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Zweites Leben für Lieblingsstücke

Von Nina Häußinger

Wir leben heute in einer Wegwerfgesellschaft, und das meist ganz selbstverständlich. Was kaputt ist oder nicht mehr dem neuesten Standard entspricht, wird weggeschmissen.

Aber ist das noch das Gleiche? Haben gewisse Gegenstände nicht auch einen Wert, der rein materiell nicht messbar ist? Wir haben Menschen gefunden, die „Lieblingsstücke“ erneuern oder sogar umwandeln.

Walter Ginhart im Tegernseer Auktionshaus

„Kunst ist der Weg, die Seele zu erfreuen …“, sagt Walter Ginhart gerne, wenn er über sein in Tegernsee beheimatetes Kunst- und Auktionshaus spricht. In der Regel nimmt er seinen Kunden alte, antike Objekte ab, um sie dann auf Auktionen an Liebhaber zu versteigern. Aber nicht nur das: „Häufig kommen Menschen mit dunklen, grauen Gemälden zu mir, auf denen man nicht mehr viel erkennen kann. Die reinige ich, und danach sind sie hell und schön.“

So macht Ginhart aus Objekten, die eigentlich nicht mehr zu gebrauchen sind, wieder etwas, an dem sich seine Kunden erfreuen können. Kunsthäuser sind Orte, an denen häufig Gegenstände die Chance auf ein zweites Leben als Lieblingsstück bekommen.

Großvater opfert wertvolle Münzen

Zum Thema „Lieblingsstücke“ hat Ginhart noch eine andere Geschichte zu erzählen. Einmal, so Ginhart, sei ein kleines Mädchen zu ihm in den Laden gekommen, vielleicht gerade mal acht Jahre alt. Hinter ihr Mama, Oma und Opa.

„Sie legte mir eine kleine Blechdose auf die Theke, auf der ein schwarzweißes Foto von einem Gehöft abgebildet war. In der Schachtel befanden sich fünf Goldmünzen. Das Mädchen wollte wissen, was diese wert sind. Ihr Opa erklärte mir, er hat in seiner Jugend diese Münzen im Heu auf genau diesem Hof gefunden, der auf der Schatulle abgebildet ist, und all die Jahre aufgehoben ‒ echte ,Lieblingsstücke῾ für ihn.“

Jetzt aber würde sich die Enkelin ein Klavier wünschen, und er möchte gerne die Münzen dafür weggeben. Die Münzen hatte Ginhart dann auf einer Auktion für 8.500 Euro versteigert. Und das Mädchen habe das heiß ersehnte Klavier bekommen. Eine Geschichte, die zeigt, dass man durch Lieblingsstücke auch anderen ein Lieblingsstück bescheren kann.

Alte Lederhosen werden zu iPad- und Handytaschen

Tradition und Hightech verbindet Sebastian Dürbeck, wenn er alte Lederhosen zu iPad- und Handytaschen umfunktioniert. Eine außergewöhnliche Idee, die traditionsbewussten Einheimischen durchaus gefallen könnte.

Eigentlich hat Dürbeck BWL und Marketing studiert, trotzdem ist er der Tradition des Tegernseer Tals immer treu geblieben. „Auf meine Heimat bin ich sehr stolz, und dadurch bin ich vor zwei Jahren auch auf die Idee gekommen, Hüllen für Handys und iPads aus alten Lederhosen zu machen.“ Um seine Idee zu verwirklichen, hat der Wiesseer eigens ein Label gegründet. Unter dem Namen Hirschfang kann man die individuellen Hüllen kaufen.

Bei der Fertigung der Taschen
Bei der Fertigung der Taschen

Steffi und Rosi Weinzierl fertigen jede dieser Taschen in Handarbeit an. Jedes Stück sei ein Unikat, da die Lederhosen unterschiedliche Farben haben und unterschiedlich alt sind, so Dürbeck. Durchschnittlich drei iPad- und zwei Handytaschen können aus einer Lederhose gemacht werden.

Die Hosen selber sucht Dürbeck übrigens ganz alleine auf Flohmärkten oder bei Einheimischen zusammen. Eine iPad-Tasche gibt es ab 299 Euro zu kaufen, eine Handyhülle ab 100 Euro. Kein günstiges Vergnügen, dafür ein Produkt voller Authentizität und Liebhaberpotenzial. Sebastian Dürbeck hat es mit seiner Idee geschafft, das Lieblingsstück der Bayern wiederzuverwerten und eine alte Lederhose so noch länger „haltbar“ zu machen, als sie eh schon ist.


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