„Wir sind drin“ – und jetzt?

von Cornelia Schramm

Ein Ort. Zwei Umgehungen. Während es die Holzkirchner Südumgehung in den “vordringlichen Bedarf” geschafft hat, fürchtet Hartpenning jetzt noch mehr Verkehr. Doch Bürgermeister von Löwis verspricht: Holzkirchen lässt “seinen Süden” nicht im Regen stehen.

Bürgermeister Olaf von Löwis sieht die Südumfahrung für Holzkirchen als Chance.
Bürgermeister Olaf von Löwis sieht die Südumfahrung für Holzkirchen als Chance.

Vergangene Woche stellte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Berlin den Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 vor. Er beinhaltet unter anderem eine Umfahrung im Süden Holzkirchens. Ihre Gegner lässt die Neuigkeiten aufschreien. Nicht nur, weil eine Umgehung auf diesem Wege tatsächlich Realität werden könnte, sondern auch, weil eine Umfahrung um Hartpenning und Kurzenberg vom Bund erst einmal hinten angestellt wird.

Doch es gibt Hoffnung. Zum ersten Mal bietet das Bundesverkehrsministerium die Möglichkeit, dass sich die Öffentlichkeit am Entwurf des Bedarfsplans beteiligt. Ab heute kann man sechs Wochen lang nicht nur als Einzelperson, sondern auch als Unternehmen oder Organisation schriftlich oder online Stellung zum Entwurf beziehen. Anschließend sollen die Ergebnisse ausgewertet und der Plan dann bis zum kommenden Jahr vom Kabinett beschlossen werden.

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Enorme Mehrbelastung für Hartpenning

„Wir sind unglücklich damit“, erklärt Christoph Scholz von „Hartpenning muckt auf“ auf Nachfrage. Denn eine Südumfahrung für Holzkirchen bedeute erheblichen Mehr-Verkehr für Hartpenning. Bei der Bürgerinitiative befürchtet man, sollte die Holzkirchner Südumfahrung tatsächlich gebaut werden, „Waakirchner Verhältnisse“, so Scholz. Wo sich heute noch 10.000 Fahrzeuge pro Tag durch den Ort wälzen, rechnet Scholz dann mit rund 5.000 Fahrzeugen mehr – und schon jetzt geht nichts mehr.

Die Möglichkeit beim Bundesverkehrsministerium binnen sechs Wochen Stellung zum Bauvorhaben zu beziehen, will man bei „Hartpenning muckt auf“ deshalb selbstverständlich wahrnehmen. Nicht nur von der Bürgerinitiative wird der Bund Post erhalten, sondern wohl auch von vielen Einzelpersonen aus Hartpenning. „Es gibt eine ganze Reihe an Betroffenen“, weiß Scholz.

Für Scholz ist auch die Umfahrung für Hartpenning und Kurzenberg nicht ganz vom Tisch, denn sie sei nur nicht so hoch priorisiert worden wie die Holzkirchner Südumfahrung. Sie wurde im „erweiterten Bedarf“ mit dem Zusatz „mit Planungsrecht“ eingestuft, so Scholz. Daraus zieht der Hartpenninger den Schluss, dass die Umfahrung für Hartpenning und Kurzenberg nur zeitlich nach hinten verschoben wird.

Südumgehung gegen Durchfahrtsverkehr

Doch noch etwas stößt den Hartpenningern sauer auf: die Ergebnisse des von der Gemeinde Holzkirchen beauftragten Straßen- und Verkehrsplaners Kaulen würden zeigen, dass eine Südumfahrung die Verkehrsprobleme in Holzkirchen nicht lösen würde, berichtet Scholz. Da die Hartpenninger ganz maßgeblich mit am Quell- und Zielverkehr im Holzkirchner Ortskern beteiligt sind, wäre eine Südumgehung aus diesem Grund nicht wirtschaftlich, so die Meinung in der Hartpenninger BI.

Keine Umgehung für "Gesamt"-Holzkirchen. Ist das der "Sargnagel" für Hartpenning und Kurzenberg?
Keine Umgehung für “Gesamt”-Holzkirchen. Ist das der “Sargnagel” für Hartpenning und Kurzenberg?

„So einfach kann man es sich nicht machen“, findet hingegen Bürgermeister Olaf von Löwis. Ein Großteil des Verkehrsaufkommens im Ort wäre zwar „hausgemacht“, aber immerhin hätten die Fachleute auch ermittelt, dass die Belastung des Durchfahrtsverkehr durch eine Umgehungsstraße im Süden um rund 25 Prozent vermindert würde.

„Das ist schon enorm“, meint von Löwis und sieht die Aufnahme in den Entwurf des Bundes daher als „Erfolg für Holzkirchen“. Die Chance auf eine Umgehungsstraße im Süden, die Holzkirchen die vergangenen Jahrzehnte verstreichen hat lassen, will er dieses Mal nicht vorbei ziehen sehen:

Wir sollten die Tür, die aufgemacht wurde, unbedingt nutzen.

Auch die „Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung Holzkirchen e.V.“ forderte bereits vor rund einem Jahr die Südumfahrung unbedingt in den vordringlichen Bedarf zu rücken. Erst dann rentiere sich ein faktenbasierter Arbeitskreis, um eine ideale Trasse festzulegen. Dieses Mal war die Bürgerinitiative auf Nachfrage allerdings nicht dazu bereit, sich gegenüber der HS zu äußern.

Dafür atmete in den Kommentaren des letzten HS-Artikels zum Thema Bundesverkehrswegeplan 2030 ein Holzkirchner Leser auf: „Gott sei Dank! Der Verkehr in Holzkirchen ist nicht mehr tragbar und die Südumgehung ist dringend notwendig!“

Ortsnahe Trasse nur Platzhalter

Bürgermeister von Löwis ist indes klar, dass mit den Neuigkeiten nicht jeder glücklich ist. Dass die Umfahrung für Hartpenning und Kurzenberg es nicht den „vordringlichen Bedarf“ geschafft hat, bedaure er sehr. Schließlich habe man sich immer für Ganz-Holzkirchen eine Südumfahrung gewünscht.

Dennoch spreche man hier von einem Zeitfenster von über zehn Jahren und da Hartpenning immerhin noch im „erweiterten Bedarf“ stünde, könne man die Umgehung zeitnah anschließen, so von Löwis Hoffnung – vor allem auch, da die Gelder, die der Bund stelle, viel höher als ursprünglich erwartet ausfallen würden. „Wir lassen Hartpenning nicht im Regen stehen“, stellt von Löwis klar.

Mit kurzfristigen Maßnahmen, die das Büro Kaulen gerade im Kontext des Integrierten Mobilitätskonzeptes erarbeitet, möchte man schon jetzt die angespannte Verkehrslage in Großhartpenning lindern und zudem bereits kommendes Jahr mit einer Entwurfsplanung für die Südumgehung beginnen. Dabei dient die sogenannte „ortsnahe“ Variante, die jetzt im „vordringlichen Bedarf“ steht, nur als Platzhalter, heißt es vom Rathauschef.

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