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Leerstehende Geschäfte: Gemeinde soll Rahmenbedingungen schaffen

„Asphaltwüste“ in Bad Wiessee

Immer mehr Leerstände von Geschäften prägen das Ortsbild des einstigen Nobel-Kurortes Bad Wiessee. Zwar soll der Lindenplatz nun bald ein neues Gesicht bekommen, doch dem Verein „Aktive Wiesseer“ gehen die Planungen nicht weit genug. Sie fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen.

Der Leerstand ist in Bad Wiessee algegenwärtig.
Der Leerstand ist in Bad Wiessee algegenwärtig.

Wer von der Spielbank in den Ortskern fährt, dem bietet sich ein ziemlich trostloses Bild. Auf beiden Seiten der Münchner Straße verwaiste Läden, die nicht zum Flanieren einladen. Etwa zehn Geschäfte stehen in Wiessee leer. Auch Neuansiedelungen sind meist schnell wieder weg. Es mangelt an Kunden, wie es auch der Verein „Aktive Wiesseer“ beklagt.

“Keine Verbindung zum Ortskern”

Dessen Vorsitzender Robert Kühn gegenüber der Tegernseer Stimme: „Wiessee krankt daran, dass zu wenig Gäste kommen und die Laufkundschaft fehlt. Früher hatten wir in Bad Wiessee mehr Modegeschäfte als Rottach. Aber mit den sinkenden Gästezahlen schwanden auch die Läden“.

Als eine der Ursachen dafür sieht Kühn die fehlenden Rahmenbedingungen, damit sich der Handel wieder niederlasse. „Auch wenn man den Ortskern aufhübschen will, so hat sich bislang noch nichts getan. Bis jetzt ist er einfach nicht einladend. Der Einzelhandel aber prägt das Bild des Ortes“.

Und der sei bis hoch in der Münchner Straße vertreten. Doch im Konzept des Ortsplaners Eberhard von Angerer, der nur die Umgestaltung des Lindenplatzes im Auge habe, komme dieser Bereich nicht vor. „Hier sind etliche Gewerbetreibenden zentriert, doch eine optische Verbindung zum Ortskern gibt es nicht“, beklagt Kühn.

Hochglanz-Magazin soll Kunden bringen

Hier fehle ein durchgängiges Konzept für ein Einkaufserlebnis links und rechts des Zentralparkplatzes. Breitere Gehwege etwas weiter weg von der Straße würden ebenso fehlen, wie Beete und kleine Bäume zur schöneren Gestaltung. „Wer geht schon an dieser Asphaltwüste gerne nach oben“, stellt Kühn ernüchternd fest, der dort selbst ein Geschäft betreibt.

Mehr Akzeptanz erhoffen sich die „Akiven Wiesseer“ von einer neuen Image-Broschüre im Frühjahr. „Mit diesem Hochglanz-Magazin wollen wir die Leute darauf hinweisen, dass sie in Wiessee noch von den Geschäfteinhabern beraten werden. Wir bieten die Kompetenz vor Ort, wird unser Motto sein, das dann hoffentlich eine bessere Besucherfrequenz bringt“, so Kühn.

Viele Gewerbeflächen stehen aktuell leer.
Viele Gewerbeflächen stehen aktuell leer.

Den Leerstand zu minimieren sei alleine Sache des Vermieters, zu welchen Bedingungen er seinen Laden zur Verfügung stellt, argumentiert dagegen Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block): „Es ist auch für kleinere Läden hier nicht einfach, das nötige Potenzial zu erreichen, um die Miete zu zahlen und davon leben zu können“

Vor allem im Textilbereich würden sich viele Kunden inzwischen über das Internet versorgen. Diese Entwicklung sei für den Einzelhandel schwierig. „Abfedern kann man dies vielleicht durch einen guten Service“, glaubt Höß. Helfen würde schon, glaubt der Rathauschef, wenn sich die Inhaber dazu „durchringen“ könnten, auch mittags die Geschäfte offen zu halten.

Höß hofft auf Drogerie-Markt

Ebenso wichtig wäre für den Ort ein Drogerie-Markt, nachdem eine Filiale der Schlecker-Kette geschlossen wurde. „Es muss das Ziel sein, einen Drogerie-Markt anzusiedeln, denn die Artikel braucht jeder Haushalt“, weiß Höß. So würden für die Kunden nur die beiden Läden in Rottach-Egern bleiben.“ Wenn die aber schon im Nachbarort sind, besorgen sie sich dann auch noch andere Artikel. Derzeit gibt es aber in Wiessee keine entsprechend großen Räumlichkeiten, wie es heute bei Drogerie-Märkten Standard ist“, so Höß.

Um dem Leerstand zu begegnen setzt der Bürgermeister ganz auf die geplanten Hotelneubauten an der Seepromende, auf dem Jodbad-Areal und der Hirschbergstraße. Damit könne auch das „entsprechende Klientel“ in den Ort kommen. Wiessee habe zwar schon potenzielle Gäste aus den Emiraten, aber für diese fehle das Angebot. „Es gibt Gäste im Medical-Park wie im Jägerwinkel, die aber wegen des nicht vorhandenen Exklusiv-Angebots bei Schuhen und Kleidung extra mit dem Taxi nach München fahren und dann in der Maximilianstraße shoppen“, sagt Höß. Rottach-Egern reiche diesen arabischen Gästen auch nicht.

Allein deren Begleitpersonen kaufen noch im Tal ein. Höß: „Aber die, die das Geld richtig ausgeben, fahren oft nach München“. Da das Angebot die Attraktivität eines Ortes bestimmt, werden deren Gäste als auch Bewohner wohl noch länger in München shoppen, denn noch tut sich in Wiessee nichts. Der erste Spatenstich für die „Sportsclinic“ auf dem Jodbad-Areal soll im Sommer dieses Jahres erfolgen. Mit einer Fertigstellung wird erst frühestens 2018 gerechnet. Die Gewerbetreibenden in Bad Wiessee haben also noch eine lange Durststrecke vor sich.


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