Umstrittener ADAC-Rodelbahnentest

Rodelunfall am Wallberg endet glimpflich

Von Steffen Greschner

Zweite Ergänzung vom 13. Februar / 19:26 Uhr
Ein eher glimpflich verlaufener Rodelunfall am Sonntag Nachmittag hat die Diskussion um die Wallberg-Rodelbahn wieder ein wenig in Gang gesetzt. Eine 31-jährige Rodlerin war am Stockhang von ihrem Schlitten gestürzt. „Die Frau hat sich mit der Schlaufe des Schlittens am Fuß verhängt“, so Martin Stumpf, Leiter der Bergwacht Tegernsee gegenüber dem Merkur.

Wie die Polizei in einer Meldung von Sonntag Abend meldet hatte daraufhin ein hinter der Mainburgerin fahrender bisher noch unbekannter Rodler die Frau erfasst. Fuhr aber nach kurzem Vergewissern, dass alles in Ordnung ist, weiter.

Aufgrund der immer stärker werdenden Schmerzen wurde die 31-Jährige danach wegen Verdachts auf eine Rückenverletzung mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus Agatharied gebracht. Dort konnte jedoch glücklicherweise nur eine Hüftprellung festgestellt werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Wallbergbahn-Geschäftsführer Peter Lorenz im Interview mit der Tegernseer Stimme betont, dass an Spitzentagen – und dazu gehört ein Sonntag wie der gestrige – bis zu 2.500 Rodler die anspruchsvolle Strecke in Angriff nehmen.

Und für Martin Stumpf steht fest, dass trotz der hohen Frequenz am Wallberg eher wenig passiert. Weniger als 20 Einsätze seien es in diesem Winter bisher gewesen. Tendenziell gäbe es am Wallberg eher leichtverletzte. Ein Einsatz mit dem Hubschrauber wie beim Unfall am Sonntag hätte es heuer sogar noch nicht gegeben.

Ergänzung vom 1. Dezember / 11:02 Uhr
Letzte Woche hatten wir über die Testergebnisse des ADAC berichtet. Ergebnisse, die der Rodelbahn am Wallberg im Bereich Sicherheit ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

Einige Rodelbahnenbetreiber wehren sich mittlerweile gegen die ihrer Meinung nach falschen Einschätzungen des ADAC. Aus dem Grund haben wir mit Antonia Asenstorfer, der Pressesprecherin der Alpenbahnen, gesprochen.

Antonia Asenstorfer / Foto: Archiv

Hier Asenstorfers Einschätzung zum Ergebnis, den Auswirkungen für den Wallberg und den Sinn einer Klassifizierung von Rodelstrecken.

Tegernseer Stimme: Der ADAC hat in seinem am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Rodelbahnen-Test die Wallbergbahn im Bereich Sicherheit mit mangelhaft bewertet. Können Sie das Ergebnis nachvollziehen?

Asenstorfer: Grundsätzlich nehmen wir die Einschätzung des ADAC bezüglich etwaiger Sicherheitsmängel natürlich ernst. Allerdings können wir die Aussagen in den Testergebnissen nicht in allen Bereichen nachvollziehen und müssen uns diese auch mit dem ADAC zusammen nochmals im Detail anschauen.

Tegernseer Stimme: Einige Dinge sind ja laut Testbericht sehr gut.

Asenstorfer: In verschiedenen sicherheitsrelevanten Punkten, wie den „Rast- und Wartezonen entlang der Strecke außerhalb von Gefahrenbereichen“ oder „Deutliche Warnung vor Gefahrenstellen“ wurde die Wallbergbahn durchweg positiv bewertet.

Die Stärken der Wallberg-Rodelbahn laut ADAC-Testergebnis. Quelle: ADAC

Tegernseer Stimme: Werden Sie auf das Ergebnis und die laut ADAC vorhandenen „Schwächen“ reagieren?

Asenstorfer: Als Betreiber der Wallbergbahn bemühen wir uns ständig um Verbesserungen auch in puncto Sicherheit für unsere Gäste. So haben wir in diesem Jahr als konkrete Maßnahme an der Spitzkehre im unteren Bereich den Auslauf verbessert und somit eine Gefahrenstelle entschärft.

Auch haben wir für die kommende Saison unser seit vielen Jahren bewährtes „Schlitten 1×1“, das Tipps zum richtigen und sicheren Verhalten auf der Bahn gibt, auf den aktuellen Stand gebracht und um einen Ausrüstungshinweis ergänzt.

Wir müssen jedoch hinsichtlich Verhalten, Ausrüstung und Selbsteinschätzung auch an die Vernunft und Eigenverantwortung unserer Gäste appellieren.

Tegernseer Stimme: Glauben Sie dass eine Klassifizierung von Rodelbahnen in blau, rot, schwarz je nach Schwierigkeit funktionieren würde?

Asenstorfer: Die Rodelbahn am Wallberg ist durch ihre Länge und ihre Neigung durchaus als anspruchsvolle und sportliche Bahn einzustufen. Einer Klassifizierung stehen wir offen gegenüber und sehen auch keinen Nachteil, wenn die Bahn „schwarz“ eingestuft werden sollte.

Die Forderung nach einheitlichen Verhaltensregeln unterstützen wir uneingeschränkt.

Ursprünglicher Artikel vom 23. Oktober:
„Jedes Jahr verunglücken hunderte Schlittenfahrer, einige sogar tödlich. Um sie besser zu schützen, muss dringend in die Sicherheit der Rodelbahnen investiert werden“, so ADAC Vizepräsident für Tourismus Max Stich. Wieviel Wahrheit dahinter steckt, sieht man an Großkampftagen auf und an der Rottacher Rodelstrecke am Wallberg.

Und auch wenn der Chef der Wallbergbahn Peter Lorenz im März diesen Jahres meinte „Die Rodelstrecke ist sicher nicht gefährlicher wie anderswo“ lassen die Ergebnisse des ADAC aufhorchen.

Ein Ausschnitt aus der Ergebnisübersicht zum Rodelstreckentest. Für das Gesamtergebnis einfach auf das Bild klicken.

Als Mangelhaft weist der Autoclub die Rottacher Strecke in Punkto Sicherheit aus. Nur der laut ADAC sehr gute Service an der Wallbergbahn verhindert eine schlechtere Platzierung. In der Gesamtübersicht kommt Deutschlands längste Rodelbahn auf den 19. von 30 Plätzen – europaweit.

Gefährliche Kurven, schlechte Präparierung, Absturzgefahr

Mit dem schlechten Ergebnis steht der Wallberg nicht alleine da. Die Probleme ähneln sich oft: ungenügende Streckenführung und gefährliche Kurven und Absturzstellen. Investitionen in die Sicherheit und damit in die Zukunftsfähigkeit der Bahnen seien ein muss, wie Max Stich vom ADAC betont. Die Pisten müssten grundsätzlich besser präpariert wer. Gefahrenstellen gehören durch Zäune und Polster entschärft. Vor Steilstücken, Kurven oder Kreuzungen müssten Tafeln die Rodler warnen.

Zudem sollen die Rodelbahnen, ähnlich wie Skipisten, in drei Schwierigkeitsgrade farblich gekennzeichnet werden. Viele Freizeitrodler würden dann schwere Abfahrten wie am Wallberg, gar nicht erst befahren, so die Hoffnung des ADAC. „Schlittenfahren darf nicht zum Lotteriespiel werden, bei dem ich erst unten weiß, ob diese Abfahrt für mich und meine Kinder geeignet war“, so Stich.

Der aktuelle Test ist vor allem Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Wallbergbahn. Im Laufe der vergangenen Saison sind viele Stimmen laut geworden, die den Verantwortlichen eine schlechte Streckenqualität und mangelnde Sicherheit auf der beliebten Rodelbahn vorwerfen.

Anfang Januar an der Wallberg-Talstation

Für Peter Lorenz war laut einer Aussage im März, die Sicherheit auf der Bahn zu jeder Zeit gewährleistet. Große Änderungen am Sicherheitskonzept oder der Präparierung seien nicht geplant. Die Unfallzahlen zum vorherigen Winter sogar rückläufig.

Die Rodelbahn ist natürlich nicht für kleine Kinder gedacht. Und schon gar nicht für Erwachsene mit Babys auf dem Schoß.

Allerdings ist sie sicher nicht gefährlicher wie anderswo. Klar, wenn zeitgleich 1.000 Leute auf der Bahn sind, dann wird`s eng. Und irgendwo können sich dann auch mal Eisplatten bilden.

Aber eigentlich haben wir sehr viel für die Sicherheit getan. Wir haben unter anderem die Kurven entschärft. Durch die Beschneiung gab`s vor allem unten raus weniger Eis. Und wie man sieht hat`s was gebracht. Die Unfallzahlen sind zurückgegangen.

Eine Einschätzung, die zumindest der ADAC nach den aktuellen Test-Ergebnissen, nicht teilen wird.

Quelle Startseitenbild: dachris


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