Asyl-Miete finanziert Einheimischenprojekt

von Robin Schenkewitz

Haus am Buchkogl – So soll die neue Asylunterkunft in Waakirchen heißen. Die Gemeinde will darin Flüchtlinge und später Einheimische unterbringen. Auf diese Weise soll der Asylkrise etwas Positives abgewonnen werden: „Ohne die Vermietung an den Freistaat hätten wir uns das nicht leisten können.“

So soll das "Haus am Buchkogl" einmal aussehen. / Quelle: Gemeinde Waakirchen
So soll das “Haus am Buchkogl” einmal aussehen. / Quelle: Gemeinde Waakirchen

Aktuell passiert es überall im Landkreis: Es werden Container oder Traglufthallen aufgestellt, in denen die ankommenden Asylbewerber untergebracht werden. Das Geld des Steuerzahlers fließt in die Taschen von privaten Unternehmen. Die Unterkünfte sollen nach der Krise wieder abgebaut werden. Die Investition ist verpufft.

Einen anderen Weg wollte daher Waakirchen einschlagen. Monatelang grübelten die Verantwortlichen nach einer „nachhaltigen Lösung“ und bereiteten schließlich den Bau von zwei Häusern vor, die am Schaftlacher Buchkogl entstehen sollen. Am gestrigen Abend wurden die Planung den Schaftlacher Bürgern vorgestellt.

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Günstige Bedingungen für Waakirchen

„Das war der frühstmögliche Zeitpunkt. Heute Nachmittag hat die Regierung von Oberbayern erst den Mietvertrag für die Asylbewerber unterschrieben“, so Andreas Hagleitner, Vorsitzender des Kommunalunternehmens, das die Häuser bauen soll. Entstehen sollen nun zwei Häuser in Ziegelbauweise, mit jeweils vier Wohnungen. „Wir haben im Mietvertrag festgeschrieben, dass maximal 32 Bewohner dort einziehen können“, sagt Robert Engelmann, der sich als Jurist um die vertraglichen Details kümmert.

Insgesamt sei der Vertrag sehr günstig für die Gemeinde: Die Regierung müsse sich um die meisten Reparaturarbeiten selbst kümmern und auch die Miete sei über dem Niveau vergleichbarer Häuser in Waakirchen. „Das Projekt finanziert sich selbst. Die Gemeinde musste bis auf die 15.000 Startkapital für das Kommunalunternehmen nichts beisteuern“, stellt Hagleitner klar.

Dabei sei die Nutzung für zehn Jahre festgeschrieben, danach müssen die Asylbewerber ausziehen. Die Wohnungen sollen dann 40 Jahre für Einheimische zur Verfügung stehen. „Wir haben in der Finanzierung auch 46.000 Euro für etwaige Renovierungskosten vorgesehen. Die Häuser werden neuwertig übergeben“, verspricht Hagleitner.

Lob von anderen Gemeinden

Insgesamt wurde das Projekt gestern von den anwesenden Bürgern sehr positiv aufgenommen. Dabei half auch der Bericht des Helferkreises, der die aktuell 38 Flüchtlinge in Waakirchen, Marienstein betreut. Die Vorsitzende erklärte, dass im Allgemeinen die Asylbewerber sehr vernünftig seien. Auch wenn es natürlich gute und schlechte Tage gebe. Großen Ärger habe aber es kaum gegeben. „Wir haben nur zwei schwarze Schaafe. Aber die sind ohnehin meist in München oder Berlin.“

Aus den Reihen der Bürger kam allerdings die Frage, warum man denn jetzt für die Flüchtlinge etwas bauen würde, Jahre davor aber nichts für die bedürftigen Einheimischen getan habe. Hagleitner hatte daraufhin eine deutliche Antwort: „Ohne die großzügige Miete der Regierung von Oberbayern hätte die Gemeinde das nicht finanzieren können.“ Schließlich könnten sich Bedürftige später nicht den Quadratmeterpreis leisten, der für die Finanzierung notwendig wäre.

Bürgermeister Sepp Hartl und die Verantwortlichen des Kommunalunternehmens stellten das Projekt gestern vor.
Bürgermeister Sepp Hartl und die Verantwortlichen des Kommunalunternehmens stellten das Projekt gestern vor.

Den Vorwurf, sich auf diese Weise an der „Asylindustrie“ zu bereichern, welche durch Steuergelder finanziert würde, wies Bürgermeister Sepp Hartl zurück. „Natürlich sind das unsere Steuergelder. Aber wir nehmen etwas von dem Kuchen und schaffen wieder etwas für die Allgemeinheit. Das ist doch besser, als wenn sich jemand Privates daran bereichert.“

Aus dem ganzen Oberland habe man für das Waakirchner Modell Zuspruch erhalten, berichten die Verantwortlichen abschließend. Daher wolle man daran festhalten. Im Herbst soll das “Haus am Buchkogl” fertig sein. Das nächste Haus solle dann aber in Waakirchen entstehen, versprechen sie den Schaftlachern.

Interessierte Bürger können sich unter der Website des Kommunalunternehmens über das Projekt informieren.

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