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Bundestagswahl 2017: Porträts der Direktkandidaten

Ein “Linker“ in der Diaspora

Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren schaffte er nicht den Sprung nach Berlin. Nun versucht es Andreas Wagner aus Geretsried erneut. Er ist überzeugt, dass „die Linke“ die Fünf-Prozent-Hürde in Bayern knacken kann. Ein Porträt.

Andreas Wagner von der Partei „Die Linke“. (Foto: Die Linke)

Den Meinungsumfragen zufolge haben sechs Parteien berechtigte Chancen nach der Wahl am 24. September in den Bundestag einzuziehen. Die Tegernseer Stimme stellt deren Direktkandidaten für den Wahlkreis Bad Tölz- Wolfratshausen/Miesbach in einer täglichen Folge vor. Heute: Andreas Wagner von der Partei „Die Linke“.

Bestenfalls auf Plakatwänden wird sein Gesicht auftauchen. Ansonsten wird der 45-jährige Heilerziehungspfleger unerkannt bleiben. Denn im Landkreis macht er nur einmal Wahlkampf, mit einem Stammtisch in Miesbach. Kein Infostand, kein Auftritt mit einer Spitzenkandidatin der Partei wie Sahra Wagenknecht.

Wagner ist mit seinem Wahlprogramm für mehr soziale Gerechtigkeit auf sich allein gestellt. Auf Platz 6 der bayerischen Landesliste hofft er mit „5% + X“ dennoch durchzukommen. Vor vier Jahren konnte der Landesverband nur 3,4 Prozent der Erststimmen holen. Vier Kandidaten schafften es nur über die Landesliste in den Bundestag. Dort will sich Wagner, seit 1989 Gewerkschaftsmitglied, für die Arbeitnehmer und ihre Rechte stark machen.

Kämpft um Rechte für Behinderte

Auf der Agenda des geborenen Tölzers stehen weiterhin als Themen Abrüstung und Frieden. „Solange die SPD und die Grünen sich weiter zur Agenda 2010 und zu deutschen Kriegseinsätzen bekennen, solange ist für mich eine Regierungsbeteiligung der Linken auf Bundesebene nicht denkbar“, sagt der bekennende Kriegsdienstverweigerer. Stattdessen machte er seinen Zivildienst bei der Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Selbsthilfevereinigung für Menschen mit geistigen Behinderungen ist Wagner zunächst als Heilerziehungspfleger treu geblieben.

Inzwischen vertritt er die Rechte der rund 250 Lebenshilfe-Arbeitnehmer als Betriebsratsvorsitzender. „Es hängt sicher mit meinem Beruf zusammen, dass ich mich für Menschen mit Handicap einsetze. Sie sind Teil unserer Gesellschaft und dürfen nicht auf der Strecke bleiben.“ Er stehe deshalb für eine Politik, die den Menschen und seine grundlegenden Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Weiter will Wagner darauf hinwirken, dass eine wohnortnahe Versorgung von Frauen vor, während und nach der Geburt gewährleistet und sichergestellt ist.

Außerdem gehe es ihm darum, dass kein Mensch wegen Armut oder Krieg seine Heimat verlassen muss. Er sei daher für faire Handelsbeziehungen mit anderen Ländern und für ein Ende deutscher Waffenlieferungen an die Kriegsparteien im Nahen Osten, sagt der Ex-Zivi, der seit 1991 in der Friedensbewegung aktiv ist. „Als ausgebildeter Mediator beschäftige ich mich mit alternativen Möglichkeiten der Konfliktlösung“.

Gegen Aufrüstungspläne

In seiner Bewerbungsrede um den Listenplatz kritisierte Andreas Wagner im März das Ziel der großen Koalition von CDU, CSU und SPD, die Militärausgaben drastisch zu erhöhen. Das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die jährlichen Militärausgaben in Deutschland von derzeit 37 Milliarden Euro bis zum Jahr 2024 auf über 60 Milliarden Euro anzuheben, während derzeit Millionen Menschen in Afrika der Hungertod droht, bezeichnete Wagner als einen Skandal. Er übte auch deutliche Kritik an der SPD.

Solange die SPD sich zu diesen Aufrüstungsplänen bekennt, sind die Worte von Martin Schulz und sein Ruf nach mehr sozialer Gerechtigkeit nichts anderes als heiße Luft.

Wer zig Milliarden Euro zusätzlich für Waffen und Krieg ausgeben will, dem fehle das Geld für bezahlbare Wohnungen, für gute Bildung, für ein gutes und für alle zugängliches Gesundheitssystem, für eine ortsnahe Geburtshilfe und für eine menschenwürdige Pflege im Alter, verdeutlicht der ausgebildete Werkzeugmacher und Heilerziehungspfleger. Seinen Listenplatz 6 bezeichnet Wagner als aussichtsreich, für „Die Linke“ in den Bundestag einziehen zu können. Der 24. September wird es zeigen.

Zu dieser Reihe:

Den Meinungsumfragen zufolge haben sechs Parteien berechtigte Chancen nach der Wahl am 24. September in den Bundestag einzuziehen. Die Tegernseer Stimme stellt deren Direktkandidaten für den Wahlkreis Bad Tölz- Wolfratshausen/Miesbach in einer täglichen Folge vor.

Diese Kandidaten wurden schon vorgestellt:

Hannes Gräbner (SPD)


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