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Gulbransson Museum thematisiert den NS-Kunstraub

Auf Befehl des Führers

Während sich der Tegernseer Stadtrat nun von der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers distanzierte, setzt sich wenige Tage später das Olaf Gulbransson Museum mit dem größten Kunstraub aller Zeiten auseinander.

Adolf Hitler und Joseph Goebbels bei der Eröffnung der Kunstausstellung im Haus der Kunst in München
Adolf Hitler und Joseph Goebbels bei der Eröffnung der Kunstausstellung im Haus der Kunst in München

Die Kunsthistorikerin Birgit Schwarz beschäftigt sich seit Jahren in zahlreichen Publikationen mit der Kunst des 20. Jahrhunderts und der Museumspolitik des Dritten Reiches. Zuletzt erschien ihr Buch: Auf Befehl des Führers – Hitler und der NS-Kunstraub. So lautet auch der Titel ihres Vortrages am 17. April im Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee. Das Thema gewinnt durch den Fund von 1280 Kunstwerken in der Schwabinger Wohnung von Cornelius Gurlitt vor vier Jahren an besonderer Akualität.

Ein Jahr später wurden weitere Teile der fragwürdigen Privatsammlung in Salzburg beschlagnahmt. Seitdem versucht eine Taskforce zu klären, welche Gemälde in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig erworben oder enteignet wurden. Hitler habe dem größten Kunstraub aller Zeiten nicht nur aus der Ferne zugeschaut und sich dann – wenn schon, denn schon – die besten Stücke für sein geplantes Führermuseum in Linz sichern lassen, beschreibt Schwarz die damaligen Enteignungen.

Größter Kunstraub aller Zeiten

Hitler habe diesen brutalen Raub gelenkt, und er wollte auch nicht nur Linz, sondern die Museen im ganzen Reich ausstatten. Er plante Gigantisches, so die promovierte Autorin und Provenienzforscherin, die an der Universität Wien tätig ist. Ihr Buch habe sie bereits geplant, bevor man von den geheimen Bildern Gurlitts erfuhr. Sie hat sich viele Jahre davor mehrfach in Studien mit Hitlers Vorliebe für die bildende Kunst befasst.

Nun justiert sie die Forschung zur Plünderung von Kunstbesitz in den besetzten Ländern neu, korrigiert diese ausdrücklich. Für sie gibt es nicht den oft zitierten NS-Kunstraub, für sie war es Hitlers Kunstraub. Dies schreibt der Spiegel in einer Sachbuchkritik über Birgit Schwarz, sie erhelle Hitlers Rolle beim größten Kunstraub aller Zeiten, der ein Kernstück seiner Kulturpolitik war.

„Noch furchtbarer, als bisher bekannt“

„Mit dem Anschluss Österreichs 1938 räumte sich der kunstbesessene Diktator das Recht ein, über jedes hochrangige Kunstwerk, das vom Nazi-Staat geraubt wurde, persönlich zu entscheiden“, so Schwarz in einem Vorwort zu ihrem Vortrag. Die Beute sollte auf Museen des Großdeutschen Reiches verteilt werden. In der „Ostmark“ (Österreich) wurde die Verteilung Realität, die Museen erhielten Tausende von Kunstwerken vom „Führer“ geschenkt. Für das übrige Großdeutsche Reich blieb die Verteilung in der Projektphase stecken.

Die in ganz Europa aus jüdischen Kunstsammlungen, kirchlichem Kunstbesitz und Museumbeständen geraubten Kunstwerke standen jedoch in Depots in Bayern und Österreich bereit, so Schwarz. Der Spiegel urteilt über sie: „Schwarz hat recherchiert, und nun zeigt sich: Alles ist einfacher, logischer, größer und furchtbarer als bisher behauptet“.


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