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Wie viel Bürgerwille steckt im neuen Maximilian?

Von Preysings Argumente werfen Fragen auf

Von Steffen Greschner

“In meiner ersten Amtsperiode hatte ich mich noch zu der Aussage hinreißen lassen, dass das Maximilian bald wieder steht. So kann man sich täuschen.” Selbstkritisch eröffnete Georg von Preysing eine Infoveranstaltung zu Gmunder Bauthemen, die vor zwei Wochen im Neureuthsaal über die Bühne ging.

Dabei ging der Gmunder Bürgermeister neben der Realschule vor allem auf die weitere Vorgehensweise beim Maximilian ein. Laut von Preysings Darstellung ein Sieg des Bürgerwillens. Eine fragwürdige Argumentation.

Nur wenige Gmunder Bürger hatten sich für die Pläne der Realschule und des Maximilians interessiert.

Denn erneut bekräftigte von Preysing, dass 90 Prozent der Wünsche aus der Bürgerwerkstatt von vor zwei Jahren im bestehenden Konzept umgesetzt sind. Ein Wert, der unrealistisch erscheint, wenn man sich an die vielen Ideen der insgesamt vier Gruppen zurückerinnert.

Etwas mehr als 100 Bürger hatten sich am 10. Februar 2010 im Neureuthsaal eingefunden und im Laufe von drei Stunden mehr oder weniger realistische Optionen für die zukünftige Nutzung des Maximilians und des 5.500 Quadratmeter großen angrenzenden Grundstücks erarbeitet. Heraus kamen insgesamt 80 Vorschläge.

Mit dabei folgende Ideen für den alten Gasthof und die weiteren Gebäude: Veranstaltungssaal, Mehrgenerationenwohnen, Musikkneipe, Steakhouse, Hausbrauerei, öffentliche Nutzung für Touristinfo oder Rathaus, Markthalle als Schaufenster der Region, Kulturhaus, Bibliothek, Wirtschaft mit Biergarten, Jugendherberge, Ärztehaus – um nur eine kleine Auswahl der vielen Visionen zu nennen.

Impressionen wie auch alle Nutzungsvorschläge und die von den Bürgern erarbeiteten Skizzen kann man in der umfangreichen Dokumentation von “Identität und Image” nachlesen.

Wo sind die Visionen hin?

Das nun geplante Konzept sieht eine Nutzung des sanierten Maximilians mit Wirtschaft und angeschlossenem Biergarten vor. Realistisch ist auch ein zusätzliches Hotel oder eine andere noch nicht näher definierte Übernachtungsmöglichkeit für eine überschaubare Zahl von Gästen. Eventuell zieht auch die Gmunder Tourist-Info in das Gebäude.

Die beiden neu entstehenden Gebäude sollen etwas in den Hang gebaut werden. Für die Nutzung sind unter anderem drei Verkaufsräume mit jeweils 950, 400 und 200 Quadratmetern Fläche eingeplant. Die Tiefgarage verläuft mit ihren 70 Stellplätzen fast unter dem kompletten Neubau. Eine Freitreppe, ein Aufzug und ein Rollband sollen unter anderem den geplanten Biergarten südlich des Maximilians und die Verkaufsflächen auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen begehbar machen.

Der Blick auf das Maximilian (links) und die beiden geplanten Neubauten. Zur großen Ansicht auf das Bild klicken.

Da kann man sich natürlich schon auch die Frage stellen, wo die 90 Prozent der Bürgerwünsche hin sind, die der Gmunder Bürgermeister so demonstrativ als Argument anführt. Aber vielleicht ist der Leitspruch “unbedingt die Bevölkerung mitnehmen” eine der derzeitigen Triebfedern beim Thema Maximilian. Möglicherweise auch zulasten der Realität.

Angesprochen auf die Visionen der Bürger, stellte von Preysing bei den Investorentagen bereits im Herbst 2010 klar: „Das Gelände ist sehr interessant für die potenziellen Investoren. Aber natürlich kann da keine Jugendherberge entstehen. Die Refinanzierung steht an erster Stelle. Und die funktioniert nicht über das Maximilian an sich, sondern über die bebaubaren Freiflächen.“

Risikofaktor Bürger

Eine flexible Auslegung von Realitäten ist kein allzu schlechte Voraussetzung für ein langes politisches Amt. Und so ist von Preysing einer, der aus der Vergangenheit lernt. Ein Desaster wie beim Gut Kaltenbrunn möchte er in seiner dritten und letzten Amtszeit nur zu gern vermeiden. Aus dem Grund erscheint es nur verständlich, dass man nach knapp 30 Jahren Leerstand das Maximilian zusammen mit dem Investor kommunikativ “an den Mann bringen” will.

Bürgerwerkstatt, Informationsveranstaltungen, Pressekonferenzen. Die transparente Herangehensweise hat einen Grund: Der negative Flurfunk an den Stammtischen soll gar nicht erst aufleben. Denn Probleme kommen vor allem bei solch kritischen Baumaßnahmen oft und unvorhergesehen. Meistens sind es Anlieger, denen im Laufe der Planungen die Konsequenzen eines solchen Vorhabens bewusst werden.

Gegen dieses Risiko hat man im Fall des Maximlians übrigens bereits vorgesorgt. Die Gmunder Verwaltung hat laut eigener Aussage vor einiger Zeit mit den Anwohnern oberhalb des Geländes einen richterlichen Vergleich geschlossen. Nur nicht wieder Klagen und jahrelange Verzögerungen wie bei anderen Großprojekten. Das könnte am Ende die Pläne doch noch zum Kippen bringen.

Und so dürfte es weitergehen mit der Informations- und Charmeoffensive. Bleibt nur zu hoffen, dass sich alle Beteiligten auch zukünftig an den Abmachungen halten und vor allem bei der Wahrheit bleiben.


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