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Neues im Rottacher Betrugsfall Uckermann

Bis zu 3.000 gefoppte Anleger

Am 13. August wurde der Rennfahrer Daniel Uckermann endgültig ausgebremst. Als mutmaßlicher Betrüger soll der Rottacher 42 Millionen Euro veruntreut haben. Nun äußert sich erstmals die Staatsanwaltschaft.

Die ehemalige Autosammlung des “schnellen Daniel” vor dessen Villa in Rottach-Egern.

Wie sich die Bilder gleichen. Schnelle Autos, schöne Frauen und Luxusvillen vom Feinsten. In Frankfurt endete in dieser Woche einer der spektakulärsten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte mit langjährigen Haftstrafen. 11.000 Geprellte hatten den Betrügern der Immobilienfirma S&K rund 240 Millionen Euro für dubiose Anlageprodukte überlassen.

Doch das Geld ist bei S&K weg, genau wie bei den Münchner Firmen Power Recovery Systems GmbH und Premium Safe Ltd.&Co. Verwaltungs KG. Mit ihnen baute der Rottacher Daniel Uckermann ein Schneeballsystem auf. Viele gutgläubige Anleger vertrauten dem „schnellen Daniel“, wie Uckermann in Rennfahrerkreisen genannt wurde, ihr Geld an. Gelockt hatte er sie mit einer jährlichen Rendite von gut 40 Prozent auf die Einlagen.

42 Millionen Euro verzockt

Er versprach „in verschiedene lukrative Märkte und Produkte, in verschiedene Finanzinstrumente sowie Edelmetalle“ zu investieren. Im Herbst 2015 flog der Schwindel auf, die Träume vom großen Geld platzen, für beide Seiten. Der GT4-Serie-Fahrer tauchte unter. Doch nach einem dreiviertel Jahr der Flucht war die Reise in Innsbruck zu Ende. Dort wurde der mit Internationalem Haftbefehl Gesuchte aus Italien kommend geschnappt.

Statt mit einem standesgemäßen Maserati wurde er in einem handelsüblichen Polizeifahrzeug nach München überstellt, wie Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl damals gegenüber “Tegernseer Stimme” erklärte. Uckermanns neue Anschrift ist die Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Und sie wird es vorerst auch bleiben, wie Bäumler-Hösl, Pressesprecherin für Wirtschaftsdelikte, nun auf Nachfrage bestätigt.

Mittlerweile ist die Befragung der Anleger weitgehend abgeschlossen. Deren Auswertung dauert allerdings noch an. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft derzeit von einem Schaden von ca. 42 Millionen Euro bei ca. 3.000 Anlegern aus. Zur Beschleunigung des Ermittlungsverfahrens wurde eine Beschränkung der Befragung auf Anleger mit einem Investitionsvolumen ab 20.000 Euro bestimmt, was ca. 70 Prozent des gesamten Anlagevolumens entspricht.

Aufgrund dessen habe die Staatsanwaltschaft München I rund 620 Anleger ermittelt, “die zur Frage des Vertragsschlusses und einer etwaigen Täuschung befragt wurden“. Über den Zeitpunkt des Abschlusses der Ermittlungen könne derzeit noch keine Prognose abgegeben werden, so die Staatsanwältin.

„Das letzte Hemd hat keine Taschen“

Nach Informationen der Tegernseer Stimme soll unter den Opfern auch ein Anleger sein, der Uckermann 200.000 Euro anvertraute. Doch die sind genauso weg, wie die 42 Millionen Euro – die Konten der Premium Safe leergeräumt. Nennenswertes Vermögen konnte nicht ermittelt werden, erklärte der Münchner Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Oliver Schartl schon im vergangenen Jahr gegenüber der Tegernseer Stimme. Denn es seien auch mehrere Millionen als Provisionszahlungen an Anlegervermittler geflossen.

So soll Uckermann auch im Garten seines Rottacher Anwesens bündelweise Bargeld vergraben haben. Er wohnte dort mit seiner rumänischen Frau, der Erotik-Tänzerin einer Table-Dance-Bar. In der 200 Quadratmeter großen Villa in bester Lage hatte er immer den Wallberg-Blick. Jetzt blickt Uckermann auf Gitterstäbe.

Der Richter in Frankfurt mahnte im Betrugsverfahren S&K die Angeklagten, „nicht alles im Leben auf Statussymbole zu setzen. Das letzte Hemd hat keine Taschen, sonst wäre die Gier der Menschen ja noch größer“. Auch für Uckermann kam diese Warnung zu spät.


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