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Nach der drastischen Erhöhung der Parkgebühren in Wiessee

10 Euro Tagesticket – Sinn oder Wahnsinn?

Von Maxi Hartberger

Bad Wiessee erhöht die Parkgebühren – teilweise um rund 150 Prozent. Der allgemeine Tenor: Wahnsinn! Doch bedeuten die hohen Kosten für Wanderer und Co. wirklich weniger Verkehr? Was sagt die TTT dazu? Und wie gehen andere Tal-Gemeinden damit um?

Vom 1. Mai bis 31. August kostet das Tagesticket hier in Abwinkl zehn Euro.

In der vergangenen Gemeinderatssitzung ließ die Wiesseer Gemeindeverwaltung die Katze aus dem Sack. Ab 1. März sollen die Parkgebühren drastisch erhöht werden. Die neue Verordnung teilt den Ort in vier Parkzonen: Ortsmitte, Kurviertel, Abwinkl und Wanderparkplätze. Ein Tagesticket kostet dann zwischen acht und zehn Euro. Obwohl die CSU-Fraktion erhebliche Bedenken äußerte, entschied sich der Gemeinderat für die drastische Erhöhung der Parkgebühren.

Kausch befürchtet keine Folgen für den Tourismus

Der Grund für die neue Verordnung? Der Individualverkehr soll reduziert und Autofahrer zum Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel animiert werden. Doch diese Begründung kam nicht bei allen so gut an. Mit Kommentaren wie „Die Wiesseer haben sie doch nicht mehr alle“ oder „Die Wiesseer schießen mit ihrer Einfallslosigkeit mal wieder den Vogel ab“ ließen Bürger in der letzten Woche Frust ab. Einige fürchten, dass die Erhöhung der Parkgebühren nicht nur Einheimischen an den Kragen geht, sondern auch Touristen abgeschreckt und so die Geschäfte darunter leiden werden.

Die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) hat diesbezüglich jedoch keine Sorgen: „Ich glaube nicht, dass diese Entwicklung Einfluss auf den Tagestourismus im Tal haben wird“, erklärt Geschäftsführer Christian Kausch auf Nachfrage. Auch habe die TTT bisher kein negatives Feedback von Gastgebern und Gastronomen bekommen. „Die Entscheidung der Gemeinde ist ein Schritt in die richtige Richtung“, ist sich Kausch sicher. So ganz überzeugt von der eigentlichen Zielsetzung dieser neuen Gebühren, nämlich die Entlastung der Straßen, ist er allerdings nicht:

Ich glaube nicht, dass es spürbar weniger Verkehr dadurch geben wird.

Für ihn zähle dennoch jeder, „der zumindest darüber nachdenkt, ob er jeden Weg mit dem Auto zurücklegen muss.“ Obwohl immer wieder Vorwürfe laut werden, die Bus- und Bahnverbindung im Tal sei eher dürftig, hält Kausch das ÖPNV Angebot für gut. Er gibt aber zu: „Wir haben in den letzten Jahren aber gesehen, dass das allein nicht ausreicht. Es müssen auch Anreize geschaffen werden, dass diese auch genutzt werden.“

TTT wünscht sich überall gleich hohe Parkgebühren

Ob ein Tagesticket in Höhe von zehn Euro den ein oder anderen dazu ‚animieren‘ könnte, auf den Bus umzusteigen, wird sich ab dem 1. März zeigen. Bis dahin hofft Kausch vor allem, dass die anderen Gemeinden mitziehen. „Die TTT berät und vermittelt bereits seit Jahren bei diesem Thema zwischen den Gemeinden.“ Laut Kausch sei es absolut wichtig, dass es ein einheitliches Kostenkonzept im Tal gebe. „Deshalb hoffe ich, dass die anderen Talgemeinden zeitnah nachziehen, damit es kein Ungleichgewicht gibt.“

Florian Ruml, Geschäftsleiter der Gemeine Gmund, betont diesbezüglich: „Derzeit ist nicht beabsichtigt, am Umfang der Gebührenpflicht oder an der Höhe der Gebühren etwas zu ändern.“ Wo und in welcher Höhe Parkgebühren verlangt werden, regele jede Kommune für sich. Deshalb schließt Ruml auch Kauschs Wunsch nach einem einheitlichen Kostenkonzept aus: „Wegen der individuellen Situationen in den Gemeinden, teilweise auch in den unterschiedlichen Ortsteilen, halten wir eine talweite einheitliche Gebührenregelung nicht für erforderlich.“

Maximal drei Euro Parkgebühren in Gmund

In Gmund werden derzeit auf drei großen Parkplätzen Gebühren verlangt – auf den sogenannten Freizeitstellplätzen in Gasse, Seeglas und nahe Kaltenbrunn/Parksiedlung. Eine Stunde kann man dort kostenlos parken, bis zu drei Stunden kosten dann zwei Euro und für über drei Stunden werden drei Euro fällig. Auch bietet die Gemeinde Saison- und Jahresparkausweise an: „Die Gebühr beispielsweise für einen Saisonparkausweis beträgt pro Wander- und Freizeitparkplatz 48,00 €, für alle drei Parkplätze 96,00 €.“ Dieser gilt dann im Sommer vom 1.5.-31.10. und im Winter vom 1.11.-30.4.

Alle anderen Parkplätze und das Parken am Straßenrand sind in Gmund immer noch kostenlos. „Eine Gemeinde berücksichtigt dabei den individuellen Parkdruck, im Sinne von ‚Angebot-Nachfrage‘ und einer entsprechenden Steuerung, zum Beispiel auch über eine zulässige Höchstparkdauer.“ Diese Gegebenheiten können laut Ruml in den Gemeinden und einzelnen Gebieten durchaus sehr unterschiedlich sein. „Auch die Gemeinde Bad Wiessee hat im Rahmen der ihr zustehenden Rechte für ihr Gemeindegebiet entsprechende Entscheidungen getroffen. Es steht uns nicht zu, diese getroffene Entscheidung zu bewerten.“ Nachziehen will man in nächster Zeit aber nicht.

In Kreuth zahlen bisher nur die Wanderer

Ähnlich sieht es in der Gemeinde Kreuth aus. Auch hier sind die Parkgebühren vergleichsweise noch moderat. „Bei uns auf den Wanderparkplätzen fällt derzeit eine Gebühr von zwei Euro für Parkzeiten bis zu drei Stunden und drei Euro für Parkzeiten über drei Stunden an“, erklärt Bürgermeister Josef Bierschnieder. Eine talweite Lösung halte Bierschneider ebenfalls für schwierig, da in jeder Gemeinde eine andere Situation vorherrsche.

Während bei anderen Gemeinden zum Beispiel Parkplätze im Ortszentrum zum Teil Mangelware sind, haben wir bei uns in Kreuth keine diesbezüglichen Probleme und daher würde es keinen Sinn machen, Parkplätze im Ortszentrum zu bewirtschaften.

Bis auf die Wanderparkplätze sind in Kreuth deshalb die anderen Stellplätze kostenlos. Auch hält sich Bierschneider vorsichtig zurück, eine ähnliche Kostenerhöhung wie sie in Bad Wiessee geplant ist, anzustreben: „Derzeit gibt es bei uns keine konkreten Planungen, die Parkgebühren zu erhöhen.“ Ganz ausgeschlossen ist es allerdings nicht. Die Gemeinde habe nämlich vor Kurzem den Auftrag zur Erstellung eines Verkehrskonzepts erteilt, das im Rahmen der Bergsteigerdorf-Erhebung vom Umweltministerium gefördert wird.

Kreuth will’s erst prüfen

Im Rahmen dieses Verkehrskonzepts soll laut Bierschneider neben vielen anderen Fragen auch die Frage untersucht werden, „ob beziehungsweise wie man durch eine Erhöhung der Parkgebühren eine Lenkung des Individualverkehrs oder eine Verlagerung auf den ÖPNV – Stichwort Bergsteigerbus – erreichen kann beziehungsweise welche begleitenden Maßnahmen dazu noch notwendig sind.“ Erst wenn das Ergebnis dieses Verkehrskonzepts vorliegt, werde sich die Gemeinde Kreuth mit der Thematik einer Parkgebührenerhöhung beschäftigen.

Während Kreuth den Sinn einer Erhöhung der Parkgebühren derzeit erst prüfen lässt, geht Bad Wiessee ab 1. März in den ‚Selbstversuch‘. Wo das Parken dann wie viel genau kostet, können Sie hier nochmal nachlesen.

Zum Vergleich:

In der Marktgemeinde Prien am Chiemsee sind die Parkplätze in Zonen aufgeteilt.

  • In Zone I beträgt die Höchstparkdauer zwei Stunden. 20 Minuten kosten 0,50 Euro.
  • In Zone II kosten die ersten 30 Minuten ebenfalls 0,50 Euro, danach alle sechs Minuten 0,10 Euro.
  • In Parkzone III ist es erlaubt, den ganzen Tag zu parken. Jede angefangene Stunde kostet dort 0,50 Euro.

In der Innenstadt von Starnberg darf insgesamt zwei Stunden geparkt werden. Die Preise staffeln sich dort wie folgt:

  • Bis 15 Minuten = 0,20 Euro.
  • Bis 30 Min. = 0,50 Euro.
  • Bis 60 Min. = 1,00 Euro.
  • Bis 120 Min. = 2,00 Euro.

Beispielsweise am Landratsamt oder am Seebad in Starnberg darf den ganzen Tag geparkt werden. Dort ist die erste Stunde kostenlos, jede weitere Stunde kostet dann einen Euro.

 


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