Zweitwohnsitze als Flüchtlingsunterkünfte?

Wohnraum ist im Tegernseer Tal bekanntlich nicht nur teuer, sondern vor allem knapp. Das macht auch die Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine zu einer Herausforderung. In Bad Wiessee will man nun die Zweitwohnsitzler bitten, ihren Beitrag zu leisten.

Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge: Die Gemeinde Wiessee will Zweitwohnsitzler anschreiben.

Rund 135 Kriegsflüchtlinge sind inzwischen in der Gemeinde Bad Wiessee untergekommen. Sehr pro-aktiv hatte Bürgermeister Robert Kühn (SPD) Menschen aus der Ukraine Unterkünfte angeboten. Viele Privatpersonen halfen und helfen. Sie spenden, öffnen ihre Wohnungen. Doch die Unterbringung wird zu einer immer größeren Herausforderung.

Zuflucht fanden die Flüchtlinge unter anderem im Hotel „Seegarten“ an der Seepromenade. Als Unterkünfte hinzugekommen sind inzwischen auch das Josefsheim im Löblweg und der Abwinkler Hof. Im Josefsheim leben auf Vermittlung des Vereins ‚Kinderlachen‘ derzeit 19 Mütter mit ihren Kindern. Im Abwinkler Hof sind Flüchtlinge untergekommen, die aufgrund der Osterferien aus einigen Ferienwohnungen ausziehen mussten.

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Bereits das Landratsamt Miesbach kündigte vergangene Woche an, dass sich das Problem der Unterbringung von Flüchtlingen weiter verschärfen werde, sobald Ferienwohnungen saisonbedingt wieder für Urlauber gebraucht werden.

Zweitwohnsitzler anschreiben

Das heißt: Jetzt kommt Ostern. Es wird eng. Kühn gerät unter Druck. Das Landratsamt kommt mit Unterkünften nicht hinterher. Werden die von ihm so großzügig aufgenommenen Flüchtlinge, darunter auch unbegleitete Jugendliche, auf der Straße stehen?

Genau das will man vermeiden und besinnt sich auf eine oft gescholtene Gruppe mit Wohnraum im Tal: Im Vorfeld der letzten Wiesseer Gemeinderatssitzung hatten sich die SPD-Vertreter aller Seegemeinden getroffen und sich auf einen Vorschlag geeinigt: Die Gemeindeverwaltungen rund um den Tegernsee sollen Zweitwohnsitzler mit der Bitte anschreiben, ihre nicht genutzten Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

In Wiessee selbst gibt es derzeit rund 700 Zweitwohnungen. Etwa 13 Prozent der Bewohner sind Zweitwohnungsbesitzer. Laut Bürgermeister Kühn sei aus terminlichen Gründen kein offizieller Antrag möglich gewesen. Etwas unbeholfen bat er seinen Gemeinderat in der Sitzung, durch Klopfen ihre Zustimmung für dieses Vorgehen zu signalisieren. Diesem Wunsch kam das Gremium nach.

Niemand wird gezwungen

Für Florian Sareiter von der CSU war das dennoch alles etwas sehr improvisiert. Man könne ja gern anschreiben, aber für die Zukunft wünsche er sich eine „Ansage von oben“, also klare Vorgaben und finanzielle Unterstützung durch die Regierung von Oberbayern und der Staatsregierung.

Ob nun die Zweitwohnsitzler mit dem Wegfall der Zweitwohnungssteuer bei Aufnahme von Flüchtlingen rechnen können, wurde nicht diskutiert. Nur Nicken oder Klopfen… Dabei betonte Kühn, dass kein Zweitwohnungsbesitzer zu etwas gezwungen werde. „Eigentum bleibt Eigentum – aber die Leute sollen ins Nachdenken kommen.“

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