Die Überbleibsel von Brommes Psallierchor-Abenteuer

64 Bücher als kulturelles Erbe

2010 hatte die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee auf Geheiß des damaligen Vorstands Georg Bromme für das Nutzungsrecht des Psallierchors und dessen 11.600 Bücher insgesamt 1,75 Millionen Euro bezahlt.

Aus Sicht von Bromme haben alle Bücher eine hohe kulturelle Bedeutung für das Tal. Das Amt für Denkmalpflege widerspricht. Jetzt könnte das Tegernseer Tal Museum die wenigen relevanten Bücher bekommen.

Nur 64 der insgesamt 11600 Bücher des Psallierchors haben Klosterbezug
Nur 64 der insgesamt 11.600 Bücher des Psallierchors haben Klosterbezug.

Mit dem Erwerb des Psallierchors wollte er sich ein Denkmal setzen: Georg Bromme, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Vier Jahre später ist nichts davon geblieben. Das Geld für das Nutzungsrecht des Psallierchors ist weg, die über 11.600 Bücher der ehemaligen Klosterbibliothek auch. Mühsam versucht die Sparkasse nun, die Bücher, die Bromme einst 150.000 Euro wert waren, mit Hilfe eines Auktionshauses in Berlin zu versilbern.

Nicht alle Bücher werden versteigert

Versteigert werden aber nicht alle antiquarischen Bände. Einige Bücher kamen inzwischen zurück an den Tegernsee, in das Tal-Museum. Während die überwiegende Zahl der 11.600 Bücher weder einen Bezug zum ehemaligen Kloster und jetzigen Schloss, noch zur ehemaligen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche erkennen lässt, wie das Landesamt für Denkmalpflege kürzlich feststellte, haben 64 Bücher einen eindeutigen Klosterbezug. Zu diesem Urteil kommt nun Hans-Herbert Perlinger, der Vorsitzende des Altertums-Gauvereins Tegernsee als Träger des Museums Tegernseer Tal.

Zusammen mit dem Historiker Roland Götz sichtete Perlinger die Bestände: Sie haben die Bücher von der Kreissparkasse zur Ansicht erhalten und alle mit Klosterbezug aufgelistet. Perlinger, ehemals Direktor des Tegernseer Gymnasiums, glaubt zu erkennen, dass die Bücher teilweise auch ein Pater besessen haben könnte, um sie für die Ausbildung im Kloster zu nutzen. Einige Werke hätten auf dem Rücken das Seelaub, andere einen Stempel der Klosterbibliothek. Die Erscheinungsspanne reicht von 1580 bis etwa 1780.

Sponsor soll Bücher für das Museum erwerben

„Wir haben uns auch kundig gemacht, was einzelne Bücher im Antiquariat kosten würden. Da gibt es eine große Spanne“, erzählt Perlinger. Sie reicht von 20 bis 380 Euro. Im Schnitt wären dies etwa 80 Euro. So dass diese 64 Bücher zusammen in etwa 5.000 Euro kosten könnten. Noch wisse man nicht, ob die Sparkasse diese Bücher dem Museum als Schenkung überlasse. Zunächst habe man die Kreissparkasse informiert, welche Bücher zu welchem Preis antiquarisch gehandelt würden, so Perlinger weiter.

Jetzt wartet der Altertums-Gauverein auf ein Angebot von der Sparkasse und auf eine Aussage darüber, wie viel ihr die Bücher Wert sind. „Wenn wir uns auf diese Summe von 5.000 Euro einigen könnten, hätten wir einen Sponsor in der Hinterhand, der für diesen Preis die Bücher wahrscheinlich kaufen und dem Museum übereignen würde“, betont Perlinger.

Für rund 5000 Euro würde ein Sponsor die 64 Bücher kaufen und an das Tegernseer Tal Museum übergeben
Für rund 5.000 Euro würde ein Sponsor die 64 Bücher kaufen und an das Tegernseer Tal Museum übergeben.

Den Namen des Mäzens kennt Perlinger nicht, er glaubt aber, dass der Sponsor im Tegernseer Tal lebt. Der Name wird erst publik, wenn die Sache spruchreif wird. „Dessen Mittelsmann nahm mit uns Kontakt auf“, sagt Hans-Herbert Perlinger, „auch kürzlich fragte er wieder nach dem Stand der Dinge. Wir vertrauen darauf, dass der Erwerb der Bücher für das Museum positiv über die Bühne gehen wird.“

Die Kreissparkasse hält sich auf Anfrage derweil noch bedeckt. Nur so viel lässt Pressesprecher Peter Friedrich Sieben durchblicken: „Das ist ein wichtiges Thema und wir werden eine Pressemitteilung dazu herausgeben, wenn wir mit dem Altertumsgauverband einig sind“.

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