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Wieder einmal muss in Rottach-Egern ein alter Bauernhof weichen

Abriss statt Erhalt

Nun schaffen Bagger im Wolfsgrub 48 Tatsachen: Ein alter Hof kommt weg. Dafür soll ein großzügiger Hof-Neubau mit Swimmingpool und Tiefgarage entstehen. Seit ein paar Tagen wird der „Fichtnerhof“ entkernt, der ursprünglich „beim Hofer“ hieß. Und wieder muss in Rottach ein Bauerhof weichen.

Wieder muss in Rottach ein alter Bauernhof einem modernen Wohnhaus weichen
Wieder muss in Rottach ein alter Bauernhof einem modernen Wohnhaus weichen.

Gekauft haben soll den Hof Georg Bromme für 2,5 Millionen Euro für die Kreissparkasse Miesbach. Deren Immobilienabteilung veräußerte den Hof an die Immobilienfirma Tegernseer Grund. Diese Umbaupläne seien 2012 genehmigt worden, so das Rottacher Bauamt, da es sich nicht um einen denkmalgeschützten Hof handele. Der jetzige Bauherr habe den Hof 2014 erworben und stamme aus Rottach-Egern.

Ein Trauerspiel sei es, was jetzt hier passiere, ist aus der näheren Umgebung der Baustelle zu hören. „Er stand zwei Jahre leer“, sagt ein Nachbar, der nicht genannt werden will, „wir hatten intensiv versucht, in unserem Freundeskreis jemanden zu finden, der diesen schönen Ort übernimmt und in seiner Gestalt belässt. Aber leider Gottes sind die Verkaufspreise für solche Objekte so exorbitant, dass in unseren Kreisen niemand zu finden war. Nun ist er verkauft und wird abgerissen. Ein Jammer.“

Besichtigungen mit Bromme

Ein anderer Anrainer weiß etwas mehr über das umfangreiche Bauvorhaben. Den Hof soll eine Erbengemeinschaft vor etwa drei Jahren für 2,5 Millionen Euro an die Kreissparkasse verkauft haben. Dass die Sparkasse mit im Spiel war, wisse er deshalb, weil er Georg Bromme hier öfter gesehen habe, wie dieser Kaufinteressenten durch den Hof geführt habe.

Er wisse auch, dass der alte Hof zwar abgerissen werden dürfe, aber wieder ein neuer Hof entstehen müsse. Dieser aber werde nach hinten auf dem Grundstück versetzt. Vorne entstehe ein Hausmeisterhäuschen und ein Swimmingpool mit einer Größe von 20 mal 30 Metern. Die doppelte Fläche wie bisher werde unterkellert.

Abbruch, weil Hof nicht sanierungsfähig war?

Christine Obermüller vom Bauamt in Rottach-Egeren bestätigt auf Anfrage, dass die Immobilie seit vergangenem Jahr einem Privatmann aus dem Ort gehöre. „Das Bauvorhaben mit Abbruch und Neubau ist seit 2012 genehmigt“, so Obermüller, „der neue Eigentümer hat einen weiteren Antrag gestellt, weil er Details nach einem Wechsel des Architekten anders gestaltet haben wollte. Aber dies ist im Rahmen der Baugenehmigung.“ Am alten Hof sei schon öfter angebaut worden, mal ein Erker, mal an der Traufe ein Umbau. Eigentlich sei dies untypisch für einen oberbayerischen Bauernhof.

Die früheren Eigentümer hätten den Hof an die Kreissparkasse verkauft. Diese veräußerte den historischen Weiler an die Immobilienfirma Tegernseer Grund, wie deren Sprecher Rainer Leidecker der Tegernseer Stimme erklärt: „Wir hätten das Objekt gerne saniert. Es ist aber nicht sanierungsfähig, da dort Schimmel und Wasser im Gebäude sind.“ Dort entstünde wieder ein Bauernhaus. „Das Haus ist in Privatbesitz“, so Leidecker, „die Baumaßnahme wird über uns gesteuert.“

Schutzgemeinschaft sieht Kulturerbe in Gefahr

Wind bekommen vom Abbruch des alten Bauernhofs hat auch Angela Brogsitter-Finck von der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Sie entrüstet sich, „dass leider wieder einmal unser Kulturerbe in Gefahr ist. Unsere Aufgabe ist es hauptsächlich, unsere einmalige Landschaft vor dem momentan vorherrschenden Ausverkauf zu bewahren. Wir lassen in diesem Bestreben nichts unversucht.“

Das sei auch im Fall des Bauernhofs „beim Hofer“ in der Wolfsgrub so, sagt sie. „Dieser historische Weiler wäre in jedem Fall schützenswert gewesen. Leider wurde er vom Landesamt für Denkmalpflege bisher noch nicht erfasst. Indem tagtäglich alte Häuser, Bauernhöfe dem Erdboden gleichgemacht werden, sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.“


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