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Kreuther Mordprozess

“Jetzt ist die Kacke am Dampfen”

Im Prozess um den Tod der Kreuther Kunsthändlerin Barbara „Betty“ Böck stellte heute am 15. Verhandlungstag die 1. Strafkammer klar, dass für das Gericht die Gutachten des Rechtsmediziners zweifelsfrei sind. Und dann überraschte noch der Mann der Angeklagten mit einem deftigen Zitat.

Links im Bild das Wohnhaus von Barbara Böck. Rechts die Millionärin selbst. Starb sie eines gewaltsamen Todes?

Am 22. März 2016 soll die Angeklagte die 95-jährige „Betty“ in ihrem Krankenzimmer mit einem Kissen erstickt haben, was Renate W. bestreitet. Immerhin hatte sich die 53-Jährige Gesellschafterin von Böck in deren Krankenzimmer in Agatharied am Todestag von 7:24 Uhr bis 9:18 Uhr durchgängig dort aufgehalten, wie Zeugen dokumentiert hatten. Die Anwälte von W. wollten allerdings weitere medizinische Gutachten, weil sie Pennings Qualifikation als Lungenfacharzt anzweifelten.

Denn laut Verteidiger Stephan Tschaidse könne auch eine Verschleimung oder der Rückfall der Zunge zum Tod durch Ersticken geführt haben. Außerdem wäre es auch möglich, dass die bei der Sektion festgestellten Punktblutungen in den Augen durch den Blutverdünner Marcumar verursacht wurden. Der Vorsitzende Richter Thomas Bott hielt dem entgegen, dass Marcumar nach den Aufzeichnungen des Krankenhauses bereits fünf Tage vor Böcks Tod abgesetzt worden sei.

Ehemann der Angeklagten räumt Mitschuld ein

Neben dem Vorwurf des Mordes geht es in diesem Verfahren laut Staatsanwaltschaft auch um einen beträchtlichen Kunstraub, wie zahlreich gestapelte Ordner am Richterpult mit Hunderten von Wertgegenständen auflisten. Renate W. soll sich mit Ihren Komplizen, Ihrem Mann Ulrich W., „Bettys“ bulgarischen Hausmeister Georgiev Z. und dem Rottacher Kunsthändler Peter P. kräftig am Vermögen bedient haben.

In einer persönlichen Erklärung des Ehemannes Ulrich W., ließ dieser durch seinen Anwalt Peter Krauß mitteilen, dass er zwar von der Tätigkeit seiner Frau Renate für Böck wusste. Persönlich habe er Böck auch im Sommer 2015 in ihrem Haus kennengelernt, als diese seiner Frau ein Sofa schenkte, das er abholte. Doch vom einem möglichen Kunstraub habe er erst durch den bulgarischen Hausmeister Georgiev Z. erfahren, der in Böcks Villa in einer Einliegerwohnung lebte.

Z. sei drei Tage nach dem Tod von „Betty“ zu seiner Frau und ihm nach Sauerlach gekommen und habe aufgeregt erklärt, „jetzt ist die Kacke am Dampfen“. Denn misstrauische Nachbarn am Riedlerweg hatten die Polizei verständigt, dass Tage vor und nach dem Tod der Kunsthändlerin deren Villa in Nacht- und Nebenaktionen ausgeräumt werde. Mit seinem Sohn habe Ulrich W. dann in einen gemieteten Transporter zahlreiche Kunstgegenstände verladen, darunter sakrale Tische, Kommoden Teppiche und mehrere Figuren wie Engel. Er habe sie in einer Wiesseer Garage von Z. vorgefunden und in die Nähe von Regensburg transportiert.

In der Mitte mit schwarzem Sakko und Glatze: Ulrich W., der Ehemann der Hauptbeschuldigten aus Sauerlach.

Über den Wert der unzähligen Gegenstände habe er sich damals keine Gedanken gemacht. Dennoch habe er bei der Fahrt mit seiner Frau bemerkt, dass es ihr sichtlich schwergefallen sei, über die Situation zu sprechen. Denn ihr sei offenbar bewusst geworden, dass dieses Wegbringen der Kunstgegenstände zu Ermittlungen der Polizei gegen sie und Z. geführt habe. Bei den anschließenden Vernehmungen zu seiner Mittäterschaft „wollte ich einfach meine Frau schützen, damit sie nicht bestraft wird“.

Der Prozess wird morgen mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt. Die Urteile sollen am 9. Mai gesprochen werden..


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