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Mitarbeiter von Wiesseer Privatklinik mussten um Löhne bangen

Am Tropf von Udo Schulz

Zunächst drohte die sofortige Schließung, dann gestand das Gericht dem Betreiber noch eine Schonfrist bis Mitte Januar zu: Die Wiesseer Privatklinik Im Sonnenfeld steht in der Kritik – das Gericht bescheinigte dem Geschäftsführer Dr. Udo Schulz „Unzuverlässigkeit“. Nun tauchen neue Vorwürfe auf, die ein Schlaglicht auf dessen Praktiken werfen.

Am 20. Januar entscheidet sich, wie es mit der Klinik Im Sonnenfeld in Bad Wiessee weiter geht
Am 20. Januar entscheidet sich, wie es mit der Klinik Im Sonnenfeld in Bad Wiessee weitergeht.

Zunächst meldeten sich Informanten, die behaupteten, in der Klink würden die Löhne für einfachere Tätigkeiten im Haus oft monatelang ausbleiben. Daher komme es des Öfteren zu Personalwechseln. Eine Behauptung, der man noch nicht viel Beachtung schenken musste. Als aber der Bericht über die vom Gericht erlassene „Gnadenfrist“ für den Betreiber Udo Schulz erschien, wurden die Vorwürfe gegen ihn ziemlich konkret.

Zudem waren die Beschuldigungen nicht mehr anonym, sie kamen aus berufenem Munde. Es scheint in der Tat so zu sein, dass Udo Schulz offenbar erst auf Druck bereit war, ausstehende Löhne für Mitarbeiter der Klinik in Bad Wiessee zu zahlen. Dass dies scheinbar kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick ins Internet.

Arbeitsgericht muss Löhne einklagen

Schulz unterhält mit seiner „Summit Healthcare Management Partners GmbH“ mit Sitz in Bornheim-Walberberg laut Homepage zwölf Einrichtungen verschiedenster Art. Aufgelistet sind Hotels, Altenpflege-Residenzen, ein Stift und besagte Wiesseer Privatklinik. Doch manche davon haben eines gemeinsam: Die Beschäftigten müssen vor Arbeitsgerichten ihre Löhne einklagen.

So geschehen vor Jahren im damaligen Altenpflegeheim Lindenweg Heidelberg, wie die Gewerkschaft Ver.di berichtete. Sieben ihrer Mitglieder klagten gegen Schulz, weil er ihnen unrechtmäßig Gehaltsbestandteile vorenthalten haben soll, so Ver.di. Im gleichen Atemzug erwähnt die Gewerkschaft, dass Schulz in Amberg wegen Beihilfe zum Insolvenzbetrug zu 120 Tagessätzen verurteilt worden sei.

Immer wieder ausstehende Löhne

Nicht viel besser erging es offensichtlich Mitarbeitern des Altenpflegeheims „Residenz am Rosenkrug“ in Niedersachsen, wie ein Privatradio im Februar 2013 berichtete. Die Medien dort waren sich einig, dass Schulz seine Beschäftigten „skandalös“ behandelte. Als dieser Skandal ruchbar wurde, soll der Geschäftsführer einen Teil der ausstehenden Löhne ausbezahlt haben. Schulz soll stets beteuert haben, er wisse von nichts.

Doch seine Geschäftspraktiken drangen bis in den Landtag von Hannover. Die SPD beklagte in einer Anfrage ausstehende Bezüge der Mitarbeiter von Schulz, der auf der anderen Seite neue Beschäftigte auf 400-Euro-Basis suche. Ähnliche Konflikte gebe es auch in Hessen und Baden-Württemberg, wie der Abgeordnete Emmerich-Kopatsch damals auflistete.

Besonders skurril ist der Weg, den Beschäftigte des „Parkhotels Schlangenbad“ unweit von Wiesbaden einschlugen. Nachdem auch ihnen Schulz als Betreiber des Hotels den Lohn schuldig blieb, wie der Wiesbadener Kurier vor einem Jahr berichtete, hatten vier Mitarbeiter 2011 einen Raubüberfall auf sein Hotel inszeniert. Sie wollten sich so vom Arbeitgeber den vorenthaltenen Lohn zurückholen, wie sie vor Gericht angaben. Diese Selbstbedienung ließ ihnen aber das Gericht nicht durchgehen, es verurteilte sie.

Leitender Arzt im Streit mit Klinikleitung

Zurück nach Bad Wiessee zur Klinik Im Sonnenfeld. Neben ausstehenden Löhnen sind auch einige kritische Bewertungen der Klinik wenig schmeichelhaft: Da berichtet ein langjähriger Mitarbeiter von einem „rundum verwahrlosten Haus“. Ein Patient schreibt, es gebe kaum noch Personal, bedingt dadurch sei die Klinik in allen Bereichen unsauber, der Wellnessbereich entspreche keinen hygienischen Bedingungen mehr. Diese Berichte decken sich vielfach mit Informationen, die die Tegernseer Stimme aus dem Haus erhielt.

Zum Teil kamen sie aber auch bei der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht zur Sprache. Erwähnt wurde dort auch, dass Professor Peter Schwarzfischer aus Gmund, der auf der Klinik-Homepage als Leitender Arzt ausgewiesen wird, schon seit einem Jahr dort nicht mehr tätig ist. Zudem soll Schwarzfischer mit Schulz im Rechtsstreit liegen.

Nichtssagende Erklärung

Die Stellungnahme der „Summit Partners GmbH“ als Betreiber der Privatklinik Im Sonnenfeld fällt auf Nachfrage relativ schmallippig aus. In Vertretung für Udo Schulz schreibt Susanne Finke von der „Carenia Communication GmbH“ nur, die meisten Vorwürfe seien „ebenso falsch wie viele Jahre alt“. Man wolle „derartige Bestrebungen nicht auch noch durch eigene Kommentierung unterstützen“. Außerdem, so Finke, sei ein Hinweis zumindest angebracht, „dass Dr. Schulz strafrechtlich völlig unbelastet ist“.

Kein Wort verliert Finke über die vorgehaltenen Geschäftspraktiken des Unternehmers Schulz. Am 20. Januar entscheidet jedenfalls das Verwaltungsgericht München, ob und wie es mit der Wiesseer Klinik weitergeht. Zumindest dort muss Udo Schulz eine umfassende Stellungnahme vorlegen.


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