Wir sind Holzkirchen!

Was wünschen sich die Holzkirchner für ihre Gemeinde? Wie kann der Ortskern verschönert werden, und welche Lösungen gibt es für das Verkehrsproblem? 43 zufällig ausgewählte Holzkirchner nahmen im April an einem Workshop teil, um Ideen zu erarbeiten. Gestern wurde das Ergebnis, des sogenannten “Bürgergutachtens” vorgestellt.

Bei der gestrigen Übergabe des Bürgergutachtens: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Hilmar Sturm, die Teilnehmerinnen Victoria Nandico und Gertraud Deller mit Bürgermeister Olaf von Löwis. /Bild: Lorefice
Übergabe des Bürgergutachtens: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Hilmar Sturm, die Teilnehmerinnen Victoria Nandico und Gertraud Deller mit Bürgermeister Olaf von Löwis. /Bild: Lorefice

Damit jeder die gleichen Chancen hat, wurden die Teilnehmer für den Workshop nach dem Zufallsprinzip aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt – eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Alters- und Berufsgruppen kam zusammen und die zur “schweigenden Mehrheit” gehörenden Bürger, die weder in Parteien noch in Vereinen tätig sind, hatten so die Möglichkeit zu Wort zu kommen.

Zusammen mit dem Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Dr. Kaulen, der Stadtplanerin Manuela Skorka und Prof. Dr. Hilmar Sturm von der Gesellschaft für Bürgergutachten, gfb, erarbeiteten die Teilnehmer in einem intensiven Arbeitsprogramm, an zwei Tagen Ideen und Vorschläge, wie sich der Ort aus ihrer Sicht verbessern könnte.

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Bürgergutachten wird der Gemeinde präsentiert

Die Ergebnisse fließen dann in das integrierte Mobilitäts- und Ortsentwicklungskonzept ein. Gestern Abend stellt Prof. Hilmar Sturm, im Namen der Teilnehmer, das Bürgergutachten den Gemeinderäten und der Öffentlichkeit vor.

Die Teilnehmer trafen sich am 22. und 23. April im Rathaus und arbeiteten insgesamt an acht Themenblöcken (Siedlungsentwicklung und Landschaft, Fußverkehr und Grünzüge, Radverkehr, Öffentlicher Verkehr, Kraftfahrzeug-Verkehr, Öffentlicher Raum, Ruhender Verkehr und Ortsteile). Zuerst informierten die Experten die Bürger umfassend über das jeweilige Thema, anschließend wurde in Fünfergruppen diskutiert und Ideen erarbeitet.

Gewichtung der Ideen durch Punktesystem

Nachdem die Ideen, Empfehlungen und Argumente dem Plenum präsentiert wurden, hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit, die bisher gemachten Vorschläge mit insgesamt fünf Klebepunkten zu bewerten. So wurde nach jedem Themenblock sofort sichtbar, welche Punkte den Bürgern besonders wichtig sind. Dr. Hilmar Sturm erklärt:

Für die Gesamtgewichtung haben wir aus jeder Gruppe die drei Ergebnisse mit den meisten Punkten aufgeschrieben und von den Teilnehmern nochmals bewerten lassen. Eigentlich wollten wir die Ergebnisse aufteilen – Ortszentrum und andere Ortsteile – doch die Teilnehmer meinten, wir bräuchten eine gesamtheitliche “Wir-Holzkirchner-Mentalität”. Das zu hören, freut jetzt bestimmt auch den Bürgermeister.

Schließlich ergab sich folgendes Ergebnis: An der Spitze – und somit der wichtigste Punkt für die Bürger – stand der Herdergarten. Er soll weitestgehend von parkenden Autos befreit und wieder grün werden. Vor allem ein Biergarten könnte ihn, nach Ansicht der Holzkirchner, beleben und zum Treffpunkt werden lassen. Dabei soll der Münchner Viktualienmarkt als Vorbild dienen.

An zweiter Stelle stehen die Umfahrungen. Der Großteil der Teilnehmer sieht einen Ausbau der B318 mit Großkreiseln bei der Kreuzstraße in Richtung Tegernsee und Bad Tölz als mögliche Alternative zur Südumfahrung. Um den Durchgangsverkehr einzudämmen, wünschen sich die Bürger eine verstärkte Umlenkung auf die Nordumfahrung.

Ortszentrum soll von Verkehr befreit werden

So zentral wie auf dem Ortsplan stehen in der Gesamtbewertung auch die Münchner Straße, Tegernseer und Tölzer Straße sowie der Marktplatz im Fokus. Die Bürger möchten hier mehr Raum für Fußgänger und Radler und weniger Verkehr durch Lastwägen. Vorstellen könnten sie sich auch eine Fußgängerzone oder Untertunnelung.

Des Weiteren kamen Anregungen zur Verbesserung des Fußverkehrs, wie zum Beispiel  Querungshilfen für Kinder an der Linden- und Buchenstraße zur Sprache und Vorschläge zur Verschönerung des Marktplatzes. Dieser soll, wie auch schon der Herdergarten, von Verkehr befreit werden.

Kogl als wichtiges Naherholungsgebiet

Beim Radverkehr ging es den Teilnehmern hautsächlich darum, an den Hauptverkehrsachsen wie der Münchner-, Rosenheimer-, und Tegernseer Straße ein sicheres Radeln zu ermöglichen. Relativ schwach bewerteten die Bürgergutachter überraschenderweise die Erhaltung von Naherholungsgebieten. Trotzdem war den Teilnehmern der Erhalt des Kogl sehr wichtig. Die Schlusslichter bilden in der Bewertung, die Schaffung von Parkplätzen und die Optimierung des Bus- und Bahnverkehrs.

Zum Abschluss der gestrigen Veranstaltung überreichten – stellvertretend für alle Teilnehmer – Victoria Nandico (15) und Gertraud Deller (82) dem Bürgermeister Olaf von Löwis das 48-Seiten lange Bürgergutachten. Für Deller, die seit 18 Jahren in Holzkirchen lebt, war vor allem der Biergarten am Herdergarten ein wichtiger Diskussionspunkt. Sie sieht zu wenig Grünanlagen in der Marktgemeinde. Der 15-jährigen Victoria waren indes die Fahrradwege an der Münchner Straße wichtig. Sie hat zum ersten Mal ein Bürgergutachten miterarbeitet:

Ich hatte mich im Vorfeld eher wenig mit der Ortsplanung befasst. Meine Mutter hat mir bisschen was drüber erzählt. Die zwei Tage waren aber wirklich spannend und sehr interessant. Es hat Spaß gemacht.

Die detaillierte Auflistung der einzelnen Vorschläge und das gesamte Bürgergutachten, können Sie hier einsehen.

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