Tal-Gemeinden und Katholische Kirche suchen nach Lösungen
Asylbewerber müssen in Miesbacher Turnhalle

von Robin Schenkewitz

Nun steht das Worst-Case-Szenario für den Landkreis vor der Tür. Ab übermorgen werden 20 Asylbewerber in einer Turnhalle untergebracht. Allerdings nicht in Tegernsee, sondern in Miesbach.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz wünscht sich daher mehr Engagement der anderen Gemeinden, auch aus dem Tegernseer Tal. Das haben sich die Verantwortlichen offenbar zu Herzen genommen und stellen nun geeignete Plätze zur Verfügung. Unterdessen sind die bisherigen Angebote privater Vermieter zu teuer oder nicht bewohnbar.

Die Turnhalle der Miesbacher Grundschule wird gerade auf die Unterbringung der Asylbewerber vorbereitet
Die Turnhalle der Miesbacher Grundschule wird gerade für die Unterbringung der 20 Asylbewerber vorbereitet

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„Ich schreie nicht Hurra, aber ich sehe hier ganz klar eine Notwendigkeit“, kommentiert Ingrid Pongratz die Nachricht, dass ab übermorgen 20 Asylbewerber in der Turnhalle bei der Miesbacher Grundschule untergebracht werden sollen. Die Unterbringung sei zunächst nur vorläufig und nur für die nächsten vier Wochen angedacht, erklärt unterdessen Landratsamt-Sprecher Gerhard Brandl.

“Ein unwürdiger Ort zum Leben”

Derzeit wird die Halle sauber gemacht und für die zwölf Pakistani und acht Nigerianer hergerichtet. Alle 20 Asylbewerber sind Männer. Familien waren diesmal nicht dabei. Dennoch findet Pongratz, dass Turnhallen einfach ein ungeeigneter Ort zum, wenn auch nur vorübergehenden, Leben seien. „Es ist unwürdig, die Leute dort unterzubringen“, so Miesbachs Bürgermeisterin.

Zwar könnten sich die Leute in der Halle duschen und waschen, kochen können sie allerdings nicht. Zudem können sich die Flüchtlinge dort mit nichts anderem beschäftigen. „Mir geht es hier um die Menschlichkeit“, meint Pongratz. Diese Menschen hätten schlimme Schicksale hinter sich. Die Leute sollten sich mal überlegen, wie dankbar sie für ihr Leben in Deutschland sein können, so die ganz persönliche Meinung der Bürgermeisterin. Daher fühle sie sich von einigen Kommunen im Landkreis ein wenig allein gelassen:

Es gibt schließlich auch am Tegernsee Turnhallen und andere Gebäude, die für eine Unterbringung geeignet wären. Ich finde es schon sehr traurig, dass hier bis jetzt nichts gefunden wurde. Es kann nicht sein, dass nur wenige Gemeinden im Landkreis die Asylbewerber aufnehmen.

Negative Auswirkungen durch die 20 Bewerber erwartet Pongratz im Übrigen nicht. Bereits jetzt seien im ehemaligen Gesundheitsamt einige Menschen untergebracht. Und da funktioniere die Unterbringung sehr gut. „Wir haben keine Probleme mit den Asylbewerbern“, weiß die 57-jährige CSU-Politikerin.

Tegernsee ist die zweite Gemeinde

Nach der anfangs etwas zurückhaltenden Position zum Thema Asylbewerber scheint sich diese Meinung nun auch im Tal zu ändern. So berichtet Tegernsees Zweiter Bürgermeister Anton Staudacher, dass die Stadt bereits zwei Unterkünfte gefunden und zur Verfügung gestellt habe.

Gestern hätten sich die Verantwortlichen aus dem Landratsamt eine der beiden Räumlichkeiten bereits angeschaut. „Das ist ein Haus, das derzeit nicht genutzt wird“, so Staudacher auf Nachfrage. Ginge es nach ihm, könnten dort bereits morgen die ersten Asylbewerber einziehen.

Das andere Gebäude sei ein kleineres Haus, das im Moment noch gestrichen und bewohnbar gemacht werden muss. Insgesamt könnte Tegernsee wohl mit den beiden neuen Wohnungen sechs bis sieben Flüchtlinge unterbringen. „Tegernsee hat also seinen Beitrag geleistet“, meint Staudacher.

“Die Kirche soll Vorbild sein”

Aber auch anderswo wird sich um neuen Wohnraum gekümmert. So erklärt Dekan Walter Waldschütz, dass er angeboten habe, einige Asylbewerber unterzubringen. Bei der Wohnung würde es sich um eine kleine Dachgeschosswohnung in Rottach-Egern handeln, die zwar eigentlich nicht zu vermieten sei, in der aber wohl einige Leute Platz finden könnten.

Zudem hätte die Kolpingfamilie bereits angeboten, die Versorgung zu übernehmen. Allerdings müssten laut Waldschütz noch die verschiedenen Stiftungsgremien vorher gefragt werden. Der Dekan wünscht sich allerdings sehr, dass das klappt. „Ich würde mich freuen, wenn hier die Kirche als gutes Beispiel vorangeht“, so Waldschütz.

In den anderen Gemeinden hat sich seit der letzten Woche noch kein neuer Stand ergeben. Während Kreuth noch auf Rückmeldung vom Landratsamt wartet, ob ihre angebotene Notunterkunft gebraucht werde, haben Wiessee und Gmund keine Unterbringungsmöglichkeiten zu bieten. „Wir verwehren uns der Sache nicht, aber derzeit sind bei uns alle Liegenschaften belegt“, so Wiessees Geschäftsleiter Michael Herrmann auf Nachfrage.

Die Zeit drängt

Bei den privaten Vermietern habe sich laut Pressesprecher Brandl ebenfalls noch nichts ergeben. Zwar habe man sich bereits Räumlichkeiten angeschaut, doch die Verhandlungen hätten sich als schwierig herausgestellt. „Wir sind da einfach noch nicht zusammengekommen“, so Brandl.

Etwas konkreter wurde da ein anderer Mitarbeiter des Landratsamts, der allerdings nicht namentlich genannt werden möchte. Die Unterkünfte seien bis jetzt immer entweder viel zu teuer oder schlichtweg nicht bewohnbar gewesen. Dabei drängt die Zeit.

Zwar habe man laut Aussage aus dem Landratsamt noch keine Information bekommen, dass dem Landkreis Miesbach neue Asylbewerber zugewiesen werden sollen, das heiße jedoch gar nichts. „Wir gehen davon aus, dass Mitte September neue Bewerber bei uns vor der Tür stehen”, so Brandl. Spätestens dann stehe man wieder vor der Herausforderung, kurzfristige Lösungen für die Unterbringungsproblematik zu finden. Die schlechteste aller Optionen wäre eine zweite Turnhalle.

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