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Georg von Preysing und der Bürgermeister-Wahlkampf

Am Ende bleibt nur Kopfschütteln

Georg Graf von Preysing ist Noch-Bürgermeister von Gmund. In der Gemeinde agiert er zuweilen wie ein absolutistischer Herrscher, der gerne seine Erbfolge sichern würde. Sie denken, wir übertreiben? Dann lesen Sie hier ein Kapitel aus der Gmunder Oberstube.

Der amtierende Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing bei der letzten Wahl / Archivbild

Am 25. Februar wird in Gmund ein neuer Bürgermeister gewählt. Bislang hat Georg von Preysing das Zepter in der Hand und möchte – soweit nachvollziehbar – dieses gerne an seinen Sohn weitergeben. Franz von Preysing von der CSU stellt sich also zur Wahl. Und auch zwei weitere Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen: Zum einen Alfons Besel von den Freien Wählern, zum anderen Johann Schmid von der SPD. Wäre schön, wenn die Bürger die Kandidaten mal jenseits von Plakaten kennenlernen könnten, dachten wir uns so Anfang Dezember 2017.

Also beschließen wir als Tegernseer Stimme, eine Diskussionsveranstaltung auf die Beine zu stellen. Zu diesem Zweck fragen wir bereits Mitte Dezember die drei Kandidaten an. Alle sagen zu einem der möglichen Termine am Mittwoch, den 7. Februar – zweieinhalb Wochen vor der Bürgermeisterwahl – schriftlich zu. Alle sind angetan von der Idee. Auch der Gmunder Stefan Scheider vom BR hat noch Platz im Terminkalender und erklärt sich bereit, die Moderation zu übernehmen. Daraufhin buchen wir am Dienstag, 19. Dezember, den gemeindeeigenen Neureuthersaal beim Pächter. Der gibt auch grünes Licht. In der Reservierungsliste ist alles frei.

Zuerst bekommt er nur einen Tag später – am Vormittag des 20. Dezember – auch die telefonische Bestätigung von der Gemeinde. Doch nur fünf Minuten später beginnt die Reise nach Absurdistan: Jemand aus dem Rathaus informiert direkt den Bürgermeister. Und der spielt die Machtkarte. Denn Georg von Preysing will lieber den Merkur, das örtliche Heimatblatt, als Veranstalter einer politisch brisanten Podiumsdiskussion. Und so lässt er die Zusage für den Neureuthersaal am 7. Februar blockieren.

Kandidaten bleiben alle cool

Die Verantwortlichen der Zeitung nutzen den Schwung und telefonieren noch am Vormittag des 20. Dezembers alle Kandidaten ab. Sinngemäß fällt die Aussage: Wir haben den Neureuthersaal am 7. Februar. Die Tegernseer Stimme ist raus. Aus dem Gmunder Rathaus gibt es parallel die Info, dass der Saal bereits seit Montag für den Merkur geblockt gewesen wären, obwohl eigentlich von den Verantwortlichen noch keiner wissen konnte, ob die Kandidaten an besagtem Termin überhaupt Zeit haben.

Gleichzeitig verschickt der Gmunder Geschäftsleiter ein dürres Statement: „Eine solche Veranstaltung ist eine gute Idee – schade, dass die vorliegenden Umstände entstanden sind“. Schade finden wir das auch, vor allem weil eine solche Aktion so kurz vor der Wahl Georg von Preysing in einem schlechten Licht stehen lässt. Sieht halt so aus, als ob der scheidende Bürgermeister Sorge hat, dass wir mit kritischen Fragen seinen Plan erschweren könnten. Könnte ja auch sein, dass wir Preysings Leistungen thematisieren. Das läuft ja beim Heimatblatt grundsätzlich unkritischer ab.

Doch es geht weiter. Wir sprechen mit den Kandidaten und die geraten tatsächlich kurz ins Schwanken, bleiben aber allesamt cool, als sie vom neuen Veranstaltungsort für die TS-Podiumsdiskussion auf Gut Kaltenbrunn hören. Alfons Besel (FWG) betont: „Ich habe euch für den 7. Februar zugesagt. Fertig.“ Der Genosse Schmid hat zwar zuerst keine Lust „zwischen die Stühle zu geraten“ – will aber trotzdem kommen. Und Franz von Preysing erklärt: “Natürlich stehe ich zu meiner Zusage.”

Jeder Kandidat eine echte Option

Für den Merkur ist diese Entwicklung wenige Tage vor Weihnachten natürlich ein Problem. Und so zaubert das Heimatblatt Ende Dezember nun doch den 1. Februar als Tag ihrer eigenen Podiumsdiskussion aus dem Hut. Sechs Tage vor der TS-Veranstaltung auf Gut Kaltenbrunn, und – wen überrascht es – im gemeindeeigenen Neureuthersaal, der doch eigentlich bereits für den 7. Februar reserviert war.

Dass die Wähler sich am Ende sogar für zwei Veranstaltungen so sehr interessieren, dass beide Säle voll besetzt sind, zeigt zweierlei: Der politische Diskurs in Gmund funktioniert und die drei Kandidaten haben Anhänger, für die jeder einzelne eine echte Alternative darstellt.

Und was bedeutet diese Posse für den scheidenden Bürgermeister Georg von Preysing? Der muss auf seine letzten Tage im Amt erkennen, dass politische Einflussnahme im Vorfeld einer demokratischen Wahl doch nicht immer so einfach funktioniert, wie man sich das in der Gmunder Oberstube vorstellt.


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