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Naturkäserei eröffnet in Rottach-Egern

5.000 Käselaibe im Reifekeller

Über eine halbe Million Euro haben Rottach-Egern und die Naturkäserei Tegernseer Land in eine neue Lagerstätte für 5.000 Käselaibe investiert. Angesichts solcher Kosten müssen die 1.600 Genossenschaftsmitglieder weiterhin auf eine Dividende warten.

Von links: Käserei-Chef Hans Leo, 2. Bürgermeister Josef Lang, Betriebsleiter
Franz Stuffer und Daniel Merone vom Rottacher Bauamt.

Seit fast sechs Jahren vom Käserei-Chef Hans Leo ersehnt, kann der unterirdische Reifekeller in zwei Wochen in Betrieb genommen werden. Am gestrigen Samstag war offizielle Besichtigung in Rottach-Egern.

Über eine Rampe geht es in das Untergeschoß der einstigen Gsotthaber Stubn. Dort, wo früher die Kegelbahn war, sind nun auf 400 Quadratmeter Hygieneschleusen, Technik- und Waschräume, Umkleiden und das Herzstück: der vollklimatisierte Reifekeller für bis zu 5.000 „Bergkas Laibe“, mit einem Volumen von 65 Tonnen.

Damit sei die Kegelbahn einer „vernünftigen Lösung“ zugeführt worden, betonte Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) beim Rundgang. Und die Gemeinde sei froh, dass sie mit der „Naturkäserei TegernseerLand einen soliden Mieter gefunden hat“.

Über eine halbe Million Euro Gesamtkosten

Doch der Weg dorthin war nicht einfach, „er war steinig“, so Lang. Die „Kaserei“ und Rottach-Egern erinnere ihn an das Volkslied „Der Weg zu meinem Dirndl is stoani, drum geh i am liabstn alloani“. Aber nun würde es „schon passen“. Es sei ein Glücksfall, dass der Betrieb sehr gut mit dem Umfeld Café Gäuwagerl, Kutschenmuseum und neuem Voitlhof harmoniere.

Dafür habe Rottach aber auch mit etwa 250.000 Euro einen „schönen Batzen Geld“ in die Hand nehmen müssen. Nach einigen Rückschlägen kann die Gemeinde den Keller nun in einem ordnungsgemäßen Zustand verpachten. Zuvor musste noch eine „ziemlich windige Bodenplatte“ ausgetauscht und beim Brandschutz nachgerüstet werden.

Bis zu 5.000 “Bergkäs”-Laibe können hier reifen.

Die Naturkäserei investierte weitere 300.000 Euro, die man erst „einmal stemmen“ müsse, um aus dem Rohbau einen modernen Reifekeller zu machen. Diesen benötige man schon seit etwa sechs Jahren, wie Leo den interessierten Besuchern erklärte. Im Gespräch seien einst etliche Standorte gewesen, wie der ehemalige Malzkeller der Brauerei Graf Arco in Valley, aber auch für Gmund, Bad Wiessee und Kreuth gab es Überlegungen, wie Leo betonte:

Gescheitert sind diese an den geschätzten Kosten und teils an den Wegstrecken. Wir sind froh, dass wir in der Nachbargemeinde einen nahen Standort gefunden haben.

Dabei gab es offenbar laut Leo zunächst bürokratische Hürden: „Die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes ist heute viel schwieriger als ein Neubau auf der grünen Wiese“.

Statt Dividende Naturalien

Etwa Mitte des Monats werde der Reifekeller nach einer Abnahme durch das Veterinäramt in Betrieb genommen. Wie dringend gereifter Bergkäse benötigt werde, verdeutlichte Leo an einem Beispiel: „Gestern waren noch sechs Laibe im Laden, heute ist keiner mehr da“. Er hoffe, „dass wir unseren Landwirten weiterhin ein gutes Milchgeld zahlen können und unseren Genossenschaftsmitgliedern irgendwann eine Dividende“.

Er wäre allerdings Hellseher, wenn er dafür schon einen Zeitpunkt nennen könne, so Leo auf Nachfrage mit Blick auf die nächste Generalversammlung am 23. Juni. Noch müssten sich die inzwischen 1.600 Mitglieder mit ermäßigten Naturalien von zehn Prozent beim Einkauf in der Naturkäserei begnügen. Da käme für seinen Betrieb auch ein „stattlicher Betrag“ zustande, auf den man „verzichte“. Eine Ausschüttung erfolge erst, wenn „der Verlustvortrag abgebaut ist“.

Zahlreiche Besucher nutzten die Führungen durch den Reifekeller.

„Die knapp 5.000 Käselaibe im Reifekeller werden mit Salzwasser abgerieben und geschmiert“, erklärte Betriebsleiter Franz Stuffer bei der Besichtigung. Bei einem frischen Laib geschehe dies täglich, bei einem alten Käse von bis zu einem Jahr einmal in der Woche. Da sei mit der Hand bei einem Gewicht von 13 Kilogramm pro Laib schon viel zu leisten, räumte Stuffer ein.

Der Lagerraum sei aber bereits so konzipiert, dass später einmal ein „Schmierroboter“ diese eintönige Arbeit übernehmen könne. Verpackung und die Kommissionierung erfolgen weiterhin im rund zweieinhalb Kilometer entfernten Stammhaus am Reißenbichlweg. Mit dem neuen Reifekeller werde die Lagerkapazität mehr als verdoppelt, auf nun insgesamt 9.000 Laibe. Da wäre dann auch noch Platz für eine neue Käsekreation, an die Stuffer denkt – einen Tegernseer Parmesan.


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