Giesecke&Devrient wendet Insolvenz ab
80 Arbeitsplätze in Gefahr

von Nicole Kleim

Ab Sommer gibt es auf dem Gelände der Papierfabrik Louisenthal keine Kartenproduktion mehr. Giesecke&Devrient versucht jetzt, 80 Arbeitsplätze zu retten.

Ab Sommer wird die Chipkarten-Produktion auf dem Gelände der Papierfabrik Louisenthal von Giesecke&Devrient eingestellt.

Seit Anfang der 90er Jahre ist die Gesellschaft Electronic Payment Cards (EPC) auf dem Gelände der Papierfabrik Louisenthal ansässig. Die EPC ist ein Joint Venture des Deutschen Sparkassenverlags (DSV) und der Firma Giesecke&Devrient, die für ihre Herstellung von Banknoten bekannt ist. Der DSV ist mit 51 Prozent Anteilen Mehrheitseigner der EPC. Jahrelang ließ er von der EPC Chipkarten für den Eigenbedarf produzieren.

Nach über 20 Jahren hat sich der DSV jetzt entschieden, die Chipkarten ab Sommer nicht mehr selbst zu produzieren, sondern an andere Unternehmen zu vergeben. Das hat zur Folge, dass die EPC ihre Geschäftsgrundlage verliert, wie G&D-Pressesprecherin Sourour Stanke erklärt. Und das wiederum bedeutet, dass die rund 80 Beschäftigten entlassen werden müssten. Um das zu verhindern, hat G&D die Gesellschaft nun übernommen, um den Betrieb vernünftig und sozialverträglich zu schließen.

Verantwortung für Mitarbeiter

Man sehe sich als Familienunternehmen mit einer besonderen Verbindung zum Standort Gmund und in der Verantwortung für die Mitarbeiter, so Stanke. Deshalb wolle man so vielen Mitarbeitern wie möglich einen Arbeitsplatz bei G&D anbieten. Dafür werde man prüfen, inwieweit der fachliche Background der Mitarbeiter zu den offenen Stellen passe.

G&D habe zwar versucht, die EPC-Kartenproduktion zu halten, aber letztendlich lag die Entscheidung beim DSV, sagt Stanke. G&D produzierte die Chipkarten einst selbst, bis die Produktion vor neun Jahren in die Slowakei verlegt wurde. Die seit 1878 existierende Papierfabrik Louisenthal wurde 1964 von G&D gekauft.

Die eingestampften Arbeitsplätze in diesem Bereich konnte das Unternehmen durch das neu hinzugekommene Geschäftsfeld „Folien“ ausgleichen. Bis 2013 baute Louisenthal seine Folienproduktion kontinuierlich aus. In den vergangenen elf Jahren hat sich die Kapazität nahezu verdreifacht, auf eine Jahresmenge von 20 Millionen Quadratmetern. Heute gehört Louisenthal zu den weltweiten Technologieführern für folienbasierte Sicherheitselemente.

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 750 Mitarbeiter am Standort Gmund. „Es läuft wirtschaftlich gut“, sagt Stanke. Einen Sparkurs fahre das Unternehmen G&D wegen der Schließung der EPC nicht. Diese habe absolut nichts mit G&D zu tun.


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