ort. Das Gymnasium ist deshalb für uns unabdingbar und wir werden alles tun, um es zu erhalten. Auch Ilse Aigner steht da voll hinter uns.“

Standort Tegernsee ist unabdingbar

Nicht anders sieht das die Wirtschaft im Landkreis. Standortmarketing-Chef Alexander Schmid sichert dem Gymnasium ebenfalls seine Unterstützung zu: „In Zeiten des Fachkräftemangels ist ein funktionierendes Gymnasium für die ganze Region unerlässlich. Dabei ist der Standort Tegernsee auch aus wirtschaftlicher Sicht enorm wichtig.“

Doch will das Gymnasium in eine erfolgreiche Zukunft gehen, muss es auch neue Wege wählen. „Wir kennen jetzt keine Denkverbote“, betont Landrat Rzehak. Deshalb bringt Bürgermeister Hagn das weitere Vorgehen auf den Punkt: „Unsere Hauptaufgabe ist es, das Besondere am Gymnasium herauszustreichen. Ich denke da vor allem an mehr Internationalität und an Kooperationen, die das ohnehin schon gute Sportangebot weiter verbessern.“

Beim Stichwort Internationalität kann die Schule mit ihrem Sprachangebot punkten. Doch nur unter der Voraussetzung, dass dieses dem Gymnasium Tegernsee vorbehalten bleibt. „Ich erwarte hier vom Kultusministerium auch, dass der sprachliche Zweig unser Alleinstellungsmerkmal bleibt“, so Oberholzner. Ob das für immer so bleibt, ist jedoch ungewiss. Denn dass der Wunsch nach einem sprachlichen Zweig in Holzkirchen irgendwann aufkommen wird, ist zu erwarten.

„Dann würde sich das Ministerium aber auch unglaubwürdig machen. Der Landkreis bekäme ein großes Problem – auch finanzieller Art – wenn sich unsere Schulen hier gegenseitig kaputt machen. Wir als Landkreis haben aber die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken“, sagt Rzehak. Auch deshalb will das Gymnasium seine Öffentlichkeitsarbeit verbessern und neue Wege gehen. Oberholzner: „Wir machen das schon ganz gut. Aber ganz gut ist nicht gut genug.“

Oberholzner: "Wir sind nicht in der Lage, irgendwas auszuschließen."
Oberholzner: „Wir sind nicht in der Lage, irgendwas auszuschließen.“

Besonders mit dem Thema Schülerheim wollen sich die Verantwortlichen jetzt intensiv auseinandersetzen. Es gilt als einer der Schlüssel zum Fortbestand des Gymnasiums. Laut Rektor Oberholzner sei die Idee dazu vor rund drei Jahren entstanden und aus dem Kollegium gekommen. Doch an der Umsetzung sei man bisher gescheitert, beim Überlegen sei viel Zeit verloren gegangen. „Wir sind definitiv spät dran“, bestätigt Bürgermeister Hagn. Doch so einfach sei die Sache nunmal nicht. Die Finanzierung könne weder die Stadt noch das Gymnasium alleine stemmen – sie müsse aus der Wirtschaft kommen. „Wir brauchen hier das Engagement von allen und ein ganz konkretes Konzept. Mit Fensterreden ist es nicht getan.“

Immer wieder ist dabei das Haus Schönblick an der Tegernseer Seestraße im Gespräch. Es wäre aufgrund der Raumkonzeption und der direkten Nähe zum Gymnasium für die Nutzung als Schülerheim ideal. Dazu passen die Pläne der Deutschen Rentenversicherung, der das Gebäude gehört. Sie will die Orthopädische Klinik an der Point erweitern. Gelingt das, könnten die derzeit im Haus Schönblick untergebrachten Patienten künftig in der Klinik unterkommen und das Haus würde frei. So viel zur Theorie, doch Bürgermeister Hagn bremst die Euphorie: „Es gibt kein Angebot seitens der Rentenversicherung.“

Wo soll das Schülerheim entstehen?

Dennoch sieht Hagn die Stadt in der Pflicht, entsprechenden Wohnraum zu schaffen. „Die Stadt hat viele Wohnungen und erwirbt auch immer wieder neue. Viele der Wohnungen sind aber alt und müssen saniert werden. Das ist teuer. Deshalb können wir nicht garantieren, dass es für das Schülerheim von heute auf morgen eine Lösung geben wird.“

Schließlich steht auch noch die Frage der gebundenen Ganztagsschule zur Debatte. Laut Oberholzner habe die Befragung von Eltern und Schülern immer wieder ergeben, dass die Lösung nicht gewollt sei. „Wir sind aber nicht in der Situation, irgendwas auszuschließen.“ SMG-Chef Schmid wirft ein, dass der Ganztagsunterricht mit der Zeit realistisch werde. „Die Nachfrage kommt, sobald das Angebot da ist. Ich bin mir sicher, dass die nächste Schüler-Generation das wollen wird. Wir sollten die Möglichkeiten dazu schaffen.“

In zwei Wochen beruft Rektor Oberholzner das Lehrerkollegium zur Konferenz ein, um über die Situation zu sprechen und Lösungen auszuarbeiten. Dabei könnten die derzeit 70 Lehrer von den sinkenden Schülerzahlen schon bald selbst betroffen sein. „Das Kollegium wird sich verkleinern. Allerdings sind wir heuer in der glücklichen Lage, sehr viele neue Referendare zu haben.“ Landrat Wolfgang Rzehak sieht in den zahlenseitigen Veränderungen aber auch eine Chance. Dass am Tegernseer Gymnasium nicht tausende Schüler sind, habe sich schon immer positiv auf die Lehrsituation ausgewirkt. „Lieber so als eine seelenlose Denkfabrik.“


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