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Protest gegen Flüchtlingsunterkunft in Rottach-Egern

Asyl-Traglufthalle: Widerstand formiert sich

Noch gibt es in Rottach-Egern keine Sammelunterkunft für Asylbewerber. Erst im nächsten Jahr soll eine Traglufthalle errichtet werden. Doch bereits jetzt wird dagegen Stimmung gemacht. „Nein zum Heim“ steht in großen Lettern auf einem Plakat an der Zufahrt zum künftigen Standort der Halle.

Mit diesem Schild
Mit diesem Schild machen die Asylgegner klar, dass sie die geplante Traglufthalle nicht so einfach hinnehmen wollen.

Bislang gärte die Abneigung gegen die massenweise Unterbringung von Flüchtlingen in Rottach-Egern nur unter der Oberfläche. Seit diesem Wochenende bricht sie sich nun Bahn: „Asylbetrug stoppen. Wir werden uns wehren – Nein zum Heim“ steht auf der Wiese an der Valepper Straße dort, wo unweit davon im Februar die Traglufthalle für 120 Flüchtlinge bei der Sportanlage Birkenmoos entstehen soll.

Das Protestschild ist anonym, niemand bekennt sich bislang dazu öffentlich. „Ich hoffe sehr, dass dies nicht anonym bleibt und man mit den Menschen, die Bedenken haben, reden kann“, äußert sich Gemeinderat Klaus Fresenius (FWG) überrascht. Wie er hat wohl kein Rottacher Ratsmitglied bislang Kenntnis von dieser Aktion. Gleichwohl ist dem Bürgermeister Christian Köck (CSU) offensichtlich bekannt, so wird er jedenfalls zitiert, dass es Ängste und Widerstand in Rottach-Egern gebe.

Er wisse, dass die Flüchtlingsunterkunft im Ort teils auf Ablehnung stoße: „Aber wir können uns der Verpflichtung, Flüchtlinge aufzunehmen, nicht entziehen.” Auch von Touristen bekomme er Briefe. Darin wird gedroht, nicht mehr zu kommen, wenn an ihrem Urlaubsort ein Asylbewerberheim steht. Um den Druck aus dem Kessel zu nehmen, lädt der Rathauschef am 2. Dezember zu einer Sonder-Bürgerversammlung ins Seeforum ein. Das Thema lautet: Was erwartet den Ort, wenn eine Traglufthalle kommt?

Thema polarisiert

Das Plakat, das auf Privatgrund steht, soll womöglich Ängste bis zur Bürgerversammlung schüren, Stimmung gegen Flüchtlinge machen, ähnlich der rechtspopulistischen Pegida in Dresden. „Wenn dieses Plakat ausdrücken soll, dass wir die Asylbewerber nicht unterbringen sollen, dann ist das nicht der richtige Weg“, so Klaus Fresenius. Natürlich müsse man die Sorgen der Bürger ernst nehmen. Er könne auch die Anwohner im Birkenmoos gut verstehen, wenn diese sagen, dass dann mehr Verkehr sei.

Bislang habe ich in der Gemeinde aber noch nicht bemerkt, dass es eine harte Gegenbewegung zur Traglufthalle für die Asylbewerber gibt.

Dass es „Beunruhigte“ gibt, sei ihm bekannt. Dies sei kein Wunder, nachdem man sich jetzt auch in Berlin beim Koalitionsgipfel nicht einmal einig wurde. „Der Begriff Asylbetrug ist für mich sehr polemisch und trägt nicht dazu bei, das Problem zu lösen“, so Fresenius.

Grünen-Gemeinderat Thomas Tomascheck ist schockiert, als er von der Botschaft des Plakats durch die Tegernseer Stimme erfährt: „Das sind Vorurteile. Wir versuchen als Gemeinde mit der Infoveranstaltung die Ängste der Bürger zu nehmen. Dabei wollen wir die Leute mit ins Boot holen“. Anastasia Stadler (CSU) erklärt: „Wir können in Rottach nicht so tun, als würde uns das Problem nichts angehen. Wir haben 17 Gemeinden im Landkreis und da ist Solidarität gefragt und notwendig“.

Direkt an der Valepper Straße
Direkt an der Valepper Straße steht das von beiden Seiten beschriftete Schild.

Bürgermeister Köck war am Sonntag für eine aktuelle Stellungnahme nicht zu erreichen. Bekannt ist aber von ihm , dass er versucht, engagierte Bürger für die Betreuung der Flüchtlinge zu finden. Ziel der Bürgerversammlung werde es sein, einen Helferkreis zu bilden. Bereits jetzt hätten etliche Rottacher ihre Bereitschaft signalisiert, als Helfer tätig zu werden.

Am 2. Dezember sollen dann Experten bei der Bürgerversammlung Fragen rund ums Thema Flüchtlingshilfe beantworten. Von Erfahrungen, die anderswo gemacht wurden, wolle Rottach profitieren, so Köck nach einem Medienbericht. Für den Ort sei es deshalb wichtig zu wissen, was vielleicht anderswo nicht gut gelaufen ist. Bislang leben nur vier Flüchtlinge in der Gemeinde. Die geplante Traglufthalle polarisiert offenbar schon jetzt.


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