Ein Kommentar zur Flüchtlingsfeindlichkeit in Waakirchen
Wos da Bauer ned kennt, mog a ned

von Nina Häußinger

Schämen muss man sich. Schämen für Mitbürger, die sich verhalten wie die letzten Hinterwäldler. Ganz nach dem Motto „Was der Bauer ned kennt, frisst er ned!“ Respekt, liebe „Waakirchner“ – da habt ihr euch wirklich mit Ruhm bekleckert. Ein Kommentar zur Flüchtlingsfeindlichkeit.

Seitdem hier Asylbewerber wohnen, gehen nur noch wenige im Waakirchner Kegelstüberl kegeln.
Seitdem hier Asylbewerber wohnen, gehen nur noch wenige im Waakirchner Kegelstüberl kegeln.

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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
NIEMAND!
Und wenn er kommt?
Dann laufen wir davon!

Ein Kommentar von Nina Häußinger
Eigentlich ein harmloses Kinderspiel, das sich aktuell in Waakirchen aber als harte Realität erweist. Ein Kegelstüberl – 20 Asylbewerber – ein Desaster. Seit die Flüchtlinge unter der Turnhalle in Waakirchen untergebracht sind, weigern sich zahlreiche Vereine, weiterhin dort ihre Kegelabende abzuhalten. Klingt wie ein schlechter Scherz? Das dachten wir auch.

Ausländerfeindlichkeit in Tourismusregion

Wer seid ihr? Ja, ihr, die denken, sie könnten sich ein Urteil bilden über die Menschen, die aus Kriegsgebieten und aus größter Not Schutz suchend nach Deutschland kommen? Menschen wie ihr und wir, wie du und ich.

Ja, diese Menschen sind größtenteils schwarz – so schwarz, wie wir weiß sind. Dass das Gerücht, dass diese Menschen mehr Krankheiten haben oder sonst irgendwelche unerkannten und höchst ansteckenden Viren mit sich herumschleppen, tatsächlich nur ein Gerücht ist, sollte mittlerweile auch im größten Hinterwäldler-Dorf angekommen sein. Sogar hier.

Böse Zungen, die immer wieder hinter vorgehaltener Hand über die „Ausländer“ lästern, sind nichts Neues. Man kann es den „Alteingesessenen“ ja fast nicht verübeln – sie kennen es halt nicht anders. Schwarz passt einfach nicht ins idyllische Weltbild. Ganz im Gegensatz zum geneigten Araber, der ja Geld hier lässt.

Armutszeugnis fürs Tal

Abgesehen von dieser Schizophrenie: Was glaubt ihr, was euch passiert, wenn ihr in einem Kegelstüberl sitzt, wo nebenan sieben schwarze Männer „wohnen“ oder besser gesagt „hausen“? Diese Männer sind nicht freiwillig in ein fremdes Land gekommen, wo sie die Sprache nicht beherrschen, keine Arbeit haben und allein die Reise sie schon ihr Leben hätte kosten können. Über die genauen Beweggründe dieser Menschen will ich hier gar nicht sprechen, die wagt nämlich keiner von uns Wohlstandsverwöhnten nur zu erahnen.

Da braucht’s bestimmt nicht auch noch so nette Bürger, die ihre Kegelabende absagen, weil sie den „Schwarzen Männern“ vielleicht auf dem Hof oder auf dem Gang über den Weg laufen könnten. Ganz im Gegenteil, da braucht es mehr Menschen wie den Bürgermeister Sepp Hartl und seine Frau. Die engagieren sich nämlich mit außergewöhnlicher Hilfsbereitschaft für die neuen Mitbürger. Ja – MITBÜRGER – nicht Aussätzige. Interessant ist auch das Verhalten derer ohne Vorurteile. Die Kinder der nahegelegenen Grundschule mögen die neuen Nachbarn. „Die lachen immer und spielen mit uns Fußball.“

Will sagen: liabe Leid, reissts eich ’zam. Ein bisschen mehr Weltoffenheit hat noch keinem geschadet. Und glaubt mir, weglaufen bringt in dem Fall ganz bestimmt nichts. Ladet die Jungs doch bei der nächsten Kegelrunde einfach zum Mitspielen ein. Allemal besser als ein lächerlicher Informationsabend unter dem Motto: „Wie schaffe ich alle Neune mit dem Flüchtling im Rücken?“

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