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Neuer Zweig Werken startet an der Realschule im Tal

„Zwei linke Hände“ – fehl am Platz!

Von Birgit Eichhorn

Seit diesem Schuljahr wird an der Realschule Gmund das Fach Werken angeboten. Ziel ist, dass die regionalen Handwerker wieder vermehrt vom Potenzial im Tal profitieren können. Doch natürlich geht es für die Beteiligten erst einmal um die Sache selbst: „Meine Werkstücke sind konservierte Lebenszeit.“

von links: Fortunat Fischbacher stellt Fragen. Ronja, Michaela, Yasmin und Verona zeigen  ihr theoretisches Wissen in Sachen "Ton" durch ihre Antworten.
von links: Fortunat Fischbacher stellt Fragen. Ronja, Michaela, Yasmin und Verona zeigen
ihr theoretisches Wissen in Sachen „Ton“ durch ihre Antworten.

Die Würfel sind gefallen: Zehn Mädchen und fünfzehn Jungen haben sich für das neue Wahlpflichtfach Werken entschieden. Ein bestimmter Notenschnitt war dafür nicht notwendig. Aber: „Wer zwei linke Hände hat, ist hier fehl am Platz“, sagt Fortunat Fischbacher, Fachlehrer für den Bereich Werken an der Realschule in Gmund.

Neben den bereits etablierten Zweigen Mathematik, Wirtschaft und Französisch kam an der Realschule Tegernseer Tal mit dem neuen Schuljahr auch Werken hinzu. Die Resonanz ist gut, 25 Schüler haben sich angemeldet, mit einem großen Anteil an Mädchen. Sie wollen künftig handwerklich-gestalterisch arbeiten.

Nicht jedes Stück gelingt beim ersten Mal

Fischbacher kennt die hohen Anforderungen im Fach Werken. So räumt er auch mit dem Vorurteil auf, Werken sei ein einfaches Fach. Weit gefehlt, denn die Prüfungen beinhalten hälftig Theorie und Praxis. „Und die Abschlussprüfung ist auch in Deutsch, Mathe und Englisch zu absolvieren“, sagt Fischbacher.

Schüler sollen im Zweig Werken ein tiefes theoretisches Verständnis für Materialien und deren Verarbeitung sowie die kulturhistorischen Hintergründe ihrer Verwendung erwerben. Noten gibt es natürlich auch: nach strengen Kriterien, die vorab mit den Schülern erarbeitet werden.

Dabei wird, je nach Jahrgangsstufe, mit Holz, Ton, Metall, Kunststoff und Papier gearbeitet. Spezifische Inhalte werden parallel in Technischem Zeichnen und Informationstechnologie vermittelt, so beispielsweise die Planung eines Werkstücks mit CAD-Software. Und gute Planung ist notwendig, denn nicht jedes Werkstück gelingt beim ersten Mal.

„Meine Stücke sind konservierte Lebenszeit“

Die Werkräume sind ausgestattet mit Handwerkzeugen wie Sägen, Feilen und Stemmeisen, aber auch Maschinen stehen den Schülern zur Verfügung. Volle Konzentration ist nötig im Umgang mit den anspruchsvollen Werkzeugen.

Im Gegensatz zu anderen Schulformen, wo überwiegend mit dem Kopf gearbeitet wird, können die Schüler hier handwerklich, gestalterisch lernen und ihr Bewegungsrepertoire erweitern. Tonfiguren wie eine Tasse erfordern feinmotorisches Geschick.

Die Kinder sehen, was sie gearbeitet haben. Sie sind stolz darauf und gewinnen an Selbstbewusstsein. Meine Werkstücke sind konservierte Lebenszeit. Sie sollen zu glücklichen Menschen werden. Ängste vor Ablehnung oder Versagen werden abgebaut. Jeder soll seine Nische finden.

Mit insgesamt sechs Gruppen hat der Unterricht in Werken begonnen. Und die Schüler haben schon ihre ersten Objekte gefertigt. Beispielsweise Jasmine aus der 7c tüftelt an einer Tontasse: „Mein Papa ist Schreiner und ich will auch was mit den Händen schaffen. Später möchte ich was mit Architektur oder Design machen, denn ich zeichne gerne.“

„Ich finde das sehr cool hier, alles ist neu, das habe ich noch nie gehabt“, sagt auch Benedikt aus der 8b. Er weiß noch nicht, was er später werden will. Er kam im vergangenen Schuljahr vom Gymnasium. Und hat sich sofort für Werken interessiert.

So sieht der Schlüsselanhänger von Benedict aus. Das wird ein Geschenk an den Vater.
So sieht der Schlüsselanhänger von Benedikt aus. Das wird ein Geschenk an den Vater.

Er feilt gerade hochkonzentriert mit Schmirgelpapier an seinem Schlüsselanhänger aus Aluminium. Er soll die Initialen SV tragen – die seines Vaters. Es wird ein Geschenk an ihn. „Es macht mir Spaß, mit den verschiedenen Materialien zu arbeiten und ich sehe, was ich kann“, sagt Benedikt.

Wer den Ausbildungszweig Werken an der Tegernseer Realschule abgeschlossen hat, dem stehen über 130 Ausbildungsberufe offen. Oder weitere Möglichkeiten über die technische Fachoberschule FOS. Die Berufsziele der Schüler dürften weitreichend sein. Fischbacher meint:

Die Handwerker sollten sich aus dem Nachwuchs des Zweiges Werken bedienen. Wenn die Kinder alle studieren, werden hier Chancen vergeben.

Ob das regionale Handwerk im Tal profitiert, wird sich zeigen, denn die Schüler haben ihre eigenen Berufsvorstellungen. Eines steht jedoch fest: Theorie und Praxis bilden im Profilfach Werken für die Schüler eine gute Verbindung.

Hier noch einige Eindrücke vom Unterricht:

Kugelvasen aus Ton für Gänseblümchen und Co.
Kugelvasen aus Ton für Gänseblümchen und Co.
Fischbacher erläutert den Schülern die heutigen Arbeitsschritte. Gearbeitet wird an einer Tontasse mit Tierchen.
Fischbacher erläutert den Schülern die heutigen Arbeitsschritte. Gearbeitet wird an einer Tontasse mit Tierchen.
Feinmotorische Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen verlangen die finalen Arbeiten an der Tasse. Schrittweise wird das Werkstück erstellt.
Feinmotorische Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen verlangen die finalen Arbeiten an der Tasse. Schrittweise wird das Werkstück erstellt.
von links: Michaela 7a, Ronja 7c und Yasmin 7c sind konzentriert bei der Arbeit.
von links: Michaela 7a, Ronja 7c und Yasmin 7c sind konzentriert bei der Arbeit.
Ausdauer und Geduld ist gefragt: Ronja setzt in ihre Tontasse eine Schildkröte, die sie filigran verziert.
Ausdauer und Geduld sind gefragt: Ronja setzt in ihre Tontasse eine Schildkröte, die sie filigran verziert.
Verena, aus der Klasse 7c, freut sich über ihren eben gefertigten Hund für ihre Tontasse.
Verena aus der Klasse 7c freut sich über ihren eben gefertigten Hund für ihre Tontasse.
Sparschweinchen und Vögel aus Ton aufgestellt zum Trocknen.
Sparschweinchen und Vögel aus Ton aufgestellt zum Trocknen.
Hannah aus der 10. Klasse formt im Wahlfach Werken ein Tier.
Hannah aus der 10. Klasse formt im Wahlfach Werken ein Tier.
Auch exotische Tieren haben im Brennofen platz: Elefanten und Drachen aus dem Werken-Unterricht.
Auch exotische Tiere haben im Brennofen Platz: Elefanten und Drachen aus dem Werkunterricht.
Benedikt aus der 8b arbeitet an seinem Schlüsselanhänger aus Aluminium mit den Initialen SV - denen seines Vaters.
Benedikt aus der 8b arbeitet an seinem Schlüsselanhänger aus Aluminium mit den Initialen SV – denen seines Vaters.
Die Werkräume sind gut ausgestattet mit Maschinen. An dieser schneidet Benedikt das Rohstück für seinen Schlüsselanhänger.
Die Werkräume sind gut ausgestattet mit Maschinen. An dieser schneidet Benedikt das Rohstück für seinen Schlüsselanhänger.
Fortunat Fischbacher zeigt uns die Arbeit an der Dekopiersäge -  diese ist für filigrane Schnitte geeignet.
Fortunat Fischbacher zeigt uns die Arbeit an der Dekopiersäge, die für filigrane Schnitte geeignet ist.
Die Gelenkpuppe, aus massiven Holz, mit beweglichen Gliedern hat Lehrer Fischbacher gefertigt. Wer ist da wohl Modell gestanden?
Die Gelenkpuppe aus massivem Holz mit beweglichen Gliedern hat Lehrer Fischbacher gefertigt. Wer hat dafür wohl Modell gestanden?
Werkstück Schlüsselanhänger von Benedikt, 8 b RTT Foto: F. Fischbacher
Werkstück Schlüsselanhänger von Benedikt, 8 b RTT
Foto: F. Fischbacher

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